Spielbericht

1:1 gegen Schalke in Schlussminuten - HSV geht auf letzter Rille in den Weihnachtsurlaub

Dieses Spiel wurde immer länger. Denn gerade hinten raus wurde der HSV von seinem Gegner heute das erste Mal dominiert. Schalke war es, das hier in den zweiten 45 Minuten – und…

1:1 gegen Schalke in Schlussminuten  - HSV geht auf letzter Rille in den Weihnachtsurlaub

Dieses Spiel wurde immer länger. Denn gerade hinten raus wurde der HSV von seinem Gegner heute das erste Mal dominiert. Schalke war es, das hier in den zweiten 45 Minuten – und in den letzten Minuten der ersten Hälfte auch schon – das Heft des Handelns in der Hand hielt. Dass der HSV letztlich trotz dieser Unterlegenheit traurig war, nicht als Sieger vom Platz zu gehen, lag daran, dass Schalke bis zur 87. Minute briachte, um den Ausgleich zu erzielen. „Unterm Strich ist das 1:1 verdient. Schalke hat uns alles abverlangt. Wir haben zwar gekämpft und alles reingehauen, aber uns fehlte der letzte Wille, zu null spielen zu wollen. Wir waren am Ende nicht mehr frisch genug“, resümierte Jonas Meffert, der heute sein vielleicht schwächstes Spiel im HSV-Dress ablieferte. Er sollte eigentlich Schalkes Mittelfeldmotor Zalazar ausschalten – aber vorweg: Das geling überhaupt nicht. Der Ex-St.-Pauli-Profi war heute Schalkes bester Mann.

Dabei begann alles so gut. Als ich zuhause los bin, roch es schon nach Spare-Ribs und anderem leckeren Essen. Partystimmung im Hause Scholz? Jo! Schalke zu Gast bedeutet dann doch noch mal Highlight-Spiel in der Zweiten Liga. Gibt es nicht oft – aber eben heute. Und ich war vom leckeren Essen ausgeschlossen, von der Party aber nicht. Denn die echte fand im Volksparkstadion stat. 15.000 HSV-Fans verwandelten das Stadion von der ersten Sekunde (und vorher schon!!) an in einen Partytempel de Luxe. Dass der HSV auf dem Platz seinen Part unmittelbar nach Anpfiff beisteuerte – es rundete dieses Bild nicht nur ab, sondern gab dem Topspiel gleich mal zusätzliche Brisanz. Denn Schalke musste ab der 2. Minute kommen. 

Warum?

Weil der HSV gleich seine erste Chance zur Führung nutzte. Begünstigt von einem katastrophalen Stellungsspiel der Gäste kam Robert Glatzel nach eine, Eckball von Sonny Kittel völlig frei zum Kopfball – und er versenkte ihn. Der neunte Saisontreffer für Glatzel, der in den ersten bislang 18 Saisonspielen sicher schon häufiger hätte treffen können, oder auch hätte treffen müssen. ABER: Neun Saisontore sind schon eine sehr ordentliche Ausbeute und bestätigen mich in meiner hohen Meinung von Glatzel als Mittelstürmer für diesen HSV.

Das Tor zum 1:0 (v.l. Torwart Martin Fraisl, Marcin Kaminski, Robert Glatzel)

Der HSV wollte dieses letzte Spiel des Jahres unbedingt gewinnen, das war in den ersten Minuten zu spüren. Aber auch Schalke kam nach dem frühen Schock jetzt besser ins Spiel. Ouwejan über links verzog aber ebenso wie Idrizi (beide in der 15. Minute) deutlich, während Johansson ansonsten zur Stelle war, wenn ein Ball dann doch mal den Weg aufs Tor fand, wie bei Zalazar in der 36. Minute. Auf der anderen Seite war es erneut Robert Glatzel, der Schalkes Keeper Martin Fraisl prüfte (24.), ehe Ludovit Reis knapp drüber (35.) und Faride Alidou knapp vorbeischoss (41.).

Es war kein hochklassiges Spiel, auch weil der HSV es nicht wirklich gut spielte. Aber es war bis hierhin noch ein Spiel auf Augenhöhe. Zwar zum Ende der ersten Hälfte hin schon mit leichten Feldvorteilen für Schalke im letzten Drittel der ersten Hälfte. Aber: der HSV führte wenigstens. Und so ging es dann auch in die Halbzeit, in der Michael Mutzel bei Sky offenbar ein interessantes Interview gab und davon philosophierte, dass man Alidou (er machte heute kein gutes Spiel und wirkte nach seiner Auswechslung sehr unglücklich mit sich) im Winter nur abgeben würde, wenn man ein unmoralisches Angebot bekommen würde. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Denn die zweite Halbzeit stand noch an – und die war wichtiger.

Schalke dominiert die zweiten 45 Minuten

So wichtig, dass ich davon ausgegangen war, dass Walter in der Halbzeit das gefährliche Klein-Klein-Spiel des HSV hintenrum nicht nur ansprechen, sondern seinen Jungs auch ausreden würde. Denn schon in der ersten Hälfte wirkte das alles andere als sicher und baute die Schalker eher im Glauben auf, hier doch noch treffen zu können, als dass es wirklich souverän wirkte. Aber mitnichten kam es so. Es waren gerade etwas mehr als fünf Minuten in der zweiten Halbzeit gespielt, da machte Johansson, was er offenbar machen soll – was er aber eben nicht wirklich beherrscht: er spielte einen gefährlichen Pass auf Schonlau durch den eigenen Sechzehner flach in die Füße des Gegners. Churlinov nahm diesen zu kurzen Pass von Johansson auf und stand plötzlich komplett frei vor dem HSV-Keeper – und verzieht! Was für eine Riesenchance, was für ein Monsterglück für den HSV, der sich mit diesem sinnfreien Kurzpassspiel nicht nur heute keinen Gefallen tat.

1:1 Tor, Jubel, v.l. Malick Thiaw, Darko Churlinov, Marius Buelter, Marcin Kaminski, Salif Sane, Rodrigo Zalazar, Torschuetze Ko Itakaru (Schalke) Hamburg, 18.12.2021, Fussball, 2. Bundesliga, Hamburger SV - FC Schalke 04 1:1

Im Gegenteil: Man holte den FC Schalke immer mehr ins Spiel. Und die Schalker kamen jetzt zu Chancen. Die größte hatte sicher Churlinov, aber auch der eingewechselte und starke Bülter hatte sofort einen Riesen auf dem Fuß (65.), den Johansson noch parieren konnte, während Kittel fast im Gegenzug am Schalker Außenpfosten scheiterte. Aber: Schalke war jetzt dran und drückte den HSV in die eigene Hälfte und auf den Ausgleich. Es wurde jetzt ein intensives und zumindest spannendes Kampfspiel, weil Schalke musste und wollte, während der HSV sich zwar nach Kräften wehrte – dabei aber das eigene Spiel nicht mehr konzentriert auf den Platz bekam. Es ging für Johansson, Schonlau und Co. nur noch darum, diese Führung ins Ziel – und damit in die Winterpause zu retten. Viel zu früh schon…

Schalke trifft zum Ausgleich - Zoff am Rand

Und so kam, was kommen musste. Der Ausgleich für Schalke durch Itakura, der den Fuß in eine Bülter-Pass hielt, kurz vorm Abpfiff. Verdient und ärgerlich zugleich, da er erst in der 87. Minute fiel. 29 Torschüsse der Schalker gegenüber acht beim HSV – selten wurde der HSV so dominiert wie heute. „Ich glaube, dass die zweite Halbzeit brutal dominant war von uns“, resümierte Schalkes Trainer und Ex-HSV-Profi Dimitrios Grammozis, der sich am Spielfeldrand während der 90 Minuten verbal auf unterstem Niveau mit HSV-Coach Tim Walter und dem Rest der HSV-Bank in der Wolle hatte. „Das Spiel war sehr, sehr intensiv. Da wird es auch mal emotional – auch neben dem Platz. Für mich ist das Thema gegessen.“

In diesem Punkt war sich auch Walter mit Grammozis einig. Er sah seine Mannschaft heute nicht mutig genug -was ich nicht so sehe. Noch weniger sehe ich die zu vielen langen Bälle, die Walter monierte. Ich habe davon zu viele aus dem Mittelfeld, aber deutlich zu wenig in gefährlichen Situationen hinten gesehen. Allerdings sehe ich es genauso wie Walter, dass der HSV dem Gegner zu viel Raum gelassen hat und seine Konterszenen ungenügend ausgespielt hat. „Letztlich ist es ein gerechtes Unentschieden, weil wir in der ersten Halbzeit, und der Gegner in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft war“, so Walter, der nicht zufrieden war. „Das war heute nicht unser bestes Spiel.“

Zum Spiel hinten raus, das heute einige Male für große Gefahr gesorgt hat, hatte Walter eine simple Erklärung parat. Zum einen sei Johansson nicht so ein Typ Torwart wie Daniel Heuer Fernandes, womit er sicher auf die fußballerischen Fähigkeiten ansprach. Ansonsten aber werde er von diesem Stil nicht abrücken. „Den Mutigen gehört die Welt, dazu zähle ich auch. Und diesen Weg gehen wir weiter. Grundsätzlich haben wir die Konter nicht gut gesetzt. Hätten wir das wie in den letzten Wochen gemacht, hätten wir den Deckel draufgemacht.  So wurde es gefährlich, und dann fällt auch mal einer rein.“ So, wie heute leider.

Letztlich war es ein glücklicher Punkt, so unglücklich der Zeitpunkt des Ausgleiches auch war. Und auch den muss man einfach mal mitnehmen, zumal es die Tabellensituation (noch) nicht verändert hat. Wobei Regensburg morgen mit einem Sieg gegen Darmstadt am HSV vorbeiziehen könnte. 

In diesem Sinne, die HSV-Mannschaft geht in die verdiente Winterpause, die schon am 30. Dezember mit angesetzten Leistungstests wieder vorbei ist. Walters Schlusswort zur Hinrunde+1: „Ich denke, dass wir uns über die Zeit sehr gut entwickelt haben und eine Mentalität reingebracht haben, die wir brauchen. Darüber bin ich sehr happy. Wir versuchen bei uns zu bleiben und die Spiele zu gewinnen.“ 

Ich werde mich in den nächsten Tagen an dieser Stelle noch mit meinem persönlichen „Halbzeitfait+1Spiel“ bei Euch melden. Bis dahin aber wünsche ich Euch jetzt erst einmal einen schönen Restsonnabend. Bleibt gesund!

Scholle

Die Daten zum Spiel:

HSV: Johansson - Heyer, Vuskovic, Schonlau, Gyamerah (89. Wintzheimer) - Reis (62. Kinsombi), Meffert, Kittel - Jatta, Glatzel (89. Kaufmann), Alidou (74. Muheim)

FC Schalke 04: Fraisl - Ranftl (60. Aydin), Thiaw, Itakura, Kaminski, Ouwejan - Zalazar, Pálsson, Idrizi (85. Sane) - Pieringer (60. Bülter), Churlinov

Tore: 1:0 Glatzel (2.), 1:1 Itakura (87.)

Zuschauer: 15.000

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Gelbe Karten: Reis (55.), Kittel (83.) / Pieringer (34.), Ranftl (50.), Pálsson (80.), Itakura (83.)

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen