Spielbericht

3:4 gegen den KSC - beim HSV steckt der Fehler tiefer im System

Es ist so schwer zu ertragen. Diese Sorglosigkeit, sich ein Spiel wie das heutige gleich dreimal aus der Hand nehmen zu lassen. Zweimal davon in den ersten Spielminuten der…

3:4 gegen den KSC - beim HSV steckt der Fehler tiefer im System

Es ist so schwer zu ertragen. Diese Sorglosigkeit, sich ein Spiel wie das heutige gleich dreimal aus der Hand nehmen zu lassen. Zweimal davon in den ersten Spielminuten der beiden Halbzeiten – und dann zu allem Überfluss auch noch in der Schlussphase. Noch schwerer zu ertragen sind die Kommentare einiger, die reflexartig den Trainer verteidigen und Sätze bringen wie „solche individuellen Fehler kann nicht mal ein Klopp an der Seitenlinie ausgleichen“. Meine Güte, wie wenig muss man von Fußball verstehen, wenn man ein solches Spiel heute allein einem Teil der Mannschaft zuschreiben will?

Nein, dieses 3:4 gegen wachere Karlsruher war ein Kollektiv-Versagen mit altbekannten Fehlern und enervierenden Wiederholungen. Zweimal die ersten Minuten der Halbzeiten so zu verpennen ist nicht mehr mit Momentversagen zu erklären. Das ist einfach nicht zu erklären - das ist dumm. Dass ein Miro Muheim zuletzt nicht gespielt hat, darf keine Entschuldigung dafür sein, dass er seine Seite gleich mehrfach komplett offenlässt. Dass der HSV aktuell einen weiteren Innenverteidiger sucht und in dem Tschechen David Zima vom FC Turin offensichtlich auch gefunden hat, darf keine Erklärung für das unerklärlich schwache Zweikampfverhalten der beiden Innenverteidiger Stephan Ambrosius und Guilherme Ramos sein. Beide hatten gute Zweikampfwerte, aber die entscheidenden Zweikämpfe haben sie nicht gewonnen. 

Nein – es gibt einfach keine andere Erklärung für dieses bittere 3:4 gegen den KSC als die, dass der HSV aktuell einfach nicht so stabil ist, wie es nötig wäre. Und dazu zählt eben auch der Trainer. Nicht er allein hat heute verloren. Aber er hat es nicht geschafft, den guten Auftakt auf Schalke ins Heimspiel zu transportieren. Und der Trainer hat Sorte dafür zu tragen, dass die Mannschaft richtig eingestellt in die Partie geht. Mindestens aber hätte er dafür sorgen MÜSSEN, dass der HSV zu Beginn der zweiten Halbzeit doppelt und dreifach so wach auf dem Platz beginnt, nachdem er sich in den ersten fünf Minuten gleich doppelt hatte übertölpeln lassen. Das aber ist nicht passiert. Im Gegenteil: Diese Defensivleistung ist eines potenziellen Aufstiegskandidaten mehr als unwürdig.

Dafür aber ist der HSV inzwischen das erste Mal nicht unter den Top 3 der Liga. Dem „ersten guten Schritt auf Schalke“ folgte ein alarmierender Rückschritt gegen den KSC. Vier Gegentore, dazu noch in einem Heimspiel – das ist hart. Und wenn man sich die Performances der Schalker ansieht (zuletzt 1:4 beim FCK verloren), erscheint der Sieg des HSV auch in einem anderen Licht. Dazu ergab die „knallharte“ Winteranalyse, dass man endlich wisse, woran es zu arbeiten gelte: dem eigenen Defensivverhalten. Im Ergebnis verteidigte der HSV heute so schwach wie in dieser Saison noch nie. Dieses Defensivverhalten (nicht allein die Viererkette!) war eine glatte Sechs.

Ich habe keine Lust, jetzt von Wochenende zu Wochenende dieselbe Diskussion zu starten, die ich hier seit Walters erstem Spiel führe. Ich habe im Winter mehr als deutlich geschrieben, was ich für richtig und logisch hielt. Die HSV-Führung hat sich anders entschieden und wird alles dafür tun, diese Entscheidung irgendwie als richtig darzustellen. Dass der Trainer von „individuellen Fehlern“ spricht, ist nicht neu. Aber ich bleibe dabei: Wer in jedem zweiten oder dritten Spiel über die zu vielen individuellen Fehler klagt und parallel die teuerste und nach eigenen Aussagen auch individuell stärkste Mannschaft zur Verfügung hat, der hat einen Fehler im System. Und das schon länger.

In diesem Sinne, Euch allen trotz allem noch einen schönen Rest-Sonntag. Zumindest einen weniger nervenden als ich ihn habe.

Scholle

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