Spielbericht

3:0 gegen Hansa Rostock und Rang drei - HSV macht großen Schritt nach vorn

Der HSV macht in seiner Entwicklung weitere Schritte nach vorn. In der Tabelle sogar Dank des 3:0-Sieges gegen den FC Hansa Rostock heute einen richtig guten, wichtigen und…

3:0 gegen Hansa Rostock und Rang drei - HSV macht großen Schritt nach vorn

Der HSV macht in seiner Entwicklung weitere Schritte nach vorn. In der Tabelle sogar Dank des 3:0-Sieges vor 15.000 Zuschauern (coronabedingt war das Stadion damit ausverkauft) gegen den FC Hansa Rostock heute einen richtig guten, wichtigen und großen Schritt bis auf Rang drei. Für HSV-Trainer Tim Walter ist das allerdings nicht mehr als eine Momentaufnahme. Für ihn standen und stehen andere Aspekte als die Tabellenplatzierung im Vordergrund. „Unsere Entwicklung ist gut – gerade im Spiel gegen den Ball“, freute sich Walter, nachdem der HSV mit 17 Gegentreffern inzwischen die beste Defensive der Liga stellt. Der Trainer weiter: „Gleichzeitig sind wir auch beim Abschluss konsequenter geworden. Dennoch wollen wir unser Spiel immer weiterentwickeln, denn unser Weg ist noch lange nicht abgeschlossen. “ Vor allem hält dieser Weg in sechs Tagen ein weiteres, echtes Highlight parat, wenn der direkte Verfolger, der Tabellenvierte FC Schalke 04, ins Volksparkstadion kommt. 

Aber auf dem Weg dahin gab es heute schon vor dem Spiel noch einige Fragezeichen. Unter anderem ging es darum, wie die Anhänger auf den vermeintlichen Abgang von Faride Alidou reagieren würden. Ich persönlich bekam einen Vorgeschmack, als ich auf der Pressetribüne zu meinem Platz marschierte. Da musste ich an einer Gruppe junger HSV-Fans vorbei, die gerade via soziale Netzwerke die Aufstellung diskutierte. Erster Themenpunkt: Faride Alidou, denn der stand nicht nur in den letzten Tagen in der Presse, sondern auch heute in der Startelf. „Ai-Ali-Ali-Alidouuuuuu“, sang der erste und bekam direkt die Faust seines Gegenübers auf den Oberarm, begleitet von einem nicht wirklich nett betonten „Fresse!“. Die anderen beiden in dieser Viergruppe lachten, gesellten sich dann aber unmittelbar auf die Seite des Geschlagenen. „Der ist doch geil, Mann“, sagte der Dritte, und der Vierte nickte gekonnt, während er sein Bier mehr oder weniger exte. Ein Vorgeschmack auf das, was im Spiel passieren sollte?

Youngster Alidou wird von den Rängen gefeiert

Vorweg: Es soll nicht das Thema werden, das dieses Spiel beschreibt. Aber es ist ebenso wie die Personalie Bakery Jatta natürlich eine nicht zu verschweigende Begleiterscheinung dieses Nordduells mit Hansa Rostock. Leider. Denn dieses Spiel begann auch gleich mit Alidou in der Hauptrolle. Der wieder einmal bärenstarke Sonny Kittel schickte den 20-Jährigen mit einem schönen tiefen Pass steil, Alidou war von keinem Rostocker zu halten, passte quer auf Glatzel, der nur noch einzuschieben brauchte. Das 1:0 für den HSV in der 8. Minute.

https://soundcloud.com/user-36211795/mo131221-hsv-klettert-auf-rang-drei-jatta-und-alidou-antworten-walter-lobt-entwicklung?si=f0cbdb660e1f42228bf646f4474fe534&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing
https://open.spotify.com/episode/0TkkkNJ5fzuoCePeaAbgon?si=46103947f108445c

Und das nach einer vergleichsweise ruhigen Anfangsphase. Und das genau eine Minute nachdem Hansa seine beste Chance hatte. Allerdings war es ein HSVer, nämlich Mario Vuskovic, dessen Rettungsaktion HSV-Keeper Marko Johansson mit einem starken Reflex parierte (7.). Viel mehr am in der ersten Hälfte von den Rostockern, bei denen mit Haris Duljevic richtig gut gefiel, aber nicht. Im Gegenteil. Der HSV legte nach. Und das wieder sehr sehenswert.

Wieder war es Kittel, dessen Steckpass die Chance einleitete. Diesmal war allerdings Gyamerah der Empfänger. Und der zum Linksverteidiger umfunktionierte Defensivmann machte es richtig gut. Ballmitnahme bis zur Grundlinie, einmal in die Mitte geguckt, Pass per Außenrist zu Ludovit Reis, der sich gut abgesetzt hat und aus fünf Metern locker einschiebt. Das 2:0 in der 18. Minute durch den Mann, der mit beim HSV heute richtig gut gefiel – den ich aber trotzdem früher ausgewechselt hätte, nachdem er gelbvorbelastet ab der 31. Minute immer wieder in gefährliche Zweikämpfe verwickelt und von Rostockern provoziert wurde. Problem hierbei: Auch der zweite, nominell defensivere Mittelfeldspieler Jonas Meffert, war vorbelastet.

Und so kamen Reis UND Meffert auch zu Beginn der zweiten Hälfte auf den Platz. Und zusammen mit dem Rest spielten sie nicht annähernd so souverän wie noch in den ersten 45 Minuten Rostock kam aggressiv Halbzeit aber sortierter als in der ersten Hälfte besser aus der Halbzeit und hatte in der 56. Minute durch Meier seine beste Gelegenheit, als dessen Halb-Schuss-halb-Flanke knapp am langen Pfosten vorbeirauschte. Unmittelbar danach wurde dann reis gegen das Geburtstagsking David Kinsombi ausgewechselt.

Robert Glatzel konnte heute seine Treffer Nummer sieben und acht markieren

Aber das Spiel des HSV wirkte jetzt zu behäbig, als dass aus den immer wieder guten Kontergelegenheiten wirklich Kapital geschlagen wurde. Der HSV verlieh einem eigentlich schon k0mplett desillusionierten Gegner durch eigene Nachlässigkeit wieder das Gefühl, hier doch etwas reißen zu können. Und: Bei Rostock stand mit Streli Mamba inzwischen ein quirliger, schneller neuer Mann auf dem Platz, der allein schon ob seines Tempos die Abwehr des HSV ständig beschäftigte. Nur gut, dass der HSV heute in der Viererkette als Letzte Instanz mit Kapitän Schonlau, den Außenverteidigern Heyer und Gyamerah und insbesondere Mario Vuskovic sehr gut verteidigte. Nicht umsonst hat der HSV inzwischen mit nur 17 Gegentoren nach 17 Spielen die statistisch beste Abwehr der Liga. 

Beste Abwehr! HSV wird auch defensiv stabil

Und dennoch: Der HSV hätte dieses Spiel auch in dieser für Rostcok besser werdenden Phase entscheiden müssen. Denn die großen Chancen hatten Kittel und Co. trotzdem. Erst war es der HSV-Zehner selbst, der das 3:0 auf dem Fuß hatte. Aber im direkten Gegenstoß nach einer Mamba-Chance war er plötzlich frei vor Hansa-Keeper Kolke auf, schien aber ein Stück weit überrascht zu sein. Und dann war es Glatzel, der die mögliche Vorentscheidung liegenließ! Jatta wird rechts steilgeschickt, sein Pass auf Glatzel ist stark. Der Torjäger nimmt den Ball auch gut an, doch Kolke verkürzt den Winkel und fälscht den Schuss letztlich ans Außennetz. Der HSV spielte fahrlässig. Im Passspiel unterliefen unnötige Ballverluste und die Entscheidung wurde mehrfach liegen gelassen. 

Und nachdem Alidou erst die Entscheidung liegenließ und nach einem insgesamt wieder guten Spiel unter dem Applaus der Zuschauer –  das war top! - ausgewechselt wurde, traf Glatzel und machte endlich den Deckel auf dieses Spiel. Wieder schön herausgespielt, wobei der Bärenanteil dieses Treffers sicherlich dem Geburtstagskind Kinsombi anzurechnen ist. Denn der nimmt einen Jatta-Ball auf, geht ohne Probleme an seinem Gegenspieler vorbei, legt quer auf Glatzel – das 3:0 in der 80. Minute. Dass das 4:0 von Mikkel Kaufmann nach schönem Steckpass von Kittel-Ersatz Anssi Suhonen im Videobeweis wieder aberkannt wurde (87.) – sehr schade. Ich hätte es dem Dänen sehr gegönnt!

Vorfreude auf Highlight zum Jahresausklang gegen Schalke

Dennoch blieb dieser Sonntag letztlich ein Tag der Freude für die HSV-Fans, den Trainer und die Spieler, die sich mit diesem 3:0 jetzt in der Tabelle sogar auf Rang drei vorschieben konnten. „In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut nach vorn gespielt, wenig zugelassen. Nach der Halbzeit ist Rostock mehr Risiko gegangen, da hat sich das Spiel verändert. Da haben wir 20 Minuten gebraucht, um uns zu sortieren“, analysierte Walter und nannte den Erfolg „gegen hart und aggressiv spielende Rostocker“ verdient, was es sicherlich trifft. Und am kommenden Sonnabend kommt zum Abend- und zum Abschlussspiel für den HSV im Jahr 2021 der Tabellenvierte, der FC Schalke 04 als direkter Verfolger. Schlussfazit Walter: „Es war ein gutes Spiel gegen einen extrem aggressiven und leidenschaftlich kämpfenden Gegner. Wir haben gezeigt, dass wir auch giftig und gallig sein können“

In diesem Sinne, der HSV macht weiterhin Fortschritte. Mal kleinere, mal größere . Auch in der Tabelle. So kann und darf es gern weitergehen…!

Bis morgen! 

Scholle 

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