Spielbericht

1:2 gegen Paderborn - der HSV bringt sich stümperhaft um letzte Aufstiegschancen

Es wird schlechter. Leider. Anstatt heute wie vom Trainer gefordert und angekündigt mutig aufzutreten, verzagte der HSV. Sicherlich auch bedingt durch das frühe 0:1 nach…

1:2 gegen Paderborn - der HSV bringt sich stümperhaft um letzte Aufstiegschancen

Es wird schlechter. Leider. Anstatt heute wie vom Trainer gefordert und angekündigt mutig aufzutreten, verzagte der HSV. Sicherlich auch bedingt durch das frühe 0:1 nach weniger als einer Minute – aber letztlich auch in der Konsequenz nach vorn war das heute alles andere als mutig. Bei den einen aus qualitativen Gründen, bei anderen, weil sie sich heute versteckten bzw. nicht das Engagement auf den Platz brachten, das mindestens gebracht werden muss in einem professionellen Fußballspiel. Zumal dann, wenn es um die eigentlich letzte, realistische Chance geht, noch einmal oben um den Aufstieg mitzumischen. Darauf darf der HSV nach diesem schwachen 1:2 gegen den SC Paderborn nicht mehr hoffen. „Es sieht natürlich nicht gut aus nach der Niederlage heute. Es war ganz klar, dass wir heute gewinnen wollten und mussten. Es tut schon sehr weh heute“, sagte Robert Glatzel nach dem Spiel und schob nach, dass man aber selbstverständlich versuchen werde, das Bestmögliche noch herauszuholen.

Heute war DAS zumindest nicht der Fall. Fast nur Ausfälle auf dem Platz, ein wenig Pech mit dem Abseits, aber eben auch zu viel Unvermögen gepaart mit zu wenig Esprit. Wobei mich schon die Startelf überraschte.Denn ich hätte Josha Vagnoman in seiner aktuellen Verfassung nicht draußen gelassen. Zwar hat der U21-Nationalspieler eine ewig lange Verletzungspause hinter sich – und einen Moritz Heyer hätte ich auch nicht auf die Bank gesetzt. Aber Faride Alidou nach den letzten Wochen begionnen zu lassen empfand ich schon vorher als großen Fehler, während mich die Entscheidung pro Tom Mickel als Ersatzkeeper heute freite. Für ihn! Aber: Diese Wechsel bzw. diese Personalentscheidungen sollten sich am Ende auch absolut nicht auszahlen. Im gegenteil: Allein Miro Muheim und Alidou auf der linken Seite kosteten den HSV 70 Minuten Spielzeit, in der man etwas Kreatives nach vorn hätte gestalten können. Zudem war Muheim nach hinten heute unglaublich schwach und sorgte für viele gefährliche Ballverluste. Und wie ich es meinem Sitznachbarn im Stadion schon nach 20 Minuten sagte: Der Schweizer hätte ebenso wie Alidou nach 20 Minuten erlöst werden müssen. Spätestens aber zur Halbzeit – was beides nicht passierte. Dennoch war früh zu erkennen, dass da heute gar nichts ging.

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Am Ende stand ein Spiel, in dem der HSV zwei Treffer erzielte, die korrekterweise nicht gegeben wurden, während Paderborn zwei reguläre Tore erzielte, die entsprechend auch zählten. Da der HSV mit etwas Zutun des Gästekeepers in der Nachspielzeit nur noch auf 1:2 verkürzen konnte und die danach noch verbliebenen drei Minuten Nachspielzeit fahrlässig mit missglücktem Kurzpassspiel dilettantisch vergeudete, anstatt den Ball lang und weit vorn reinzuschlagen, blieb es am Ende bei einer verdienten Niederlage. Einer Niederlage, die dem HSV auch das letzte Fünkchen Hoffnung darauf genommen haben dürfte, noch mal oben anzuklopfen. Denn dafür bedarf es nicht nur einer punktverlustfreien eigenen Serie, sondern zusätzlich noch einem nicht zu erwartenden Versagen gleich mehrerer momentan sehr stabil wirkenden Teams. Die Noten im Einzelnen – erstmals inklusive Trainer-Bewertung:

Daniel Heuer Fernandes: Das musste irgendwann passieren. Leider heute schon nach 51 Sekunden. Es fehlt weiter die richtige Dosierung. Denn diesmal stand Paderborn extrem hoch in den ersten Minuten und drückte bei jedem Ball. Da aber schon auf einer Linie mit dem Gegner zu stehen, ist fahrlässig. Diese ersten Minuten, die weitere solcher Szenen boten, bieten vielleicht genau das Lehrmaterial, um hier endlich ein ausbalanciertes Torwart-Mitspiel zu finden. Denn das funktionierte heute sichtbar nicht. Da der HSV-Keeper nicht eine Szene hatte, in der er sich auszeichnen konnte - Note: 5

Moritz Heyer: Wackelte in den ersten Minuten zusammen mit seinem Kompagnon Jatta auf rechts, fing sich aber zwischenzeitlich und versuchte, nach vorn Impulse zu setzen. Die rechte Seite beim HSV wirkte zwar stabiler als die linke, aber das ist schon extrem relativ gesprochen. Zudem fielen beide Tore über rechts. Note: 5

Mario Vuskovic: Aggressiv, zweikampfstark, kompromisslos. Hatte etwas Glück, dass vieles durchging, wenn er mal etwas zu rabiat einstieg. Aber der Kroate ist wenigstens einer, der immer ans Limit geht, auch wenn das heute offensiv viel zu stumpf und überhastet war. Note: 4

Sebastian Schonlau: Rettete in der 11. Minute beherzt, sonst hätte es dort schon 0:2 gestanden. Er war zu Beginn dieser Partie zusammen mit Meffert der einzige mit etwas Überblick. Aber es passte aber zu diesem Spiel, in dem beim HSV wirklich gar nichts klappen sollte, dass ausgerechnet er den Ball zum 0:2 unglücklich abfälschte und sein Tor wegen abseits nicht zählte. Note: 4

Miro Muheim (bis 69.): Zu Beginn ein Totalausfall und Gefahrenherd – aber in die falsche Richtung. Der Schweizer verlor viele einfache Bälle in gefährlichen Situationen, er rutschte immer wieder aus und war zu langsam – in der Vorwärts- ebenso wie in der Rückwärtsbewegung. Er bildete zusammen mit Alidou die Null-Seite. Ich hätte ihn nach 20 Minuten runtergenommen. Walter machte das erst in der 69. Minute. Deutlich zu spät. Note: 6 -

Josha Vagnoman (ab 70.): 

Jonas Meffert: Er ging letztlich in dem Fehler-Pool seiner Kollegen mit unter. Selbst eine an sich vernünftige Leistung rettete hier nichts mehr. Note: 3

Ludovit Reis (bis 76.): Giftig, aggressiv – er spielte anfänglich das, was ihn stark macht, konnte aber selbst auch keine Impulse nach vorn setzen. Note: 4

Maximilian Rohr (ab 76.): War noch dabei, fand aber genauso wenig Mittel, um das Ergebnis zu verändern, wie alle seine Vorgänger und Mitstreiter. Note: 4

Sonny Kittel: Schlechte Laufwege hinter die Gegenspieler ließen ihn überhaupt nicht am Spiel teilnehmen. Wenn er gewollt hätte, hätte er mehr Bälle bekommen können. Nach diesem Spiel braucht ihn zumindest niemand in Schutz zu nehmen. Das war schlichtweg unmotiviert und eines Spielers mit Führungsanspruch unwürdig. Er bestätigte damit allerdings seine schwache Form in den letzten Spielen – und in den schwachen Schlussphasen des HSV generell. Kittel wird so zum viel zu teuren Luxus im HSV-Spiel. Note: 6

Bakery Jatta: Sein Ballverlust leitete das 0:1 ein. Es ist bezeichnend, wenn ausgerechnet einer der schnellsten Spieler der Liga das eigene Spiel immer wieder langsam macht. Und selbst wenn er es schnell machte, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit, dann kam nichts dabei rum. Seine Flankenquote ist im einstelligen Prozentbereich. Ein Bayern-Profi mit diesen Flankensituationen hätte allein heute wahrscheinlich fünf Tore vorbereiten können. So reichte ein ebenso schneller wie durchschnittlicher Gegenspieler, um die Seite zuzumachen. Die vergebene 100-Prozentige in der 87. setzte der offensiven Unfähigkeit von heute noch die Krone auf. Note: 6

Robert Glatzel (bis 86.): Hatte drei gute Szenen in den erste 25 Minuten, die er allesamt ungenutzt ließ – was wiederum nicht gut war. Der Anlauf beim Elfer ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern im höchsten Maße ineffizient. Dass er zuvor so getroffen hatte, dürfte das ein wenig. Note: 6

Nächste Chance vertan: Robert Glatzel macht den Lewandowski - und scheitert vom Elfmeterpunkt

Giorgi Chakvetadze (ab 87.): Er kam und traf noch. Mit Glück und Hilfe des Gästekeepers – aber er traf. Von daher alles okay. Aber eine Note mag ich für diese paar Minuten nicht geben. 

Faride Alidou (bis 69.): Es ist gut gemeint vom Trainer, dass er im er wieder an ihm festhält. Aber auch heute brachte der junge Außenstürmer keinen Schwung und keine Flanken an den Mann. Zudem verlor er alle Eins-gegen-Eins-Situationen nach vorn, weshalb er immer wieder das Spiel verlangsamte, indem er hintenrum spielte oder parallel zur SCP-Abwehr lief. Das war eine Leistung, die vor allem die Eintracht aus Frankfurt alarmieren dürfte. Note: 6

Mikkel Kaufmann (ab 70.): Endlich trifft er auch in der Liga, sogar schon zum zweiten Mal. Aber: Es zählte wieder nicht. Echt bitter für den beim HSV so unglücklich agierenden Dänen, der heute mit Sicherheit noch am wenigsten Anteil an dieser Niederlage hatte. Aber: Das reicht einfach nicht. Er würde trotz des Treffers keine gute Note bekommen, hat aber so schon genug zu knabbern – daher: ohne Note.

Trainer Tim Walter: Ich bleibe dabei: Dieser HSV hat keinen Plan B – und Plan A funktioniert momentan aus verschiedenen Gründen nicht. Heute auch deshalb nicht, weil die Startelf mit Alidou und Muheim auf der linken Seite zwei Totalausfälle parat hätte, die vermeidbar waren. Mindestens Alidou hatte sich als Ersatz nahezu aufgezwungen, während ein Josha Vagnoman in den letzten Wochen zu gefallen wusste. Dennoch ist alles egal, wenn offensiv so gestümpert wird wie Jatta bei seinen letzten Bällen/Flanken und Glatzel im Abschluss (und natürlich beim Elfer). Wenn sich zudem ein „Unterschiedspieler“ wie Sonny Kittel verweigert, fehlt einfach die Offensive nahezu komplett. Dann kann nicht gewonnen werden. Walter hat hier zu lang gewartet. Er hat vor sowie während des Spiels die falschen Entscheidungen (Muheim/Alidou) getroffen und konnte dem Spiel so keine neuen Impulse mehr geben. Note: 5

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