Meinung

10 Millionen Euro Überbrückungshilfe retten HSV-Etat

Der erste Reflex? Verwunderung! Warum bekommt der HSV 10 Millionen Euro Steuergelder als Überbrückungsgeld und die anderen 35 Profiklubs nicht? Eine Frage, deren Antwort sich…

10 Millionen Euro Überbrückungshilfe retten HSV-Etat

Der erste Reflex? Verwunderung! Warum bekommt der HSV 10 Millionen Euro Steuergelder als Überbrückungsgeld und die anderen 35 Profiklubs nicht? Eine Frage, deren Antwort sich nicht aus dem Artikel meines Kollegen Kai Schiller erschließt. Denn die Begründung, dass diese nicht den Anforderungen eines 30-prozentigen Einnahmeeinbruchs standhielten, ist vielerseits falsch. Allerdings könnte es bei den Umsatzeinbußen noch einmal Unterschiede geben, die in dem Artikel nicht genannt wurden – und die vom Bund als Vorgaben für die Bewilligung gelten.

Insofern muss man es sagen, wie es ist: Der HSV hat sich mal wieder eine Sondereinnahme im zweistelligen Millionenbereich verschafft. In diesem Fall, weil der HSV in genannter Person von Finanz-Vorstand Frank Wettstein, einfach findig war. Und so missmutig ich als Steuerzahler diese Bezuschussung auch aburteile, wäre ich Anteilseigner des Unternehmens HSV Fußball AG, ich würde den Vorstand dafür abfeiern, diesen unerwarteten Geldsegen rechtlich korrekt eingefahren zu haben. Dieser Vorstand hat im Interesse der HSV AG zu handeln, sonst nichts. Und das hat er in diesem Fall sehr gut gemacht. Aber meine Frage ist trotzdem: Wie lange noch soll man sich mit derartigen Schlupflöchern retten?

HSV bekommt 10 Millionen Euro Überbrückungshilfe

Anteilsverkäufe, Klubanleihen, Millionenverzicht von Klaus Michael Kühne, weitere Klubanleihen, Stadiongrundstücksverkauf, vorausbezahlte Werbe- und oder Cateringverträge – jetzt sogar Überbrückungsgel und der HSV macht trotzdem Jahr für Jahr ein neues Millionenminus. Der HSV-Finanz-Vorstand Frank Wettstein hat inzwischen weniger die Aufgabe vor sich, die HSV-Finanzen an sich zusammenzustreichen. Er muss zusehen, dass er dem HSV In jedem Jahr mindestens eine Sondereinnahme im zweistelligen Millionenbereich einholt. Und, die gute Nachricht: 2021 hat er dieses Ziel nun spätestens erreicht. Die schlechte Nachricht: Es wird auch ein 2022 geben.

Und das schlechteste daran: Der HSV schickt sich sportlich weiter nicht wirklich an, über den Weg der sportlichen Erfolge derartige Sondereinnahmen zu generieren. Denn dafür ist der Aufstieg unabdingbar.  Auch deshalb freue ich mich tatsächlich darüber, das der HSV gedanklich einen Schritt rückwärts gemacht hat bzw. dazu gezwungen wurde, sich gedanklich aus dem „Konzert der Großen in der Zweiten Liga“ zu verabschieden. Man geht den Weg über günstige, junge Talente. Der Gehaltsetat wird weiter runtergefahren. Und damit einhergehend auch die Wahrscheinlichkeit, wieder aufzusteigen?

https://open.spotify.com/episode/0YnZ7Cyq3XmF7FCJE2TqRl?si=_ut1TmNESOCXOo88ji97yg&dl_branch=1
https://soundcloud.com/user-36211795/fr-03-09-2021-hsv

Nein! Noch nicht. Der HSV hat jetzt Und auch wenn ich dieses „Wir haben es immer schon so geplant“ von HSV-Seiten für fast schon zynisch halte, es ist nun endlich so, dass alle diesen Weg als den einzig möglichen ansehen. „Wir haben zuletzt mit vielen jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs die Verträge langfristig verlängert. Zudem haben wir weitere junge, entwicklungsfähige Spieler mit Potenzial verpflichtet. Diesen Weg werden wir aus Überzeugung und mit Geduld weitergehen“, hatte Jonas Boldt zuletzt angekündigt und damit die Abkehr von teuren Säulenspielern eingestanden. 

Die Erwartungshaltung liegt nicht mehr bei „Säulenspielern"

Teure Spieler, an die man Erwartungen knüpfen und mit deren Verpflichtungen man eben selbige nach außen abtreten konnte, fallen weg. Jetzt müssen die hier Verantwortlichen härter und besser arbeiten. „Vielleicht ist unser Rahmen, dass wir einfach mit jungen Spielern mehr arbeiten müssen“, hatte Tim Walter zuletzt gesagt und damit – ich glaube nicht, dass er es so wollte, aber er tat es – das Fass aufgemacht, dass man hier bisher zu viel von der Mannschaft vorausgesetzt und zu wenig daraufhin gearbeitet hat. Aber: Walter macht eben das, was er immer macht: Er redet nicht drumherum, er spricht Klartext. Und auch das ist gut, da es diesen HSV in seiner geglaubten Größe zumindest ein Stück weiter in Richtung Realität zieht.

Und die sieht auf Vorstandsebene vor, Schlupflöcher zu finden, wie man seine Minuswirtschaft in den nächsten Jahren kaschieren kann. So kaschieren, dass dieser HSV nicht vorzeitig zahlungsunfähig wird. Die letzten Jahre hat Wettstein das geschafft. Aber für ihn wird es nicht leichter. Es sei denn, die sportliche Seite arbeitet ihm zu. Rund fünf Millionen Euro Transferüberschuss hat der HSV in diesem Sommer erwirtschaftet. Das ist schon einmal ein guter Anfang. Sollte man es jetzt noch schaffen, auf Sparflamme den Weg zurück in die Erste Liga zu schaffen, hätte das gleich zwei Vorteile, die mich optimistisch machten: 

  1. Der HSV hat automatisch Mehreinnahmen
  2. Der HSV würde den Erfolg mit vielen Spielern erreichen, deren Wert dadurch steigen würde. Sie eröffneten dem HSV dann die erneute Möglichkeit, einen Transferüberschuss zu erwirtschaften, sofern auf Seite der sportlich Verantwortlichen frühzeitig gut gearbeitet wird. Soll heißen: Die finanziell gewinnbringende Abgabe von Leistungsträgern wäre vernünftig, wenn man sich auf der anderen Seite bereits mit günstigen Spielern genau diese einzukalkulierenden Lücken qualitativ wieder auffüllt.

Klingt so leicht – ist es aber nicht. Im Gegenteil, das ist die hohe Kunst. Aber es ist auch der Weg, den vor dem HSV beispielsweise schon Klubs wie Union Berlin, SC Freiburg, FC Augsburg, Bielefeld und Co. gegangen sind. Sie haben gezeigt, dass es funktionieren kann, wenn man es gut macht. Ergo: Das „wir müssen mehr arbeiten“ von Trainer Tim Walter darf sehr wohl auf den gesamten HSV ausgeweitet werden. Nein: Es muss.

In diesem Sinne, bis morgen. Den Plan, beide Tage frei zu machen, habe ich erst einmal kassiert. Sehr zum Unfrieden meines Kleinsten, der darauf wartet, dass ich mit ihm die Brio-Bah weiterbaue. Aber so isses halt, wenn man tagesaktuell berichtet. Trotzdem hoffe ich, wirklich mit dem Essay über den zweiten, jungen Neuzugang des HSV. Zumindest wartet die Analyse von Tommy Doyle darauf…

Bis morgen!

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen