Spielbericht

4:0 in Ingolstadt! Was alles geht, wenn der Kopf funktioniert

Das war ein glatter Gang für den HSV: Mit 4:0 gegen den bereits feststehenden, absolut chancenlosen Absteiger FC Ingolstadt holte sich der HSV zumindest vorübergehend den…

4:0 in Ingolstadt! Was alles geht, wenn der Kopf funktioniert

Das war ein glatter Gang für den HSV: Mit 4:0 gegen den bereits feststehenden, absolut chancenlosen Absteiger FC Ingolstadt holte sich der HSV zumindest vorübergehend den Relegationsplatz 3 zurück. Und das durchaus beeindruckend im Zustandekommen. Denn der HSV machte genau das, was man in so einem Spiel machen muss: Er signalisierte dem Gegner, dass hier und heute nichts zu holen ist. Mit 72 Prozent Ballbesitz, einer starken Passquote von 90 Prozent angekommener Pässe, mit 20:8 Torschüssen und drei Kopfballtreffern sowie einem blitzsauberen Konter über drei Einwechselspieler zum 4:0-Endstand. Dass der heutige Gegner kein Gradmesser für den HSV war – stimmt. Aber dafür kann der HSV nichts. Der hat seine Aufgabe sehr gute erledigt und darf weiter hoffen. 

Daniel Heuer Fernandes: Bekam kaum was auf seinen Kasten. Wenn aber was kam, dann musste er schon all sein Können aufbieten – und das tat er. Sensationell (wichtig!) sein Reflex gegen Pick in der 35. Minute. Ebenso stark seine Rettungstat gegen Kutschke in der 88. Minute. Dass er nicht noch mehr zu tun bekam kann ich ihm nicht notenverschlechternd anlasten, daher: Er hat heute wirklich alles richtig gemacht!  Note: 1

Moritz Heyer: Emsig, defensiv gut, offensiv bemüht. Alles in Ordnung so. Note: 3

Sebastian Schonlau: Zu Beginn gab er die Höhe vor, auf der der HSV agierte. Er war fast immer in der gegnerischen Hälfte zu finden – und musste höllisch aufpassen, hinten nicht überlaufen zu werden. In der 16. Minute hätte es so fast das 0:1 gegeben. Sah früh (unberechtigt!) Gelb, was für einen Verteidiger immer eine Gefahr birgt. Aber: Schonlau ist ein schlauer, abgeklärter Fußballer. Und er traf sogar zum dritten Mal in dieser Saison. Note: 2

Mario Vuskovic: Er ist das personifizierte Potenzial im Team. Defensiv immer stärker, offensiv immer besser – der Kroate macht einfach Spaß. Er bewies heute, dass man ihn quasi ab der Mittellinie schießen lassen kann. Wurde kaum gefordert. Note: 3

Miro Muheim: Diesmal wacher von Beginn an – und mit dem wichtigen Assist zum 2:0 von Schonlau. Das war alles in Ordnung. Allein die 5. Gelbe Karte war ebenso unnötig wie ärgerlich. Note: 3

Jonas Meffert (bis 77.): Er hatte den ersten Torschuss. Was selten vorkommt. Also ein Torschuss von Meffert. Ansonsten wieder der Mann für die Statik im Spiel. Er organisiert, holt Bälle, verteilt Bälle – ich mag seine schlaue Art Fußball, zu spielen unheimlich gern sehen. Weil sie funktioniert. Und, weil er sie konstant abruft. Note: 3

Jonas David (ab 77.): Kam rein und leitete das 4:0 mit langen Schritten und der nötigen Übersicht ein. Gut! Note: 3

Ludovit Reis (bis 82.): Er war heute irgendwie „über“, weil Ingolstadt nichts zu bieten wusste. Dadurch waren seine Abräumerqualitäten nur sehr selten gefragt. Wenn er gebraucht wurde, war er da. Aber: Nach vorn beteiligt sich der Niederländer für meinen Geschmack noch immer zu zaghaft. Note: 4

Faride Alidou (ab 83.): Durfte sich noch die Siegprämie abholen.

Anssi Suhonen (bis 65.): Er arbeitete wie immer sehr fleißig, war mir in der ersten Halbzeit im Spielaufbau aber zu oft zu ungenau. Dennoch war sein kleiner Rempler gegen Pick vor dessen Abschluss in der 35. Minute extrem wichtig. Dennoch kann er es deutlich besser. Note: 3

Manuel Wintzheimer (ab 66.): Bemüht und glücklos. Note: 4

Bakery Jatta (bis 45.): War wieder bemüht, schlug auch eine sehr schöne Flanke, die leider ungenutzt blieb – und wurde dann (zurecht) geschont. Note: 4

Josha Vagnoman (ab 46.): Eine harte Entscheidung, ihn nicht starten zu lassen. Als er dann reinkam, merkte man dem U21-Nationalspieler seine Enttäuschung an. Umso bitterer für den Jungen, dass sein Tor zum 4:0 (zurecht wegen Abseits Kittel) nicht zählte. Er belohnte sich aber für einen erneut sehr couragierten Auftritt mit dem Assist zum 4:0 von Kaufmann. Note: 2

Robert Glatzel (bis 65.): Nach 13 Minuten hatte er einen Hundertprozentigen auf dem Fuß, den er machen muss. Machte er aber nicht. Dafür traf er in der zweiten Halbzeit und schraubte sein Torkonto auf nunmehr 19 Saisontreffer. Er wollte sichtbar nicht ausgewechselt werden – obgleich diese Maßnahme nach der Trainingspause bei einem Spielstand von 3:0 absolut gerechtfertigt war. Note: 2

Mikkel Kaufmann (ab 66.): Er räumte seine Gegenspieler ab, wie er es immer macht. Aber heute traf er endlich mal so, dass es auch zählte. Es ist ihm zu gönnen, weil er Charakter hat und immer Gas gibt. Ein versöhnliches Ende nach einer rundum enttäuschenden Saison für den Dänen. Daher auch die Note: 3

Sonny Kittel: Er leitete das 1:0 mit einem Kittel-Gedächtnis-Hackenpass ein und vollendete selbst – mit dem Kopf. Das war der Türöffner für den HSV-Sieg heute – und der Beginn eines starken Kittel-Auftrittes an alter Wirkungsstätte. In der 37. und der 41. Minute hatte er sogar das 3:0 auf dem Fuß, das er in der zweiten Hälfte dann eben auflegte. Beim 4:0 von Kaufmann ließ er den Ball mit viel Übersicht durchlaufen. Kurzum: Er sorgte für mehr Torgefahr als Mikkel Kaufmann und Faride Alidou in der gesamten Rückrunde zusammen. Allein das rechtfertigte seine Aufstellung heute schon zu 100 Prozent. Es bleibt zu hoffen, dass Kittel diese Form noch zwei Spiele Minimum konservieren kann. Note: 1

Trainer Tim Walter: Er hat seine Mannschaft heute gut auf- und genauso gut eingestellt. Hinten raus wurde der HSV nur zwei- dreimal bei Kontern gefordert, ansonsten machte der HSV mit dem bereits feststehenden Absteiger, was man mit derart deprimierten Teams macht: Man ließ den Gastgeber gar nicht erst den Gedanken fassen, hier und heute etwas reißen zu können. Dass Sonny Kittel nach seiner Einwechslung zuletzt heute von Beginn an ran durfte, dankte dieser seinem Trainer eindrucksvoll. Kurz gesagt: Walter hat heute nahezu alles richtig gemacht. Note: 2

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

FC Ingolstadt: Stojanovic - Heinloth, Antonitsch, Stevanovic, Franke - Preißinger (87. Kotzke), Musliu (46. Keller), Gaus (74. Poulsen), Schmidt (74. Sulejmani), Pick (87. Llugiqi) - Kutschke

HSV: Heuer Fernandes - Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim - Meffert (77. David), Reis (82. Alidou), Suhonen (66. Wintzheimer) - Jatta (46. Vagnoman), Glatzel (66. Kaufmann), Kittel

Tore: 0:1 Kittel (27.), 0:2 Schonlau (29.), 0:3 Glatzel (57.), 0:4 Kaufmann (81.)

Zuschauer: 8.081

Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz)

Gelbe Karten: Pick (68.) / Schonlau (21.), Muheim (85.)

Stimmen zum Spiel (via HSV.de):

Sebastian Schonlau: Es war ein verdienter Sieg. Anfangs war es schwierig, gegen die tiefstehenden Ingolstädter die Lücke zu finden. Doch als wir dann schnell das 1:0 und 2:0 erzielt haben, hat uns das Sicherheit gegeben. Wir können eine Menge Positives mitnehmen. Das gute Gefühl steht heute im Vordergrund. Dieses wollen wir in die kommende Trainingswoche mitnehmen.     

Daniel Heuer Fernandes: Wir sind von Anfang an und bis zum Ende sehr dominant aufgetreten. Ingolstadt hat die Räume sehr eng gemacht. Da ist es immer schwer, den Gegner zu bespielen, aber das haben wir mit zunehmenden Spielverlauf immer besser gemacht. Wir können heute sehr zufrieden sein und wollen unsere Überzeugung, die wir heute über 90 Minuten gezeigt haben mitnehmen. Wir sind überzeugt von unserm Spiel, unserer Mannschaft und unserem Weg.

Robert Glatzel: Wir waren heute erneut vorn und hinten konsequenter als in einigen Spielen in den Vorwochen. Wir haben hinten kaum etwas zugelassen und haben vorn früh unsere Chancen genutzt und die Tore gemacht. Das war gut. Wir haben einfach das Mindset, dass jetzt nur noch Endspiele kommen. So gehen wir es an und haben die Aufgabe wieder gut gelöst. Großes Kompliment auch an die Fans, sie haben uns heute wie auch in den letzten Wochen schon überragend unterstützt. Jetzt freuen wir uns riesig auf das Heimspiel gegen Hannover vor vielen Fans. Das wird richtig geil!

Tim Walter: Kompliment an meine Mannschaft! Wir haben uns belohnt für unsere heutige Arbeit und für das, was wir uns Tag für Tag im Training erarbeiten. Unser Spiel ist sehr facettenreich, das hat sich auch heute wieder gezeigt. Zuletzt haben wir einige Tore über Distanzschüsse erzielt, heute waren es Konter und auch Chipbälle, die wir hoch reingespielt haben. Wir hatten eine vielseitige und richtig gute Spielanlage, haben auch mal längere Bälle oben reingespielt. Die Jungs machen es einfach gut, sind sehr variabel und haben eine richtig geile Energie. Hier kann zusammen mit den Fans, die uns heute wieder richtig gepusht haben, wirklich etwas zusammenwachsen und entstehen.

Rüdiger Rehm (Trainer Ingolstadt): Ich denke, es ist ein verdienter Sieg des HSV, wobei wir in der Anfangsphase auch unsere Chancen hatten. Aber der HSV hat eine unglaubliche Dominanz ausgestrahlt und uns viel laufen lassen. Die Mannschaft hat eine hohe Qualität, der wir nicht wirklich Paroli bieten konnten. Ich bin enttäuscht, denn wir wollten mehr aus diesem Spiel herausholen, waren aber zu abwartend und nicht initiativ genug, so dass der HSV insgesamt zu leicht zu diesem deutlichen Sieg gekommen ist. 

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