Spielbericht

1:1 gegen Dresden - ein Walter-Spiel mit allen Vor- und Nachteilen

Am Ende waren alle auf ihre Kosten gekommen. Die Optimisten wie Kritiker des Walter-Fußballs. Denn beide hatten Anlass, sich im Recht zu wähnen nach diesem 1:1 gegen Aufsteiger…

1:1 gegen Dresden - ein Walter-Spiel mit allen Vor- und Nachteilen

Am Ende waren alle auf ihre Kosten gekommen. Die Optimisten wie Kritiker des Walter-Fußballs. Denn beide hatten Anlass, sich im Recht zu wähnen nach diesem 1:1 gegen Aufsteiger Dynamo Dresden. Denn während die Walter-Elf in den ersten 45 und letzten 15 Minuten Offensivfußball zum Verlieben spielte, gab es eben auch die Phase zu Beginn der zweiten Hälfte, in der der HSV zu viele unnötige Ballverluste produzierte und Räume öffnete, weil man die Balance aus spektakulärer Offensive und stabiler defensive nicht aus der ersten Halbzeit rüberretten konnte. Und so erspielte sich der HSV am Ende nur einen Punkt, obgleich man schon zur Halbzeit höher hätte führen und das Spiel hätte vorentscheiden können. Werner: „Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit sehr viel vom Spiel und einige Torchancen hatten, aber vor dem Tor hat die letzte Gier gefehlt – so behält der Gegner die Chance zurückzukommen.“

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Die 17.100 Zuschauer durften zu Beginn die Startelf aus dem Saisonauftaktspiel beim FC Schalke begrüßen. Das bedeutete, Sonny Kittel, Maximilian Rohr und Moritz Heyer, die allesamt maßgeblich an den Treffern zum 2:1 und 3:1 auf Schalke beteiligt waren, saßen zunächst nur auf der Bank. Dort fehlten heute noch Josha Vagnoman und Jeremy Dudziak, die zwar beide wieder ins Training eingestiegen waren, die aber beide nach Auffassung von Trainer Tim Walter noch nicht hundertprozentig matchfähig sind. Und wenn ich schon mit Personalien anfange, dann muss auch zwingend erwähnt werden, dass Aaron Hunt vor Spielbeginn so verabschiedet wurde, wie er es nach sechs Jahren verdient hatte: Mit stehenden Ovationen! Ein toller Fußballer, der den HSV nach sechs sportlich durchwachsenen Jahren als Freund verlässt. So zumindest war mein Eindruck von den Reaktionen der Fans.

HSV begeistert die 17.100 Zuschauer - Reist trifft

Apropos: Noch vor der Verabschiedung hatte Stadionsprecher „Stübi“ Stübinger ein  feines Gespür für die Stimmung auf den Rängen. So feierte er einen Spieler vorab und es kam erst zarter, dann aber ein deutlich lauter werdender Applaus für einen Spieler auf, der es so nicht gewohnt war, der es sich aber mächtig verdient hatte: Daniel Heuer Fernandes. Angesichts der harten letzten zwei Jahre hat mich das für den nie murrenden Teamplayer ganz besonders gefreut.

Das wiederum galt auch für den Rahmen an sich, der sich tatsächlich wieder nach (Zweit-)Bundesligafußball anfühlte.  Noch ohne Gästefans, was bei so lautstarken Fangruppen wie den Dresdnern schon noch einmal einen Unterschied darstellt. Aber diese 17.100 Zuschauer machten hier so einen Alarm, das war schon nah dran an 57.000 Fans und der gewohnt lauten Stadionatmosphäre. Fußball eben, der sich auch so anfühlte – aber neben dem einsetzenden Starkregen fast einen frühen sportli8chen Dämpfer für den HSV parat hatte. Ludovit Reis spielt den Ball zu kurz zurück, Jan Gyamerahs Befreiungsschlag trifft Dresdens Toptorjäger Daferner, der allein vor Heyer auftaucht – und kläglich vergibt. Zudem wäre es Hand gewesen, wie Schiedsrichter Martin Petersen entschied.

Der Weckruf für den HSV, und wie! Im direkten Gegenzug wird Manuel Wintzheimer auf links freigespielt, flankt in die Mitte, wo David Kinsombi am Ball vorbeirutscht und ihn so unfreiwillig – aber gut so!! – für den freistehenden Ludovit Reis durchlässt – und der trifft mit seinem schwächeren, linken Fuß (und der Mithilfe von Dynamo-Keeper Broll) zum 1:0 (5.). Ein Start nach Maß, den der HSV hätte ausbauen müssen. Glatzel wird im letzten Moment von Sollbauer gestoppt, der mit einer starken Grätsche zur Stelle ist (13.) und scheitert nach Jattas Zuspiel links frei vor Broll, als er den „tunneln“ wollte (18.). Keine 30 Sekunden später verfehlt der sehr auffällige Glatzel dann nach Meffert-Pass mit der Hacke knapp (19.).

HSV vergisst, weitere Treffer nachzulegen

Der HSV agierte kraftvoll, leidenschaftlich und ließ Dresden kaum zur Entfaltung kommen. Man konnte hier und da noch Abstimmungsschwierigkeiten im Passspiel erkennen, aber wenn ein ball verloren ging, jagten ihm alle HSVer hinterher. Und die HSV-Anhänger auf den Rängen honorierten diesen enormen Aufwand mit Applaus – auch wenn die Pässe mal nicht ankamen.

Der HSV begeisterte hier mit mutigem Offensivfußball. Es fehlte nur der nächste Treffer, den Kinsombi in der 38. Minute nach starker Vorarbeit von Gyamerah (im Doppelpass mit Jatta) auf dem Fuß hatte. Allein Dresdners Keeper Broll rettete per Glanzparade zur Ecke. Der anschließende Applaus zur Halbzeit für den HSV war jedenfalls absolut verdient. Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann die Chancenauswertung. Aber auch das war für Trainer Tim Walter kein Grund, personell etwas zu verändern.

Unverändert begann die zweite Halbzeit übrigens auch sportlich. Denn die Dresdner kamen Nur eine beherzte Grätsche von Jan Gyamerah verhinderte den Ausgleich von Dresdens auffälligem Youngster Königsdörffer (48.), währen Jonas David den eingewechselten Vlachodimos im letzten Moment noch entscheidend am Abschluss stören konnte (51.). Dresden kam hier besser aus der Kabine, war aggressiver und setzte den HSV immer wieder unter Druck. Etwas zu sehr in der 58. Minute, als Luca Herrmann noch in der eigenen Hälfte so übel im Luftduell abräumte, dass dieser nach einer Behandlungspause sichtlich benommen ausgewechselt werden musste. Für Meffert kam Maximilian Rohr (61.), Herrmann sah mehr als verdient die Gelbe Karte.

Dynamo Dresden wird stärker - und trifft

Es begann hier eine Phase, in der man alles zu sehen bekam, was der Walter-Fußball eben auch mit sich bringt. Den offensiv ausgelegten Fußball, der begeistern kann – aber eben auch viele Kontergelegenheiten, (mit schwindender Kraft) zunehmend viele unnötige Ballverluste. Und leider auch den Ausgleich. Nach einem Eckball versäumt Rohr es, seinen Gegenspieler Knipping am Kopfball zu hindern – das 1:1 (68.). Ein sehr platzierter Kopfball, der für Heuer Fernandes leider unhaltbar war.

Walter selbst reagierte und brachte nach Rohr auch wie zuletzt Moritz Heyer und Sonny Kittel, sowie später Mikkel Kaufmann (79.) für Wintzheimer, Reis und Jatta. Aber das Spiel blieb aus HSV-Sicht fahrig, riskant – eben spektakulär mit allen Vor- und Nachteilen. So verlor man weiter unnötig Bälle durch riskante Dribblings. Aber man hatte auch gute Chancen wie beispielsweise durch den heute guten Kinsombi (82.). Man hätte gewinnen können – und angesichts der ersten 45 Minuten auch gewinnen müssen. Es schwang aber immer auch die Angst mit, hier noch so einen unnötigen Gegentreffer zu kassieren und gar leer auszugehen. 

Am Ende blieb es bei einem 1:1, das nicht nur Trainer Walter nicht zufriedenstellte. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit nicht belohnt“, haderte HSV -Trainer Tim Walter bei Sky mit seinem Team. «Da muss man effizienter sein. Wir haben die Konter nicht sauber ausgespielt“, ärgerte sich Walter über zwei leichtfertig hergegebene Punkte. Aber er sah positiv nach vorn: „Mir hat gefallen, dass wir bis zum Ende nach vorne gespielt haben. Meine Jungs haben nie aufgehört und hatten bis zum Ende immer Bock. Das brauchen wir auch in den kommenden Spielen.“

Der Aufsteiger aus Dresden hatte derweil nichts zu meckern. Im Gegenteil: „Unsere Reaktion war super“, freute sich Dynamo-Stürmer Christoph Daferner. „In der zweiten Halbzeit war es ein Spiel auf Augenhöhe.“ Und Trainer Alexander Schmidt konstatierte gar: „Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft. In der 1. Hälfte hat uns Kevin Broll im Spiel gehalten. In der zweiten konnten wir den HSV dann selbst zunehmend vor Probleme stellen und haben uns das Remis mit viel Herz verdient.“ Stimmt. Leider.

In diesem Sinne, bis morgen. 

Scholle

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