3:0 gegen FCK - der HSV startet mit seiner besten Saisonleistung in die Top-Spiel-Wochen
Nur so viel zu diesem Spiel: Das waren endlich mal 90 durchgehend gute Spielminuten vom HSV, der sich über sehr viel Intensität das Spiel von Beginn an einverleibte. Das…

Nur so viel zu diesem Spiel: Das waren endlich mal 90 durchgehend gute Spielminuten vom HSV, der sich über sehr viel Intensität das Spiel von Beginn an einverleibte. Das bislang stärkste Rückrundenteam kam in Hamburg zwar unverhofft zur Riesenchance auf den Ausgleich zum 1:1 in der ersten Halbzeit – aber ansonsten ließ der HSV wenig bis nichts zu und erarbeitete sich Chancen en masse. Zweimal traf Davie Selke – ein Tor schöner als das andere. Seine Körpersprache, seine Intensität von der ersten Sekunde an waren heute beim neuerlichen Matchwinner sehr auffällig. Und während Selkes dritter und Königsdörffers erster Treffer heute wegen Abseits korrekterweise aberkannt wurden, ließ die starke Abwehr um Neu-Chef Daniel Elfadli sowie den seit Wochen stabilen und sogar immer stärker werdenden Denis Hadzikadunic nichts mehr zu.
Egal wer heute auf dem Platz stand – es passte. Und das, obwohl Cheftrainer Merlin Polzin krank fehlte. Ihn vertrat Cotrainer Loic Favé. Und der durfte sich über das vielleicht beste Saisonspiel des HSV freuen. „Wir hatten uns vorgenommen, 90 Minuten lang unseren Fußball durchzuziehen“, so Favé zufrieden. „In den ersten 30 Minuten haben wir eine hohe Dominanz ausgestrahlt, haben uns viele Offensivaktionen und auch Ecken erarbeitet, waren in dieser Phase aber noch nicht torgefährlich genug. Wir sind dann trotzdem in Führung gegangen, hatten anschließend aber auch etwas Glück, nicht den Ausgleich kassiert zu haben. In der zweiten Hälfte war für uns klar, dass wir zielstrebig weiterspielen wollen und sind sehr glücklich, dass wir es schlussendlich über 90 Minuten auf den Platz bekommen haben. Damit konnten wir hoffentlich auch etwas zu Merlins Genesung beitragen und hoffen, dass er ganz schnell wieder bei uns ist.“
Apropos wieder dabei: Das ist endlich auch wieder Ludovit Reis, den ich heute einmal gesondert erwähnen möchte. Denn bei allem Willen und Wollen in der ersten Halbzeit gelang ihm da noch nicht alles. Aber er nutzte seine Spielminuten, um sich kontinuierlich zu steigern und dann in der zweiten Halbzeit bis zu seiner Auswechslung bärenstark zu spielen! Top!! In dieser Verfassung kann der Niederländer, der solange auf der Suche nach seiner alten Stärke ist, noch mal ein ganz wichtiger Faktor im Aufstiegsrennen werden…
Am Ende war es ein rundum gelungener Auftakt des HSV in die Wochen der Topspiele, die auch Gästetrainer Markus Anfang großes Lob abverlangte: „Ich gratuliere dem HSV zu einem verdienten Sieg. Wir haben gegen eine absolute Top-Mannschaft gespielt. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen und waren in vielen Phasen zu passiv. Anfangs haben wir es noch ganz gut wegverteidigt bekommen, aber dann fällt das hochverdiente Tor für den HSV. Wir hatten dann zwei riesige Torchancen, um zurück ins Spiel zu kommen. In der zweiten Hälfte hat man dann die hohe Qualität des HSV gesehen. Wenn man sieht, wie die Tore gefallen sind - das ist einfach Top-Qualität. Die Mannschaft ist super besetzt und spielt einen tollen Fußball.“
Damit ist alles gesagt!!
DIE EINZELKRITIKEN:
Daniel Heuer-Fernandes: Schwieriges Spiel für ihn in der ersten Halbzeit. Aber er ist immer da, wenn er gebraucht wird. Da er heute absolut nichts falsch, dafür einiges richtig gemacht hat (dass seine Defensive vor ihm so viel wegarbeitet, kann man ihm ja nicht anlasten) gibt’s die Note: 2
William Mikelbrencis: Er ist nach vorn der bessere Rechtsverteidiger, aber nach hinten hat er Lücken. Ihn auf eine Seite mit dem defensiv unerfahrenen Mebude zu stellen, war mutig und hätte schiefgehen müssen, wenn die Lauterer konsequenter gewesen wären. Aber sein Tempo ist eine Waffe, die der HSV gerade in Sachen Absicherung nach eigenen Ecken unbedingt braucht. Und wenn er weiter solche Flanke schlägt, wie heute in der ersten Halbzeit – dann ist das gut! Er wollte unbedingt selbst treffen, aber abzulegen auf Königsdörffer wäre smarter gewesen. Trotzdem war das sehr ordentlich! Note: 2,5
Denis Hadzikadunic: Er begann wieder richtig gut. Er gewann seine Zweikämpfe, gewann verlorene Bälle zurück, stand gut – und schaltete sich sogar mit einer richtig schönen Flanke auf Selke offensiv mit ein. Nicht das erste Streichopfer in der Innenverteidigung zu sein dürfte ihm noch mal etwas mehr Selbstvertrauen geben. Note: 2
Daniel Elfadli: Spielte mit viel Auge – aber auch der nötigen Aggressivität, wenn es nötig war. Ich glaube, dass seine Art den Unterschied macht und der Mannschaft einfach mehr Energie verleiht als beim unaufgeregten Schonlau. Note 2
Sebastian Schonlau: Er stand gar nicht als Spieler auf dem Platz, aber drumherum war er trotzdem wichtig – und sehr präsent. Nach dem Spiel schnappte er sich demonstrativ Elfadli, umarmte ihn und lobte ihn. DAS IST TEAMGEIST! So agiert ein Kapitän, der das Team über die eigenen Interessen stellt. Top! Note: 1
Miro Muheim: Er schaltete sich sehr früh sehr intensiv mit nach vorn ein – und das tut dem HSV-Offensivspiel gut! Dass der echt starke Yokota verletzt runter musste, wird ihn nicht gestört haben… Hatte seine Seite nach anfänglichen Problemen von da an absolut im Griff. Note: 2
Jonas Meffert: Wenn jemand wissen will, warum ich ihn für so wichtig erachte, dann soll er sich bitte das heutige Spiel noch mal ansehen und nur auf ihn achten. Er machte heute so viele Lauf- und Passwege der Lauterer dicht, er gewann Bälle zurück und verteilte sie geschickt – das war wichtig und richtig gut. Note: 2
Ludovit Reis (bis 77.): Endlich mal wieder Startelf – das gab es davor zuletzt am 10. Spieltag (beim üblen 2:4 in Elversberg). Und bei allem erkennbaren Bemühen fehlte ihm zu Beginn noch das nötige Tempo in seinen Aktionen und im Passspiel. Aber mit Anpfiff der zweiten Halbzeit war er wieder da! Aggressiv im Zweikampf, immer noch mal einen Fuß dazwischen halten, laufstark – und er war darüber hinaus noch der Vorbereiter des wichtigen (anerkannten) 2:0. Hoffentlich bleibt er jetzt erstmal gesund und baut auf diesem guten Spiel auf! Note: 2
Marcio Richter (ab 77): Fügte sich sofort gut ein. Note: 2,5
Adam Karabec (bis 89.): Er war fleißig ohne Ende, wenn auch heute mit weniger Ballaktionen. Dennoch: Sein Anlaufen war wichtig, um die Lauterer zu stören und sie nie in Ruhe ihr Spiel aufbauen zu lassen. Schade, dass seine spektakuläre Vorlage auf Königsdörffer nicht zählte. Das war zwar ein Spiel, das sicher nicht seine Kernqualitäten abverlangte – aber er war extrem effizient und bekommt allein schon als Fleißnote die Note: 2
Otto Stange (ab 90.): Sofort auf Temperatur.
Jean-Luc Dompé (bis 89.): Er versuchte viel, aber es gelang nicht viel. In der ersten Hälfte war er bis auf ein, zwei Flanken erstaunlich wirkungslos. Aber gute Spieler sind halt die, die aus dem Nichts trotzdem entscheidende Szenen haben – so vor dem vermeintlichen 2:0, als er sich links durchsetzt und auf Selke querlegte (dieser aber im Abseits stand beim Treffer). In der zweiten Halbzeit hatte er dann die Aktionen, die man von ihm kennt. Er ist ein steter Unruheherd und zieht immer wieder zwei Gegenspieler auf sich, was automatisch dazu führt, dass sich dahinter Räume für andere ergeben. Note: 2
Alexander Røssing-Lilesiit (ab 90.): Herzlich Willkommen, Alexander! Schön, dass er noch ein paar Minuten Spielzeit bekam und die Atmosphäre auch auf dem Platz kennenlernen durfte.
Adedire Mebude (bis 70): Er hätte schießen sollen (28.), statt querzulegen – aber das wird er jetzt auch wissen. Vor allem wird er sich genau das in nicht allzu ferner Zukunft auch trauen, wenn er weiter fleißig Spielzeit sammelt und gewisse Abläufe automatisiert. Diese Eingewöhnungszeit muss man bei ihm einkalkulieren. Note: 3
Fabio Baldé (ab 70): Was für ein Einstand nach seiner Verletzungspause. Sein Hammer mit links in der 78. Minute besiegelte den wichtigen Heimsieg gegen den FCK. So geht Einwechselspieler… Note: 2
Davie Selke (bis 77.): Von der ersten Sekunde an wühlte er und arbeitete mit allen Körperteilen daran, den Ball über die gegnerische Torlinie zu drücken. Leider zu sehr in der 33. Minute, als er den besser postierten Reis hätte anspielen sollen – aber so sind Stürmer. Und seine Mitspieler wissen das, akzeptieren es - und sie suchten ihn, weil sie wissen, dass er einfach trifft. Sensationell, wie Selke den Ball nach Mikelbrencis-Flanke cool runterholte und zum 1:0 verwandelte (42.). Der zweite Treffer war für ihn schon fast zu langweilig, aber auch abseits. Aber anstatt lange zu lamentieren, macht Selke einfach weiter – und trifft. Sensationell, wie er den Ball einfach am Gegner gegen dessen Laufbewegung vorbeigelegt, um dann eiskalt und sicher zu verwandeln. Selkes Lauf geht weiter…! Note: 1
Ransford Königsdörffer (ab 77.): Er kam, bewegte sich ordentlich, und er traf, aber aus einer vorausgegangenen Abseitsposition. Leider. Aber: So einen Mann in der Hinterhand zu haben, ist für jeden Trainer Gold wert. Note: 3
Trainer Loic Favé: was für eine Premiere als Chef an der Seite. Das vielleicht beste Saisonspiel des HSV dürfte auch ihm gut gefallen haben. Dass er als erstes seinen kranken Chef Merlin Polzin ans Telefon holte und per Facetime an den Feierlichkeiten teilhaben ließ, spricht für sein gesundes Selbstverständnis und das gute Verhältnis zu Polzin. Fakt ist aber, und hier beziehe ich Polzin zu 100 Prozent mit ein: Mit dem jüngsten Trainerduo der Vereinsgeschichte hat der HSV endlich Trainer, die auch auf einen Spielverlauf richtig reagieren können. Note: 1
DAS SPIEL IN ZAHLEN:
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic Elfadli, Muheim - Meffert, Karabec (89. Stange), Reis (77. Richter) - Mebude (70. Balde), Selke (77.Königsdörffer), Dompé (89.Rossing-Lelesiit)
1. FC Kaiserslautern: Krahl - Elvedi, Sirch (89.Robinson), Bauer - Gyamerah, Breithaupt, Kaloc (67. Hanslik), Wekesser - Ritter, Yokota (49.Opoku) - Ache (67.Redondo)
Tore: 1:0 Selke (42.), 2:0 Selke (65.), 3:0 Balde (78.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)
Gelbe Karten: Mebude (58.) / Redondo (90.+2)
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