Spielbericht

2:2 nach 90 Minuten Überzahl! HSV wackelt und zeigt Nerven - auch neben dem Platz...

Ich bin sowas von angep…..!!! Wie kann man ein solches Spiel mit 90 Minuten Überzahl, einer 2:1-Führung im Rücken gegen komplett verunsicherte Schalker am Ende noch 2:2…

2:2 nach 90 Minuten Überzahl! HSV wackelt und zeigt Nerven - auch neben dem Platz...

Ich bin sowas von angep…..!!! Wie kann man ein solches Spiel mit 90 Minuten Überzahl, einer 2:1-Führung im Rücken gegen komplett verunsicherte Schalker am Ende noch 2:2 spielen? Ganz einfach: Indem sich auf dem Platz Spieler tümmeln, die wie Mikelbrencis die Defensivarbeit weder beherrschen noch ernst nehmen. Dazu ein Millioneneinkauf auf der anderen Seite der Viererkette, der nichts anderes ist als ein absolutes Missverständnis der Kaderplaner, denen neben Hefti jetzt die Wintertransfers jetzt immer mehr um die Ohren fliegen. Wie man 5 Millionen Euro für drei Youngster ausgibt, während man defensiv sehenden Auges in Probleme rauscht, ist absolut unverständlich. 

Daher, bevor ich hier die Spieler bewerte und anstelle eines Spielberichtes, muss ich einfach mal meinen Frust über diese Kaderplanung loswerden und muss Stefan Kuntz und Claus Costa mit in die Verantwortung nehmen. Beide bekommen eine glatte 6 für diese Kaderplanung. Übrigens: Die Wintertransfers wurden auch am Wunsch des Trainerteams, sich defensiv noch zu verstärken, vorbei getroffen! Und das macht es für mich noch fahrlässiger, noch unverständlicher, noch schlimmer, dass man weder im Sommer noch spätestens im Winter die notwendigen Korrekturen an der eigenen Fehlplanung unternommen hat…!

Dennoch, um trotz meines wirklich überbordenden Frustes über einen so unnötig hergeschenkten Sieg, auch wieder etwas Maß hier mit einfließen zu lassen: Der HSV hat nicht verloren, ist (zumindest bis zum Köln-Spiel morgen) weiter Tabellenführer und hat sein Glück weiter in der eigenen Hand. Das ist das Beste an diesem Abend. Und allen Schalkern sei gesagt: Respekt! Glückwunsch zn diesem verdienten Punktgewinn! Wer es schafft, ein komplettes Spiel in Unterzahl nicht zu verlieren, der hat ebenso viel richtig gemacht (wie der HSV falsch…)! 

DIE EINZELKRITIKEN: 

Daniel Heuer-Fernandes: Er hatte nicht viel zu tun und war weitgehend stabil. Aber am Ende wackelte auch er. Note: 4

William Mikelbrencis (bis 90.): Die Achillesferse des HSV defensiv. Er ist defensiv eine Katastrophe – und das zeigte sich mehrfach. Zum ersten Mal in der achten Minute, als er pennte und Schalke mit einem simpel lang geschlagenen Freistoß plötzlich blank vor Heuer Fernandes auftauchte. Das hätte Schalkes Führung sein müssen! Er bekommt seine Seite nicht zu, wie bei der Flanke vor dem Ausgleich. Das war schlicht und einfach Verweigerung! Nach vorn ist das immer wieder ganz ordentlich. Aber auch nur, bis es zum finalen Pass, zur Flanke oder zum Torabschluss kommt. Dann geht nichts mehr. Ich habe keinen Schimmer, was Dompé ihm an den Kopf geschmissen hat, aber an Mikelbrencis‘ Stelle hätte ich heute einfach die Schnauze gehalten. Seine Berechtigung, auf dem Platz zu stehen, zieht er aus ein paar offensiven Aktionen und der Tatsache, dass der HSV ein katastrophales Transferverhalten an den Tag gelegt hat und er die einzige Alternative für hinten rechts ist. Note: 6

Otto Stange (ab 90.): Logisch, er ist Stürmer. Ein sehr talentierter Angreifer sogar. Aber im direkten Vergleich mit Mikelbrencis glaube ich sogar, dass er der bessere Rechtsverteidiger wäre…

Dennis Hadzikadunic: Dumme Gelbe Karte zu Beginn der zeiten Halbzeit, ansonsten war er genau das, was der HSV brauchte: Defensiv konsequent und nach Ballgewinnen mit schnellen Pässen auf die besseren Aufbauspieler. Beim 2:2 war es schwer für ihn, zu verteidigen. Aber wer in Überzahl zwei Gegentore zulässt, kann nicht zufrieden sein.  Note: 4

Daniel Elfadli: Er war alles – aber kein klarer Abwehrchef. Er muss für Ordnung sorgen, was ihm bei seinen Außenverteidigern nicht gelang. Wieder nicht, wenn man ehrlich ist.  Das liegt zu 90 Prozent an der fehlenden Qualität seiner Außen„verteidiger“ – aber eben auch zum Teil an seinen Anweisungen, die klarer sein müssen. Note 4

Silvan Hefti (bis 45.): Um Gottes Willen…! 1,2 Millionen Euro kostete der Mann, der schon Champions League gespielt hat – und der beim HSV so normalerweise nicht mal in der Regionalliga Anspruch anmelden darf! Aber: Er gewann den Ball vor dem Führungstreffer zum 2:1. Trotzdem reicht das einfach nicht. Nicht einmal, wenn es außer ihm keinen Außenverteidiger mehr im Kader gibt… Note: 5,5

Robert Glatzel (ab 46.): Seine Einwechslung habe ich nicht verstanden. Mit Führung im Rücken kann man abwarten, dass die Schalke mehr öffnen – und dann ist ein Königsdörffer wieder in seinem Element – Glatzel nicht. So blieb er komplett wirkungslos. Note: 5

Jonas Meffert: Er ist und bleibt im defensiven Mittelfeld essenziell.  Note: 3

Ludovit Reis: Er brauchte lang, um ins Spiel zu finden – und dann traf er fast zum Ausgleich (31.). Zweite Halbzeit musste er als Teilzeitlinksverteidiger einspringen und war quasi aus dem Spiel genommen – bis es ihm reichte, zuzusehen, wie nach vorn nichts mehr ging.  Note: 3

Immanuel Pherai (bis 45.):  Begann fahrig mit einfachen Fehlpässen, vielen verlorenen Zweikämpfen und einer unberechtigten Gelben Karte. Viel mehr brachte er nicht zustande. Leider. Ein Spieler mit seinem Format hätte heute helfen können. Musste gelbbelastet in der Halbzeit in der Kabine bleiben – seine Leistung hätte die Auswechslung aber auch gerechtfertigt. Note: 5

Adam Karabec (ab 46.): Er kam rein und war sofort präsent. Er holte sich die Bälle, verteilte sie schlau – und hätte treffen können (oder müssen?). Wenn er jetzt noch die Schaffenspausen auslässt und in Richtung gegnerisches Tor endlich Entschlossenheit zeigt, dann ist das auch echt gut. So war das wieder eine Leistung, die okay war und die hoffen lässt, dass irgendwann der Knoten platzt und er endlich auch mit Torbeteiligungen auffällig wird. Note: 4

Jean-Luc Dompé: Er muss liefern, wenn der Rest mal wieder nichts hinbekommt. Immer wieder verlassen sich alle auf ihn. Aber das funktioniert nicht immer. Heute in der ersten Hälfte wurde er von allen immer wieder gesucht – und war der Einzige, der mit seinen Pässen und Flanken für Gefahr – und dann eben auch für den Ausgleich verantwortlich war. Dass er nach diesem unnötigen Remis sauer auf Mikelbrencis war, kann ich nachvollziehen. Dass er es in einem Bereich macht, der von 1000 Kameras eingefangen wird, war nicht schlau. Trotzdem war er heute einer der Besseren beim HSV. Note: 3

Emir Sahiti (bis 83.): Ich wollte gerade schreiben, dass er zu viel Show und zu wenig Effizienz abliefert, und dann trifft er zum Ausgleich – und dann auch noch zur Führung. Damit hätte ich nicht gerechnet. Note: 3

Fabio Baldé (ab 83.): Er bringt aktuell keine Impulse zustande.

Ransford Königsdörffer (bis 82.): Geht man strikt nach der richtigen Taktik, war seine Startelfnominierung vollkommen nachvollziehbar. Wäre Polzin konsequent nach Taktik gegangen, hätte diese Rochade nach 90 Sekunden korrigiert werden müssen, als klar war, dass es eben keine größeren Räume geben wird. Hier wäre Selke (oder Glatzel) sicher die bessere Option – aber welcher Trainer macht das schon? Dann ließ er sich vor dem 0:1 von Schallenberg düpieren und alles sah nach einem bitteren Abend für ihn aus – als er plötzlich Pherais Rolle übernahm und das Spiel nach vorn ankurbelte.  Note: 3

Davie Selke (ab 83.): Konnte so spät keinen Impact mehr aufs Spiel ausüben.

Trainer Merlin Polzin: Er hätte wechseln müssen nach der Roten Karte – dachte ich. Auch, um allen das klare Signal zu geben, mehr den Ball in die Gefahrenzone (Sechzehnmeterraum) zu spielen. Denn nur dann fallen auch Tore. Da die erhofften Räume durch den Platzverweis und den frühen Rückstand schnell kein Thema mehr waren, hätte er Königsdörffer wieder gegen Selke wechseln können. Bis Königsdörffer mich Lügen strafte. Aber: Seine Auswechslungen in den letzten Wochen werden immer nebulöser für mich. Warum Glatzel zu Beginn der zweiten Halbzeit kam, wo man führt und in Überzahl agiert – keine Ahnung. Es hat auch nicht gegriffen. Karabec war für mich noch nachvollziehbar, weil er im Mittelfeld Bälle verteilen und festmachen kann. Aber heute hätte es gereicht, hinten sicher zu stehen. Das hat auch er nicht hinbekommen. Im Gegenteil. Note: 5

Die Fans: Was für eine geile Choreo, welch ein unfassbarer Support mal wieder! Und dann kommen sie wieder nicht ohne Pyro aus und gefährden die Gesundheit der anderen Zuschauer sowie einen Spielabbruch. Das ist – so berechtigt die Proteste gegen die asozialen Ticketpreise für das Ulm-Spiel auch sind - einfach nichts anderes als dumm und fahrlässig.

STIMMEN ZUM SPIEL:

Ludovit Reis: Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir es mit einem Mann mehr auf dem Platz nicht geschafft haben, den Sieg einzufahren. Wir hatten sehr viel Kontrolle in dem Spiel, aber das Tempo muss einfach viel höher sein. Am Ende hatten wir auch einige Chance zum 3:1 und letztlich fällt das 2:2. Das war sehr unglücklich. Wir stehen trotzdem noch auf Platz 1 und haben eine gute Ausgangslage. Wir können jetzt nicht negativ sein. Natürlich müssen wir darüber sprechen, was wir besser machen müssen, aber am Ende machen wir weiter. 

Jonas Meffert: Wir waren nach dem frühen Platzverweis zunächst nicht clever genug, haben dann aber effizient die Tore gemacht und sind mit einem guten Ergebnis in die Pause gegangen. Wir wollten noch einen Treffer nachlegen, hatten auch sehr gute Chancen. Wir haben es souverän gespielt, Schalke kam vor allem über Standardsituationen. Das Gegentor ist dann maximal bitter, weil uns nicht mehr viel Zeit blieb, noch selbst einen Treffer nachzulegen. Wir haben dann aber auch nicht den Druck aufgebaut, den wir gebraucht hätten. So sind wir alle nicht glücklich mit dem Ergebnis. Wir haben uns heute selbst ein Bein gestellt.

Emir Sahiti: Ich habe heute zwei Tore geschossen. Darüber freue ich mich sehr, aber ich würde mich mehr freuen, wenn wir gewonnen hätten. Ich glaube, wir waren heute die bessere Mannschaft und haben viele Chancen herausgespielt. Leider konnten wir sie nicht nutzen. So ist Fußball – er kann unvorhersehbar sein. Und so ist auch die 2. Bundesliga. Wir müssen das abhaken und uns darauf konzentrieren, in den nächsten Spielen noch mehr zu geben. Ich fühle wirklich mit unseren Fans mit. Sie stehen immer hinter uns und unterstützen uns in jeder Situation. Wir haben jetzt noch vier Spiele vor uns. Wir sind entschlossen, alles zu geben und unsere Fans stolz machen.

Daniel Elfadli: Wir sind sehr enttäuscht. Das ist logisch nach so einem Spiel, wenn man so lange in Überzahl spielt und nicht gewinnt. Das ist nicht unser Anspruch. Wir waren nicht zwingend genug, haben probiert, die spielerischen Lösungen zu finden, aber nicht unsere Dynamiken in die Aktionen bekommen. Wir müssen trotz der gefühlten Niederlage zusammenbleiben und die Ruhe bewahren. Es geht nur zusammen. Diese Faktoren haben uns auch bisher ausgezeichnet und stark gemacht. Dem müssen wir treu bleiben und das machen wir. Es wird jetzt noch ein, zwei Tage schmerzen und dann gilt es, alles abzuschütteln und den Fokus auf das nächste Spiel zu richten. 

Merlin Polzin: Der frühe Platzverweis hat den Spielverlauf erheblich verändert und damit auch unsere Gedanken und Analysen im Vorwege. Wir haben es nicht geschafft, das frühe Gegentor zu verhindern. Anschließend haben wir aber Spielkontrolle generiert und sind mit dem Doppelschlag komplett in der Partie gewesen. In der Halbzeit haben wir dann etwas verändert, wollten aufgrund der Gelbe Karten kein Risiko eingehen. In der zweiten Hälfte hatten wir dann noch mehr Spielkontrolle und Aktionen im letzten Drittel. Wir haben es dann verpasst, das dritte Tor zu machen. Das müssen wir uns heute vorwerfen lassen. Dann ist es hier auf Schalke brutal, wie das Stadion diese eine Aktion nochmal heraufbeschwört und dafür sorgt, dass irgendwie noch das 2:2 fällt. Das Ergebnis ist mit dem Spielverlauf für uns natürlich enttäuscht, aber auch aus diesem Moment können wir unsere Lehren ziehen. Wir stehen als Mannschaft und als Verein zusammen.

Kees van Wonderen: Wir wollen natürlich, dass die Fans stolz sind auf das, was sie sehen. Sie haben heute eine Mannschaft gesehen, die bis zum Ende gekämpft hat. Dabei konnten wir nach dem Platzverweis mit zehn Mann und 90 Minuten gegen eine so starke Mannschaft wie dem HSV eigentlich nichts holen. Wir haben gedacht, dass das Spiel weg ist. Abre die Mannschaft hat Unmögliche geschafft. Das war eine sehr starke Leistung.

Quelle: hsv.de

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

FC Schalke 04: Heekeren - Bulut, Schallenberg, M. Kaminski, Murkin - Grüger (46. Kalas), Seguin (60. Bachmann), Aydin (60. Gantenbein), Karaman, T. Mohr (84. Donkor) - Sylla (83. Höjlund)

HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis (90.+1 Stange), Hadzikadunic, Elfadli, Hefti (46. Karabec) - Meffert - Reis, Pherai (46. Glatzel) - Sahiti (83. Balde), Königsdörffer (82. Selke), Dompe

Tore: 1:0 Schallenberg (15.), 1:1 Sahiti (41.), 1:2 Sahiti (43.), 2:2 Sylla (81.) 

Zuschauer: 62.077 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)

Gelbe Karten: Seguin, Sylla, Heekeren / Pherai, Hefti, Hadzikadunic 

Gelb-Rote Karten: - / -

Rote Karten: Karaman / 

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