3:3 nach 3:0 - dumme Aussetzer in Hannover kosten sicher geglaubten Sieg
„Dieses Unentschieden fühlt sich absolut nicht gut an, für uns ist es eine gefühlte Niederlage. Denn wenn man aus einem 3:0 noch ein 3:3 werden lässt, dann hat man verdammt…

„Dieses Unentschieden fühlt sich absolut nicht gut an, für uns ist es eine gefühlte Niederlage. Denn wenn man aus einem 3:0 noch ein 3:3 werden lässt, dann hat man verdammt viel falsch gemacht.“ Das waren HSV-Trainer Daniel Thiounes einleitende Worte bei der Pressekonferenz nach diesem 3:3 in Hannover. Man hätte eher das vierte und fünfte Tor schießen müssen, als die Gegentreffer zu kassieren, schob Thioune nach – und er hatte Recht. Auch mit seiner Startaufstellung. Da gab es genau das zu bewundern, was ich meinte, als ich vor ein paar Tagen geschrieben hatte: Daniel Thioune kann sich eigentlich gar nicht falsch entscheiden, weil sich sowohl die Rückkehr von Terodde wie auch der Verbleib von Wood auf dem Platz argumentieren ließe. Und so war es heute vor dem Spiel bei Hannover 96 – und geht man nach der ersten Halbzeit und dem daraus zu erwartenden Spielverlauf, würde das auch im Anschluss an dieses Spiel noch gelten.
Denn der HSV spielte erneut ohne Terodde – und erneut richtig gut. Nur, um Missverständnissen und falschen Interpretationen vorzubeugen: Obwohl Terodde fehlte – nicht, weil er fehlte. Mit Terodde hätte der HSV dieses sensationell unnötige 3:3 ziemlich sicher gewonnen. Denn Wood machte zwar, was er konnte. Aber seine Torabschlüsse (zwei Buden hätte er machen MÜSSEN) waren insgesamt zu schwach. Wood verpasste es, das Spiel nach dem 1:3-Anschlussstreffer der Niedersachsen gleich im Gegenzug zu entscheiden. Genau genommen sogar zweimal mit Chancen, von denen man bei Terodde mindestens von einem sicheren Treffer ausgehen dürfte. Aber eine kritische Abseitsentscheidung und Thiounes zu späte Einwechslung verhinderten, dass Terodde das Match vorzeitig entschied. Denn so kam, was trotz alledem niemals hätte passieren dürfen.
Wood beginnt - und es läuft richtig gut
Und das nach einer sehr starken ersten Halbzeit, die auch zu Beginn der zweiten Hälfte fortgesetzt werden konnte. Mit einem unfassbar effektiven Offensiv-Duo Manuel Wintzheimer/Aaron Hunt. Allein die beiden besorgten schon die ersten drei Treffer dieser Partie, die der HSV fast schon beängstigend souverän begann. Hinten stand man bombensicher, vorne traf Hunt gleich mal im Doppelpack jeweils nach Zuspielen von Wintzheimer. Das Beste (und im Nachhinein vielleicht Trügerische) bis hierhin: Es klappte alles, ohne zu viel Aufwand betreiben zu müssen. Es war taktisch gut und ökonomisch gespielt. Man ließ Hannover zu Beginn weitgehend in Ruhe und presste immer nur partiell. Und damit wussten die Niedersachsen nichts anzufangen. Im Gegenteil, der HSV brauchte auf den bzw. die Fehler der Gastgeber nur zu warten, um seinerseits per schnellen Gegenstoß zum Erfolg zu kommen. Beim zweiten Hunt-Treffer kam es auch genauso, zuvor, beim 1:0 reichte sogar ein Einwurf.
Nach bis dahin ereignislosen 13 Minuten wirft Gyamerah den Ball zu Leibold. Der Kapitän lupft direkt weiter auf Wintzheimer, der wiederum sieht Hunt vor dem Sechzehner – und der schiebt den Ball mit seinem schwächeren, rechten Fuß unter Hannovers-Keeper hindurch. Haltbar definitiv– aber das war mir ehrlich gesagt sch….egal! Der HSV führte mit 1:0 in Hannover – und er legte noch mal nach. Diesmal per schnellen Gegenstoß über Manuel Wintzheimer. Und wieder sieht der Angreifer den besser postierten Hunt, der diesmal unhaltbar links unten (aus seiner Sicht) einschiebt.
Hunts zweiter Treffer in diesem Spiel und sein vierter in dieser Saison insgesamt. Aber es war noch längst nicht sein letzter Treffer in diesem Spiel – denn Hunt legte in der zweiten Halbzeit noch einmal nach. Nachdem er kurz vor dem 96-Sechzehner den Ball auf dem linken Fuß hat und nicht angegriffen wird, zieht er einfach mal ab und trifft ins lange Ecke zum 3:0 (50.). Vorbereiter hier – wie zuvor auch schon: Natürlich Manuel Wintzheimer. Und nach diesem dritten Hunt-Treffer bzw. Hunt‘s Hattrick waren sich eigentlich alle sicher, dass der HSV dieses Spiel gewinnen wird.
Aaron Hunts Hattrick als Vorentscheidung? Denkste....!!
Auch ich hatte eigentlich keine Zweifel mehr, da Hannover ideenlos wirkte. Selbst der unhaltbare Anschlusstreffer von Haraguchi (56.) änderte daran zunächst nichts, zumal der HSV nur eine Minute später das sichere 4:1 nachlegte – dachte ich allerdings wieder nur. Denn Wood schaffte es tatsächlich, den Ball nicht im Hannover-Tor unterzubringen. Und nachdem Wood auch einen zweiten Hundertprozentigen liegen ließ, Hannover auf 2:3 herankam, brachte Trainer Thioune endlich Simon Terodde, den man gegen Heidenheim und hier 50 Minuten lang kaum vermissen musste. Dass er sich binnen 65 Sekunden gleich in die Torschützenliste eintragen durfte, untersagten ihm Schiedsrichter Badstübner. Eine Fehlentscheidung aus meiner Sicht. Aber vielleicht nichts anderes als ausgleichende Gerechtigkeit, da Hannover in der 45. Minute einen Foulelfmeter hätte kriegen können.
„Heute war es nicht gut, was wir gemacht haben. Das müssen wir festhalten. Wir hatten nach dem 3:0 nochmal zwei, drei hundertprozentige Chancen, wo wir das 4:0 und das 5:0 machen müssen. Dann bringen wir uns selbst wieder in Not und bringen Hannover zurück ins Spiel. Leider haben wir in der 2. Halbzeit den einen oder anderen Fehler gemacht. Aber trotzdem müssen wir das Spiel am Ende 5:3 oder 6:3 gewinnen“, schimpfte Hunt nach Schlusspfiff. Und er hatte Recht damit.
Denn dass der HSV am Ende tatsächlich noch in der Lage ist, das 3:3 einzufangen, es lag an der schlechtesten zweiten Halbzeit seit sehr langer Zeit. Offenbar hatte sich der HSV in der ersten Halbzeit an den gerungen Aufwand, den man hier nur zu betrieben hatte, eingestellt. Nicht aber darauf, dass die Hannoveraner tatsächlich noch an sich glaubten und mit Haraguchi ihren Ausnahmespieler haben, der mit einem solchen Traumtor wie zum 1:3 selbst im Winterschlaf befindliche Mannschaftskollegen aufzuwecken wusste.
Der HSV hat dieses Spiel auch deshalb abgegeben, weil die Nominierung von Wood inzwischen zum Selbstzweck geworden ist. Immer wieder wurde der US-Amerikaner gesucht, vor allem aber zu lange auf dem Platz gelassen. Die erste Halbzeit hatte gezeigt, dass Wood alles versuchte – dass das aber eben nur dann ausreicht, wenn ihn die Mannschaft ansonsten mitträgt.
Ein Spiel, aus dem der HSV viel lernen kann
Dieses Spiel hat auch gezeigt, dass ein junger Spieler wie Onana in wichtigen Phasen jemanden braucht, der ihn leitet. Solche Ballverluste wie vor dem 2:3 und noch mehr vor dem 3:3 dürfen ihm zwar noch passieren, dafür ist er noch jung. Aber sie müssen von den Kollegen ausgebügelt werden. Heute wurden sie das nicht, heute kam Terodde erst nach 70 Minuten, heute fühlen sich beim HSV alle so, als hätten sie dieses Spiel verloren. „Es fühlt sich im Moment sehr schlecht an. Das Gefühl der Enttäuschung ist heute natürlich sehr groß“, sagte HSV-Trainer Daniel Thioune nach der Partie. „Enttäuscht bin ich vor allem über den Spielverlauf. Das Ergebnis ist aus unserer Sicht selbst verschuldet. Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir es nicht final zu Ende gespielt haben. Wir werden das Spiel jetzt analysieren und es in fünf Tagen deutlich besser machen.“ Das muss der HSV auch.
In diesem Sinne, Euch trotz allem noch einen schönen Ostersonntag. Habt ein paar schöne, freie Stunden bzw. Tage und vor allem: bleibt gesund!
Bis morgen!
Scholle
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
Hannover 96: Esser - Muroya, Franke, Falette, Hult - Haraguchi, Kaiser (46. Doumbouya), Muslija (69. Ochs) - Twumasi (69. Maina), Ducksch (89. Frantz), Sulejmani (46. Bijol)
HSV: Ulreich - Vagnoman, Heyer, Ambrosius, Gyamerah - Onana, Hunt (85. Dudziak), Kittel (88. Jatta), Leibold (71. Narey) – Wintzheimer (85. Kinsombi), Wood (71. Terodde)
Tore: 0:1 Hunt (14.), 0:2 Hunt (34.), 0:3 Hunt (50.), 1:3 Haraguchi (56.), 2:3 Ducksch (68.), 3:3 Haraguchi (84.)
Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach)
Gelbe Karten: - / Heyer (76.), Onana (82.)
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