Spielbericht

0:4 in Stuttgart – und am Ende war das Ergebnis fast noch das Beste

Man kann Spiele verlieren. Auch deutlich. Und ja, man kann in Stuttgart verlieren – gegen einen Gegner, der aktuell zu Recht von der Champions League träumt und der mit einer…

0:4 in Stuttgart – und am Ende war das Ergebnis fast noch das Beste

Man kann Spiele verlieren. Auch deutlich. Und ja, man kann in Stuttgart verlieren – gegen einen Gegner, der aktuell zu Recht von der Champions League träumt und der mit einer Qualität auftritt, die für den HSV in dieser Saison schlicht eine Nummer zu groß ist. Aber die Art und Weise dieses 0:4 wirft trotzdem Fragen auf. Nicht, weil der HSV chancenlos war – das war gegen diesen VfB fast erwartbar. Sondern weil man das Gefühl hatte, dass die Hamburger dieses Spiel nie wirklich priorisiert haben.

Von Beginn an war klar, wohin die Reise geht. Stuttgart dominant, spielstark, mit Tempo und klarer Struktur. Der HSV dagegen tief, abwartend, im 5-3-2 auf Schadensbegrenzung bedacht. Das kann ein Plan sein – gerade auswärts, gerade gegen einen solchen Gegner. Aber dieser Plan braucht Intensität, Zweikampfhärte, Überzeugung. Und genau daran hat es über weite Strecken gefehlt.

Die ersten 30 Minuten waren sinnbildlich: Der HSV verteidigt, läuft hinterher, kommt kaum in Umschaltsituationen – und wenn sich mal eine Chance bietet, wird sie unsauber ausgespielt. Baldes Abschluss aus guter Position? In Richtung Seitenaus geschossen…! Königsdörffer? Ohne Durchschlagskraft. Phlippe? Bemühter als sonst – aber null Torgefahr. Und Stuttgart? Nutzt die Räume eiskalt. Stiller nach einem blitzsauberen Kombinationsspiel, Führich nach einem Hamburger Fehler – 0:2 zur Pause, und das völlig verdient.

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann phasenweise richtig unangenehm. Stuttgart spielte sich in einen Rausch, der HSV kam kaum noch hinterher. Chancen im Minutentakt, Heuer Fernandes im Dauerstress – und der Einzige, der an diesem Nachmittag wirklich auf Bundesliga-Niveau dagegenhielt. Ohne ihn wäre das hier kein 0:4 geworden, sondern ein Ergebnis, über das man noch lange gesprochen hätte.

Dass zwei der vier Gegentore abgefälscht waren, passt fast ins Bild. Denn so kurios es klingt: Dieses 0:4 war am Ende noch schmeichelhaft. Wenn das Ergebnis das Beste ist, was man aus so einem Spiel mitnehmen kann, dann sagt das eigentlich schon alles.


Public Viewing in Bergedorf: Nordderby mit Ex-HSV-Kapitän Stefan Schnoor erleben

Das Restaurant Tellerturm im Bettenburg-Hotel (Oberer Landweg 27) erweitert sein Angebot und setzt künftig auch auf Live-Sport: Mit der neuen Sky Sports Bar entsteht in Nettelnburg ein Treffpunkt für alle Fußball-Fans aus dem Hamburger Osten. Ab sofort werden dort immer am Freitag und Samstag die Spiele der Fußball-Bundesliga live gezeigt.

Ein besonderes Highlight steht schon unmittelbar bevor: Am 18. April (Anpfiff: 15.30 Uhr) tritt der Hamburger SV beim großen Nordrivalen Werder Bremen an. Das Spiel aus dem Weserstadion wird im Rahmen eines Public Viewings live in der Sky Sports Bar im Restaurant Tellerturm auf einer Großbildleinwand und mehreren Fernsehern übertragen.

Für das Fußball-Event haben sich prominente Gäste angekündigt: Der frühere HSV-Kapitän Stefan Schnoor sowie der Journalist Marcus Scholz, bekannt durch den HSV-Blog „Moin Volkspark“. Gemeinsam begleiten sie das Nordderby mit fundierten Analysen und persönlichen Einblicken. Geplant sind kurze Talkrunden vor dem Anpfiff, in der Halbzeitpause sowie eine Analyse nach dem Spiel. Auch die Gäste vor Ort haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich aktiv einzubringen.

Ein weiterer Anlass macht das Public Viewing im Restaurant Tellerturm außergewöhnlich: Stefan Schnoor feiert an diesem Tag seinen 55. Geburtstag und möchte diesen gemeinsam mit zahlreichen HSV-Fans vor Ort begehen.

Das Restaurant Tellerturm lädt alle Fußball-Anhänger herzlich ein, dieses besondere Event in der neuen Sky Sports Bar zu erleben. Wer sich bis zum 16. April (18 Uhr) per E-Mail an [email protected] samt Personenzahl anmeldet, erhält eine entsprechende Tischreservierung sowie ein Getränk (wahlweise Bier, Softdrink oder Wasser) gratis. Für das leibliche Wohl wird natürlich ebenfalls gesorgt.


Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – lohnt sich ein zweiter Blick. Denn bei aller berechtigten Kritik darf man den Kontext nicht ausblenden. Der HSV ist personell angeschlagen in dieses Spiel gegangen. Vuskovic fehlt, Muheim gesperrt, Lokonga nicht fit – dazu einige Spieler, die offensichtlich nicht bei 100 Prozent waren. Und genau hier liegt vermutlich der eigentliche Schlüssel zu diesem Auftritt.

Man hatte nie das Gefühl, dass der HSV heute ins letzte Risiko gehen wollte. Dass man bewusst Körner spart. Dass man Spieler schont. Und wenn das so war, dann ist das – bei aller Enttäuschung über die Leistung – absolut nachvollziehbar. Denn so hart es klingt: Dieses Spiel in Stuttgart war nicht das, das über den Klassenerhalt entscheidet.

Das Spiel in Bremen ist es.

Dort geht es um alles. Um Punkte, um Emotionen, um einen direkten Konkurrenten. Und genau dafür braucht der HSV seine besten Spieler in bestmöglicher Verfassung. Wenn also heute der ein oder andere Prozentpunkt an Intensität gefehlt hat, wenn man vielleicht einen Schritt zu spät kam, einen Zweikampf nicht mit letzter Konsequenz geführt hat – dann könnte das auch eine bewusste Entscheidung gewesen sein.

Das macht die Leistung nicht gut. Aber es macht sie erklärbarer.

Und vielleicht liegt genau darin der einzige „positive“ Aspekt dieses Spiels: Der HSV hat sich selbst unter Zugzwang gesetzt. Nach so einem Auftritt gibt es keine Ausreden mehr. Keine Grauzone. Kein „war gar nicht so schlecht“. Dieses Spiel schreit nach einer Reaktion.

In Bremen.

Dort muss der HSV zeigen, dass das heute ein Ausrutscher war. Dass man mehr kann, mehr will, mehr ist als das, was man in Stuttgart auf den Platz gebracht hat. Wiedergutmachung ist kein leeres Wort mehr – sie ist Pflicht.

Denn eines ist klar: So wie heute wird es im Abstiegskampf nicht reichen. Aber vielleicht war genau das die notwendige Erinnerung daran.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

VfB Stuttgart: Nübel – Assignon (88. Vagnoman), Hendriks, Chabot, Mittelstädt – Stiller, Chema (70. Nartey) – Leweling, Undav (88. Arevalo), Führich (70. El Khannouss) – Demirovic (69. Tomas)

HSV: Heuer Fernandes – Omari, Torunarigha, Elfadli (72. Capaldo) – Mikelbrencis, Grönbaek (60. Stange), Remberg, Balde (72. Gocholeishvili) – Fabio Vieira – Königsdörffer, Philippe (60. Glatzel)

Tore: 1:0 Stiller (21.), 2:0 Führich (32.), 3:0 Mittelstädt (56.), 4:0 El Khannouss (86.)

Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter:  Sven Jablonski (Bremen)

Gelbe Karten: Chema, Undav / Capaldo 


STIMMEN ZUM SPIEL.

Daniel Heuer Fernandes: Wir sind in keiner Phase des Spiels in unsere Abläufe gekommen. Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gespielt. Wir waren darauf eingestellt, dass sie viel Ballbesitz haben werden. Wir wollten kompakt stehen und dem Gegner wenig Räume lassen. Das ist uns heute nicht gelungen. Zudem haben uns die Momente gefehlt, im Ballbesitz mutig zu sein. Deshalb ist es eine verdiente Niederlage. 

Daniel Elfadli: Es war eine toughe Aufgabe. Stuttgart ist eine Top-Mannschaft: sehr flexibel im Angriff, viele Positionswechsel. Sie haben es gut gemacht, wir dagegen nicht. Wir haben den Gegner durch individuelle Fehler eingeladen. Ohne diese Fehler hätten wir vielleicht etwas mitnehmen können, so hatten wir etwa in der ersten Hälfte einige Aktionen nach vorne, die wir nicht nutzen konnten.

Merlin Polzin: Glückwunsch zu einem sehr verdienten Sieg an Sebastian (Hoeneß, Anm. d. Red.) und den VfB. Wenn du hier bestehen möchtest, dann brauchst du nicht nur ein Quäntchen Glück, sondern eine aggressive und kompakte Leistung und musst die wenigen Umschaltmomente erfolgreich ausspielen, um Nadelstiche zu setzen. Das haben wir leider nicht geschafft. Stuttgart war heute klar besser, das erkennen wir an. Ich habe der Mannschaft nach dem Abpfiff gesagt, dass der Tag heute bescheiden lief und wir auf diesem Level gegen so eine VfB-Mannschaft noch nicht mithalten können. Das konnten wir im Hinspiel mit einem Konter, viel Leidenschaft und unserer Bestbesetzung, aber wenn es normal läuft, laufen die Spiele eher wie heute. Wichtig ist, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Saison wissen, dass wir so ein Spiel schnell abhaken und uns auf die Dinge konzentrieren müssen, die uns bis hierhin geführt haben. Wir müssen jetzt keinen aufrichten. Die Jungs sind voll da. Natürlich sind wir heute enttäuscht, aber wir wissen, dass nächste Woche ein geiles Spiel auf uns wartet.

Sebastian Hoeneß: Wir hatten in den ersten 20 Minuten noch ein paar unnötige Ballverluste, die Hamburg mit etwas mehr Zielstrebigkeit hätte bestrafen können. Ansonsten hatten wir aber sehr viel Druck in unserem Spiel und mit fortlaufender Spieldauer dann auch unsere Chancen. Es war ein verdienter Sieg, eine sehr gute Teamleistung. Wir sind sehr eingespielt, viele der Jungs spielen schon über ein, zwei oder noch mehr Jahre beim VfB, und das führt dann zu unseren Automatismen, die man heute gut gesehen hat. Die Mannschaft hat den Matchplan einfach sehr gut umgesetzt.

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