Spielbericht

2:0-Sieg beim VfL Bochum - ein ganz, ganz wichtiger Sieg

HSV-Trainer Daniel Thioune schrie seine Freude frei raus, als Schiedsrichter Felix Brych das Spitzenspiel in Bochum abpfiff. Zurecht. Denn der HSV hat sich im Aufstiegsrennen…

2:0-Sieg beim VfL Bochum - ein ganz, ganz wichtiger Sieg

HSV-Trainer Daniel Thioune schrie seine Freude frei raus, als Schiedsrichter Felix Brych das Spitzenspiel in Bochum abpfiff. Zurecht. Denn der HSV hat sich im Aufstiegsrennen zurückgemeldet. Mit dem 2:0-Sieg am Freitagabend beim Tabellenführer  VfL Bochum kamen die Thioune-Mannen nach fünf sieglosen Spielen in Folge endlich wieder zum langersehnten Dreier und eroberten mit 46 Punkten den zweiten Tabellenplatz vor dem punktgleichen Team von Holstein Kiel, dessen Spiel beim 1. FC Heidenheim abgesagt wurde. Dabei begann es holprig. Verkehrte Welt – dachte ich in den ersten 20 Minuten.

Denn der VfL Bochum presste den HSV in die eigene Hälfte und ließ ein Offensivspiel des HSV gar nicht erst zu. Aufbauspiel? Fehlanzeige. Die Außenverteidiger des HSV, wie zuletzt Gyamerah rechts und Vagnoman links, wurden zumeist gedoppelt, wenn der HSV hinten rausspielen wollte. Das Beste bis hierhin: Auch der VfL brachte nicht wirklich viel Kreatives zustande. Auch, weil der HSV die Zweikämpfe annahm gegenhielt. Oder habt Ihr Aaron Hunt schon mal so oft in den ersten 15 Minuten eines Spiels (oder überhaupt?) grätschen sehen? Nein, es war nicht  schön anzusehen. Also fußballerisch. Aber hier und heute ging es ja auch mehr darum, dem Gegner gleich mal klarzumachen, wer der härtere, der bessere Max im Haus ist. Das Ergebnis: Neutralisation bis spätestens 30 Meter vor dem jeweiligen Strafraum.

Bochum presst - der HSV trifft, und Bochum tritt

Und nachdem der VfL in den ersten zehn Minuten mehr Zweikämpfe gewann und beide Teams ohne Torchancen blieben, kam der HSV ab Minute 13 langsam besser ins Spiel. Das erste Mal gefährlich werden konnten die Mannen um Zweitliga-Primus Simon Terodde allerdings erst in der 20. Minute. Vagnoman kommt über links durch und flankt flach in die Mitte, wo sich Terodde zwar geschickt von seinem Gegenspieler absetzt, dann aber beim Schuss wegrutscht und den Ball recht deutlich links vorbei schießt. Aber: Der HSV war jetzt deutlich besser im Spiel. Man nutzte die Ballbesitzphasen, um Bochum zu zeigen, dass man hier und heute drei Punkte mitnehmen wollte.

Und wie es so oft in solch qualitativ engen Spielen ist, war es eine Standardsituation, die zum ersten Tor in diesem Spiel führte. Und das auch noch für den HSV! Hunt schlägt einen Freistoß aus halblinker Position in den Strafraum, wo Onana der Ball direkt vor die Füße springt. Zunächst springt die Kugel dem jungen Mittelfeldmann ein  Stück zu weit vom Fuß – aber er setzt nach und grätscht den Ball an VfL-Keeper Riemann vorbei zum 1:0 ins Netz. Freude beim HSV, für den es keine fünf  Minuten später sogar noch besser kam – weil Bochum sich richtig dumm anstellte. Danny Blum rennt im Mittelfeld hinter Onana her und grätscht dem starken Youngster von hinten mit offener Sohle übel in Hacken Schiri Felix Brych bleibt gar nicht viel anderes übrig, als die Rote Karte zu zücken. Dass sich Ex-HSVer Robert Tesche über seinen Mitspieler aufregt - logisch. Aber aus HSV-Sicht völlig egal. Denn ab diesem Zeitpunkt war man ein Mann mehr auf dem Platz.

Bis zum Halbzeitpfiff passierte dennoch nicht mehr viel, abgesehen von einer harten Gelben Karte für Vagnoman. Und auch mit Wiederanpfiff war die Überzahl zunächst nicht wirklich erkennbar. Im Gegenteil: Wieder kam Bochum etwas besser in die Partie. Die Gastgeber hatten zwar etliche Standards, blieben dabei allerdings ohne große Torchance. Und auch der HSV kam bis auf einen ungefährlichen Distanzschuss von Vagnoman nicht wirklich in Tornähe. Auch, weil dem HSV jetzt der Impulsgeber fehlte. Dudziak war komplett weg, Hunt nicht mehr annähernd so präsent – und Kittel spielte so, wie ich ihn nicht sehen will: Komplett ohne Biss. Kurzum: Dem HSV fehlte jede Struktur. Und als dann auch noch Onana im Mittelfeld raus musste und Gideon Jung dafür kam, ahnte ich schon, dass es spielerisch nicht besser würde.

HSV findet in der zweiten Hälfte kaum noch statt

Und so kam es auch. Null Entlastung, weil man den Ball nicht mehr in den eigenen Reihen halten konnte. Torchancen? Null! Bochum wirkte agiler. Sie mussten natürlich auch mehr riskieren. Aber so wirklich erkennen, was hier der Plan des HSV war, konnte ich nicht. Zumal Bochum dem Tor immer näher kam. In der 77. Minute beispielsweise konnte Ambrosius den Schuss von Pantovic, der links im Strafraum freigespielt wurde,  in letzter Sekunde noch blocken.

Man geriet hier gegen wirklich nicht besonders starke Bochumer richtig ins Schwimmen. „Angst fressen Seele“ sagt man so gern – und das war hier zu sehen. Am deutlichsten in der 83. Minute, als Ulreich erst rauslief, dann doch abbrach und Gyamerah seinem Gegenspieler nicht folgte. So kommt Pantovic aus spitzem Winkel völlig frei zum Abschluss und versucht es mit einem Heber, der zum Glück misslingt. Aber: Jede halbwegs gute Offensive hätte diesem viel zu früh auf Verwaltungsmodus eingestellten HSV heute schon bis hierhin einen eingeschenkt.

Es ging wirklich nichts mehr beim HSV. Wobei ich sagen muss, dass das noch am allerwenigsten an Jung lag, der im defensiven Mittelfeld gut ins Spiel fand – und dann auch den entscheidenden Zweikampf vor dem 2:0 gewann. Über den ebenfalls eingewechselten Manuel Wintzheimer ging der Ball weiter auf den dritten Eingewechselt – und der nagelte das Ding aus halbrechter Position unhaltbar für Bochums Keeper Riemann in den rechten Winkel. Ein schönes Tor von Khaled Narey, das hier den Deckel auf eine seltsame Partie macht.

Ein Dreier, den man genießen darf - egal wie...

Denn während ich beim 1:1 gegen Kiel am vergangenen Montag positiv gestimmt aus dem Spiel gegangen bin, kann ich mich heute nach dieser zweiten Halbzeit neben dem extrem wichtigen Sieg nur darüber freuen, dass die Defensive erneut gut standgehalten hat. Wobei, nein: Ich freue mich auch sehr darüber, dass sich Gideon Jung mit einer sehr ansprechenden Leistung für die Position im defensiven Mittelfeld zu empfehlen wusste. Jung war tatsächlich ein ganz wichtiger Faktor nach seiner Einwechslung.

Egal wie, letztlich hat der HSV zuletzt viele Spiele gehabt, die gut gespielt, aber nicht gewinnen wurden. Diesmal war es bis zur 20. und ab der 46. Minute andersrum. Es reichten am Ende tatsächlich 25 vernünftige  bis gute Minuten und ein Standard zum extrem wichtigen ersten Dreier. Nach zuletzt fünf sieglosen Spielen beim Tabellenführer sicherlich ebenso wichtig wie notwendig. Daher: Mund abwischen, Sieg genießen – und gut ist. Nächste Woche kommt Heidenheim. Darauf gilt ab morgen die volle Konzentration. Schlusswort Daniel Thioune: „„Es herrscht pure Freude. Wir haben gewonnen, damit kann ich sehr gut leben, nachdem wir fünf mal nicht gewonnen haben. Wenn man erwartet hätte, dass wir gegen zehn Mann ein Feuerwerk abfackeln, hat man das nicht bekommen.“ Stimmt. Ist mir in Teilen aber auch egal…

In diesem Sinne, Euch allem einen schönen Abend!

Scholle

Statistik zum Spiel:

VfL Bochum: Riemann – Bockhorn (87. Novothny), Bella Kotchap (90.+3 Decarli), Leitsch, Soares - Losilla, Tesche - Holtmann, Zulj, Blum - Ganvoula (42. Pantovic)

HSV: Ulreich - Gyamerah, Ambrosius, Heyer, Vagnoman - Onana (67. Jung), Hunt (90.+1 Gjasula) - Jatta (75. Narey), Dudziak (67. Wintzheimer), Kittel (90.+1 Meissner) - Terodde

Tore: 0:1 Onana (29.), 0:2 Narey (89.)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Gelbe Karten: Tesche (74.), Losilla (89.) / Vagnoman (41.), Onana (46.), Jatta (55.)

Rote Karten: Blum (35.) / -

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