Spielbericht

0:0 in Düsseldorf - unspektakulärer Punkt im Spitzenspiel

Die zwei besten Mannschaften der Zweiten Liga trafen heute in Düsseldorf aufeinander. Und alle, die von einem mitreißenden Kampf zweier Offensivteams geträumt hatten, wurden am…

0:0 in Düsseldorf - unspektakulärer Punkt im Spitzenspiel

Die zwei besten Mannschaften der Zweiten Liga trafen heute in Düsseldorf aufeinander. Und alle, die von einem mitreißenden Kampf zweier Offensivteams geträumt hatten, wurden am Ende eines Besseren belehrt. Denn hier wollten heute zwei Teams vor allem eines: nicht verlieren.  Der Respekt war beiderseits groß, wie Trainer Daniel Thioune nach dem Spiel auch eingestand. „Wenn man bei der heimstärksten Mannschaft mit 0:0 vom Platz geht, dann kann man zufrieden sein. Und das bin ich auch. Wir mussten immer aufpassen, nicht in den einen schnellen Gegenstoß reinzulaufen. Entsprechend war es final nicht so, dass wir uns große Chance herausgespielt haben. Aber bis zur Box sah es richtig gut aus. Ich glaube, dass wir aufgrund der ersten Halbzeit ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht haben.“ Kann man so sehen.

Und dennoch hätte ich mir am Ende personell andere, mutigere Entscheidungen gewünscht. Zumal Thioune am Anfang gleich schon Mut bewiesen hatte. Jan Gyamerah wurde gleich bei der ersten Kadernominierung nach seiner Verletzung in die Startelf befördert. Er kam für den leider wieder länger verletzten Josha Vagnoman (doppelter Bänderriss im Sprunggelenk) und agierte in der Viererkette mit dem zweiten Neuen gegenüber Braunschweig vor sich: Khaled Narey. Der wiederum ersetzte Bakery Jatta, der auf der Bank Platz nahm – was mich wunderte. Denn gerade in Düsseldorf hatte ich mit weiten Räumen in der eigenen Offensive gerechnet – und so kam es auch gleich zu Beginn. Andererseits aber hatte Thioune mit Jatta so noch einmal eine Waffe auf der Bank, die er bringen konnte, wenn es nicht laufen sollte. Aber das tat es. Zumindest mit Anpfiff.

Der HSV beginnt stark und dominiert die erste Hälfte

Denn der HSV kam sehr gut ins Spiel. Defensiv stand der HSV bis auf eine Szene in der 6. Minute gut. Hier aber musste Stephan Ambrosius gegen Düsseldorfs Pledl in letzter Sekunde retten und blockte den Schuss zehn Meter vor dem eigenen Tor. Ansonsten hatten die Gastgeber offensiv nicht viel zu bieten/melden – und der HSV kombinierte sich immer wieder gefällig bis vor das Düsseldorfer Tor. Dass Fortunas Keeper Kastenmeier lange Zeit die meisten Ballkontakte im eigenen Team hatte – es spricht für sich. Und für den HSV, bei dem Sonny Kittel  da weitermachte, wo er in Braunschweig aufgehört hatte. Und bei dem ein Jeremy Dudziak bis zum Sechzehner alles richtig machte, dann aber leider nicht den finalen Pass oder Abschluss hinbekam.

Dennoch, neben der oben erwähnten sechsten Minute und einem Kopfball in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit, hatte der HSV alles im Griff. 65 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, 65 Prozent Ballbesitz - der HSV war hier deutlich überlegen. Und er kam zu Torchancen. In der 11. Minute verpassten Terodde, Kinsombi und Co. einen Querpass von Dudziak nach feinem Zusammenspiel mit Kittel. In der 15. Minute flankte Gyamerah auf Kinsombi, der den Ball nicht richtig trifft. Ebenso wie Narey in der 19. Minute, als er abseitsverdächtig einen Kittel-Freistoß allein vor Düsseldorf-Keeper Kastenmeier nicht traf und dieser parieren konnte. Zugegebenermaßen waren es alles keine hundertprozentigen Torchancen – aber der HSV machte ein sehr gutes Spiel bis hierhin. Die Richtung stimmte.

Und deshalb beließ es Thioune zur Halbzeit auch bei der Startelf. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich das bei Onana und Jatta auf der Bank sagen würde, aber: Thioune hatte hier bis hierhin alles richtig gemacht. Auch die Entscheidung, im Gegensatz zu den Düsseldorfern (wechselten einmal) zunächst so weiterzumachen, war absolut nachvollziehbar. Zumal der HSV auch gut in zweite Hälfte kam. Diesmal ohne eigene Torraumszenen und mit etwas mutigeren Gastgebern, aber lange Zeit ohne jede Gefahr für das HSV-Tor zuzulassen. Erst nach 55 Minuten wechselte Thioune. Gyamerah ging raus – er hatte kurz zuvor einen Schlag auf den rechten Fuß bekommen – und Onana kam. Der Youngster rückte auf die Sechs, während Heyer auf den Rechtsverteidigerposten rückte – und er musste mit ansehen, wie sein Ballverlust in der 60. Minute das erste Mal für Gefahr vor dem eigenen Kasten sorgte. Narey allerdings konnte den von Keeper Sven Ulreich zu kurz – aber entscheidend vor einem Düsseldorfer Angreifer - abgewehrten Flankenball gerade noch klären.

Chancenarmut und zwei Teams, die nur nicht verlieren wollen

Es war kein Spiel der vielen Chancen. Von daher war es auch nicht wirklich mitreißend.  Aber es war taktisch gut – und der HSV spielte Fußball. Leider zunehmend bzw. langsamer werdend. Vor allem Dudziak und Kittel, über die in der ersten Hälfte noch sehr viel lief, waren in der zweiten Halbzeit nicht mehr so präsent wie in den ersten 45 Minuten. Simon Terodde wurde kaum bis nicht bedient – und im Umschaltspiel stoppte der HSV die eigene Vorwärtsbewegung zu oft mit Quer- und Rückpässen sowie unnötigen Ballverlusten. Der HSV baute ab - oder anders formuliert: Es war der Moment gekommen, in dem ein Jatta hätte kommen müssen. Weshalb Thioune allerdings auf diese Option verzichtete – für mich mehr als unverständlich.

Denn die Räume wurden größer. Und Narey wusste diese nicht zu nutzen. Bobby Wood und Aaron Hunt für Kinsombi und Terodde zu bringen – nein! Das war nicht das, was dieses HSV-Spiel gebraucht hätte. Jatta hätte mit seinem Tempo automatisch eine Bedrohung dargestellt und dafür gesorgt, dass sich die Düsseldorfer defensiv wieder etwas tiefer  hätten aufstellen müssen – oder eben Räume liefern, die der schnellste Spieler der Zweiten Liga für den einen, entscheidenden Konter hätte nutzen können. Aber es blieb bei diesem Konjunktiv, da Jatta (zusammen Wintzheimer für Kittel und Dudziak) erst in der 86. Minute kam. Viel zu spät.

Am Ende blieb es beim verdienten 0:0, weil Ulreich einen Kopfball stark parierte (90+2) und die Düsseldorfer in der zweiten Halbzeit etwas stärker waren, während der HSV in der ersten Hälfte das bessere Team war. Vor allem aber, weil beide Seiten heute lieber nicht verlieren wollten, als dass sie alles daran gesetzt hätten, zu gewinnen. "Wir haben am Ende sicherlich nicht alles auf eine Karte gesetzt", so Thioune auf der Pressekonferenz über das Spitzenspiel, das am Ende mit einer unspektakulären, aber gerechten Punkteteilung endete. Und wer weiß, wozu dieser eine Punkt am Ende noch gut ist.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Die Statistik zum Spiel: 

Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier - M. Zimmermann, Hoffmann, Danso, Krajnc - Morales, Sobottka, Pledl, Peterson (46.Borrello) - Karaman, Kownacki (76.Hennings)

HSV: Ulreich - Gyamerah (56.Onana), Leistner, Ambrosius, Leibold - Kinsombi (77.Hunt), Heyer, Dudziak (86.Wintzheimer) - Narey, Terodde (77.Wood), Kittel (86.Jatta)

Tore: -

Zuschauer: leider keine

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenbach an der Pegnitz)

Gelbe Karten: Hoffmann (10.), Danso (47.), Sobottka (58.) / Kittel (45.), Ambrosius (73.), Leibold (90.)

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