3:1 in Bayreuth - HSV müht sich in Runde zwei des DFB-Pokals
Als der HSV endlich anfing, den Ball in den Sechzehner zu spielen, zu flanken oder zu dribbeln, wurde es gefährlicher. Plötzlich – und das war schon Mitte der zweiten Halbzeit…

Als der HSV endlich anfing, den Ball in den Sechzehner zu spielen, zu flanken oder zu dribbeln, wurde es gefährlicher. Plötzlich – und das war schon Mitte der zweiten Halbzeit – kam der HSV zu Torchancen. Ein Szenario, das auch HSV-Trainer Tim Walter die Augen öffnen sollte, endlich seinem Spiel dieses nicht allzu kreative Stilmittel als Alternative beizufügen, wenn die Ideen einfach nicht da sind. Also so wie heute, wo der HSV gegen tapfer kämpfende, aber eben auch deutlich unterlegene Bayreuther einfach den Weg zum Tor nicht fand, während man durch einen abgefälschten Freistoß 0:1 zurücklag. Dass der HSV am Ende trotzdem mit 3:1 gewann, lag an den Einwechselspielern, allen voran Doppeltorschütze Ransey Königsdörffer.
Es war aus meiner Sicht kein guter Sieg – aber auch kein unverdienter. Denn der HSV hatte das Spiel grundsätzlich im Griff, lag aber trotzdem früh durch den ersten Torschuss zurück. Aber: Der pausenlose Hamburger Sturmlauf nach der Pause mündete zunächst nach etlichen vergebenen Torchancen im 1:1 des eingewechselten Ransford Königsdörfer in der 83. Minute. In der Verlängerung traf zunächst Kapitän Sebastian Schonlau nach einer Ecke von Sonny Kittel im Strafraum aus der Drehung (97.). Für die Entscheidung sorgte dann der erneut erfolgreiche Königsdörfer (111.) im mit 14.700 Zuschauern gefüllten Hans-Walter-Wild-Stadion.
Die Einzelkritik:
Daniel Heuer Fernandes: Chancenlos beim 0:1, ansonsten da, wenn er gebraucht wurde. Note: 3
Moritz Heyer (bis 78.): Er spielt nicht richtig gut, aber auch nicht schwach. Er macht immer sein Ding, aktuell leider, ohne dabei zu glänzen. Note: 4
Aaron Opoku (ab 78.): Das war nicht viel. Mit seinem Tempo, seinem Antritt muss er gegen müde Drittligisten einfach mehr versuchen. Er muss mutig spielen, wenn er spielen will. So aber lieb er ohne Wirkung. Note: 4
Sebastian Schonlau: Dem Kapitän fehlt Timing in allen Bereichen. Er findet nicht in die Zweikämpfe – außer über Fouls. Sein Stellungsspiel und vor allem die Organisation bei schnellen Gegenstößen ist schwach. Von ihm darf/muss man mehr erwarten können. Dass er am Ende mit seinem ersten Treffer im DFB-Pokal das 2:1 besorgte, spricht für seinen Willen, nie aufzuhören. Hoffentlich war das jetzt das Spiel, das er brauchte, um wieder auf Normalform zu kommen. Note: 3,5
Mario Vuskovic: Seine Nominierung trotz Daumenverletzung demonstrierte, wie ernst Trainer Tim Walter den Pokal nimmt. Das Risiko hat sich nur sehr bedingt gelohnt. Auch er hatte Probleme mit den wenigen Gegenstößen der Bayreuther. Note: 4
Miro Muheim: Darf gern häufiger lange Pässe spielen. Wenn sie so kommen, wie heute kurz vor der Halbzeit, könnte sie das Überraschungsmoment im ansonsten zu sehr auf Ballbesitz ausgelegten HSV-Spiel. Seine Dribblings sind stark ausbaufähig, da verliert er zu oft den Ball. Aber ansonsten noch einer der aktiveren im Team. Note: 3,5
Jonas Meffert: Spielte sehr unauffällig, erst mit zunehmender Spielzeit wurde er präsenter. Sein Torabschluss erinnert mich immer wieder an den torungefährlichsten HSVer der letzten 25 Jahre, David Jarolim. Bei dem Tschechen haben sich die Gegenspieler immer wieder zugerufen, „den kannst du schießen lassen“… Dabei hat Meffert technisch alle Voraussetzungen und zeigt es im Training besser… Note: 4
Ludovit Reis (bis 70.): Er tut mir leid. Er ist tatsächlich neben Keeper Heuer Fernandes aktuell der einzige beim HSV in Normalform. Aber ohne Anspielpunkte, und somit ohne Text. Note: 3
Maximilian Rohr (ab 71.): Er bereitete das 1:1 vor und rechtfertigte damit seine Einwechslung. Ansonsten hatte er noch eine Kopfballchance, die er kläglich vergab. Note: 4
Laszlo Benes (bis 45.): Er „verschuldete“ den Freistoß zum 0:1, war aber bis dahin aber einer der Aktivposten. Auch danach bemüht – aber ich erkenne bei ihm einfach keine Verbesserung für das HSV-Spiel. Im Gegenteil: Seine technischen Qualitäten führen dazu, dass der HSV noch mehr auf Ballbesitz geht und sich ins ziellose Geschiebe verliert. Der Zugang aus Mönchengladbach muss selbst mehr Zug zum Tor entwickeln, wenn er endlich eine Verstärkung werden will. Note: 5
Ransey Könisdörffer (ab 46.): In der 58. Minute hätte er sich zum HSV schießen bzw. köpfen können. Nein: MÜSSEN. In der 83. Minute war er dann endlich da und ließ den Knoten platzen. Seinen – und den des HSV. Das 3:1 in der 111. Minute zeigte, was etwas Selbstvertrauen aus ihm herausholen kann. Das war richtig cool gemacht. Note: 2
Filip Bilbija (bis 45.): Fälschte den Freistoß zum 0:1 ab – aber das ist ihm nicht vorzuwerfen. Sehr wohl aber, dass er in den ersten 45 Minuten quasi nicht teilnahm. Und wenn er am Ball war, dann dauerte es zu lange. Enttäuschend. Note: 5
Ogechika Heil (ab 46. Bis 115.): Auch er hatte nicht viele Aktionen, aber selbst das reichte schon, um deutlich besser zu sein als sein Vorgänger. Trotzdem bleibe ich dabei: Auf Sicht ist die Besetzung mit Heil auch deutlich zu wenig für die Ansprüche des HSV. Musste angeschlagen wieder runter. Note: 4
Jonas David (ab 115.): Noch kurz dabei und fast Torschütze (119.).
Robert Glatzel: Er leidet immer wieder, wenn sich seine Vorbereiter Kittel, Benes und Co. i Kleinklein verlieren. Blieb in der ersten Hälfte komplett ohne Wirkung, weil nichts in den Sechzehner kam. Aber er arbeitet unermül8ch, sucht den Ball. Und als endlich mehr kam, hatte er auch seine Chancen. Er traf aber trotz bester Chancen nicht. Note: 4
Sonny Kittel: Wurde viel gesucht, bekam viele Zuspiele – machte aber nichts draus. Auch nicht aus dem starken Zuspiel von Muheim in der 45. Minute, als er freistehend über das Tor lupfte. Tauchte in der zweiten Halbzeit lange unter, obwohl seine Ideen gefragt waren. Gegen Ende des Spiels und in der Verlängerung war er wieder da. In der 107. Und 108. Minute hatte er die Vorentscheidung auf dem Fuß, vergab aber. Insgesamt ist mir das zu wenig. Note: 4
Trainer Tim Walter: Seine Einwechslungen brachten zumeist neuen Schwung, das war gut. Aber seine Geduld, die ich Sturheit nenne, das eine System als das einzige durchzuziehen, wird immer schwerer zu vertreten, wenn selbst derartig unterlegene Gegner wie Bayreuth die Schwachstellen aufzeigen. Note: 4
Die Statistik zum Spiel:
SpVgg Bayreuth: Kolbe - Hemmerich, Weber, Schwarz, Lippert - Heinrich (96. Götz), Groiß, Andermatt (70. Zejnullahu), Nollenberger (70. Maderer) - Kirsch (100. Ziereis), Steininger (70. Stockinger)
HSV: Heuer Fernandes - Heyer (77. Opoku), Vuskovic, Schonlau, Muheim - Meffert, Reis (70. Rohr), Benes (46. Heil, 115. David) - Bilbija (46. Königsdörffer), Glatzel, Kittel
Tore: 1:0 Hemmerich (16.), 1:1 Königsdörffer (83.), 1:2 Schonlau (97.), 1:3 Königsdörffer (111.)
Zuschauer: 14.700 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Michael Bacher
Gelbe Karten: Steininger, Andermatt, Groiß, Weber, Kolbe / Schonlau
Gelb-Rote Karten: Groiß (112.) / -
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