Spielbericht

Verpasste Krönung: Der HSV verliert in Fürth – und liefert wichtige Erkenntnisse gleich mit

Der Aufstieg ist geschafft – doch die Krönung blieb aus. Mit einem 2:3 bei der SpVgg Greuther Fürth verpasste der HSV am letzten Spieltag den Zweitliga-Meistertitel und beendet…

Verpasste Krönung: Der HSV verliert in Fürth – und liefert wichtige Erkenntnisse gleich mit

Der Aufstieg ist geschafft – doch die Krönung blieb aus. Mit einem 2:3 bei der SpVgg Greuther Fürth verpasste der HSV am letzten Spieltag den Zweitliga-Meistertitel und beendet die Saison auf Platz zwei. Die Enttäuschung nach dem Abpfiff war spürbar, auch wenn sie schnell von der Erkenntnis überdeckt wurde, dass das große Ziel erreicht wurde. „Ein bisschen enttäuscht muss man sein. Das Ziel war ganz klar, dass wir Erster werden und die Schale holen“, erklärte Robert Glatzel nach dem Spiel. „Aber der Aufstieg steht über allem. Darauf können wir stolz sein. Bei Fürth ging es um alles, das hat man gemerkt. Wir haben nicht unser Spiel auf den Platz bringen können. Am Ende war es eine verdiente Niederlage. Spätestens morgen wird das Spiel aber vergessen sein.“

Die Zweitliga-Meisterschaft wäre nach dem Bundesliga-Aufstieg das i-Tüpfelchen für den HSV gewesen. Doch im Saisonfinale gab es ein 2:3 bei der SpVgg Greuther Fürth. Die Feiern gehen dennoch weiter. Der HSV wird allerdings ohne die Trophäe für die Meisterschaft in der 2. Fußball-Bundesliga zur Aufstiegsfeier ins Hamburger Rathaus kommen. Einen Tag vor dem Empfang bei Bürgermeister Peter Tschentscher verlor der Bundesliga-Rückkehrer zum Saisonabschluss bei der SpVgg Greuther Fürth mit 2:3 (0:1) und beendet die Spielzeit deshalb auf dem zweiten Platz.

Die Treffer von Jean-Luc Dompé (50.) und Robert Glatzel (67./Foulelfmeter) reichten nicht gegen den Dreierpack des Fürthers Felix Klaus (41./57., Foulelfmeter/63.). In der Nachspielzeit wurden den Norddeutschen ein Foulelfmeter an Glatzel und ein Tor von Davie Selke nach VAR-Entscheid jeweils zurecht zurückgenommen.

Damit verpassten es Polzin und Co., sich nach sieben Jahren Zweitklassigkeit mit der genannten Meister-Felge zu verabschieden. Diesen sicherte sich der 1. FC Köln, der mit dem 4:0 (2:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern acht Tage nach dem HSV den Aufstieg perfekt machte. Die Kölner sind Nachfolger vom HSV-Stadtrivalen FC St. Pauli, der im vergangenen Jahr als Meister aufstieg.

Zugegeben: Der verpasste Titel an sich ließe sich leicht verkraften. Immerhin stand der Aufstieg schon fest - und das war das primäre Ziel. Durch das 6:1 gegen den SSV Ulm am vergangenen wurde vorzeitig der Sprung in die Bundesliga geschafft und den Abstiegsmakel von 2018 abgelegt. Was folgte, war eine riesige Aufstiegsparty im Volksparkstadion und in der Stadt. Und diese wird am morgigen Montag ab 17.00 Uhr im und vor dem Rathaus fortgesetzt. Dann sind auch die Fußballerinnen des HSV dabei, die ebenfalls in die Bundesliga zurückgekehrt sind. Die Teams werden sich auf dem Balkon den Fans auf dem Rathausmarkt zeigen. Anschließend geht es mit zwei Trucks um die Binnenalster. Die Polizei rechnet mit mehr als 120.000 Menschen.

Trotz aller Feierlichkeiten der vergangenen Tage hatte der HSV-Aufstiegstrainer Polzin die Meisterschaft zum Ziel für das Saisonfinale erklärt. Für die Fürther ging es in dem Spiel noch um mehr. Für sie bestand die Gefahr, noch in die Abstiegsrelegation zu rutschen. Zumindest in weiten Phasen der ersten Halbzeit bestimmte der HSV die Partie und hatte Chancen. Zumindest gute Gelegenheit, sich richtig gute Chancen herauszuspielen. Doch das Tor machten die Gastgeber. Erst nach der Pause glich der HSV durch Dompé aus. Die Fürther hielten dagegen und gewannen letztlich verdient.

Die Hamburger schlossen die Saison auch mit Bestmarken ab. Davie Selke holte sich mit 22 Treffern die Torjägerkrone und übernahm sie von Teamkollege Robert Glatzel. 78 Mal traf der HSV ins gegnerische Tor – keine Mannschaft war erfolgreicher.

Doch so ganz vergessen wird man dieses Spiel in Hamburg vermutlich nicht. Denn es war ein Nachmittag, der nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich weh tat – immerhin ließ der HSV durch die Niederlage auch Prämien im sechsstelligen Bereich (de Rede ist von rund zwei Millionen Euro, die man als Meister mehr verdient hätte) liegen, die man im anstehenden Transfersommer gut hätte gebrauchen können.

Insbesondere für die Defensive, die der HSV komplett umbauen muss, wenn er in der ersten Liga bestehen will. Sebastian Schonlau, nach abgesessener Sperre zurück in der Startelf und gemeinsam mit Daniel Elfadli im Abwehrzentrum aufgeboten, hatte große Probleme mit Tempo und Ballkontrolle. Schonlau dürfte trotz seines bis 2027 verlängerten Vertrags heute sein letztes Spiel für den HSV gemacht haben – zu groß sind die Zweifel, ob er in der Bundesliga das nötige Tempo und die Sicherheit mitbringt, um unter permanentem Druck zu bestehen.

Fazit: Die Niederlage in Fürth mag sportlich keine Katastrophe gewesen sein – doch sie war ein notwendiges Warnsignal. Für das Team, für das Trainerteam und vor allem für die sportliche Führung. Denn trotz des berechtigten Stolzes über den Aufstieg wurde in Fürth erneut deutlich: Dieser HSV-Kader braucht dringend personelle Verstärkung – vor allem in der Defensive.

Und um an dieser Stelle sportlich fair und mit Respekt zu bleiben, geht ein ganz herzlicher Glückwunsch an den 1. FC Köln, der sich mit einem überzeugenden 4:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern völlig verdient die Zweitliga-Meisterschaft sicherte. In den entscheidenden Momenten auf den Punkt da zu sein – das zeichnet einen würdigen Meister aus. Glückwunsch an Team, Trainer und Fans!

Aber ein noch tieferer, fast schon bewundernder Glückwunsch geht an die SV Elversberg. Was Trainer Horst Steffenund seine Mannschaft in dieser Saison geleistet haben, ist schlichtweg herausragend. Aus geringen Mitteln wurde das Maximum herausgeholt – mit viel Mut, Herz, Spielwitz und Disziplin. Platz drei, die Relegation gegen Heidenheim und die realistische Chance auf den Aufstieg in die Bundesliga: Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von harter, ehrlicher und kluger Arbeit.

Verdient hätten sie es allemal – und unabhängig vom Ausgang der Relegation darf Elversberg sich schon jetzt als ein echter Gewinner dieser Saison fühlen.

In diesem Sinne, heute freue ich ich nicht. Aber morgen werde ich zusammen mit meinem Zerg und meiner Frau die Stimmung in der Innenstadt aufsaugen und genießen! Wer von Euch ist auch da?
Scholle


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DIE EINZELKRITIKEN: 

Daniel Heuer-Fernandes: Ich will ihm das dritte Gegentor nicht anlasten. Aber im Gegensatz zu den ersten beiden Gegentreffern wirkte es auf mich so, als hätte er da mehr machen können. Insgesamt aber lag es zweifellos nicht an ihm heute. Note: 4

William Mikelbrencis (bis 70.): Unfassbar, wie naiv er sich beim verschuldeten Elfer anstellt. Noch unfassbarer ist für mich, dass sich der HSV ernsthaft mit einer Vertragsverlängerung beschäftigt. Der junge Franzose mag das Herz an der richtigen Stelle haben – fußballerisch reicht das aber hinten und vorne nicht. Ihn in der Ersten Liga als Verstärkung zu sehen, bedarf schon sehr viel Fantasie. Mehr, als ich aufbringen kann auf jeden Fall… Note: 5

Emir Sahiti (ab 71.): Deutete an, dass mit ihm nach vorn mehr hätte gehen können. Aber viel mehr kam dabei auch nicht herum. Note: 4

Sebastian Schonlau: Der Kapitän durfte heute wieder von Beginn an ran. Als Belohnung dafür, dass er sich zuletzt so mannschaftsdienlich verhalten hatte? Er gewann zwar den Großteil seiner Zweikämpfe, aber nicht erst seit heute muss allen Beteiligten klar sein, dass die Zusammenarbeit im Sommer sinnigerweise enden sollte. Schonlau ist und bleibt - bei allen sonstigen Qualitäten - zu langsam. Nicht nur läuferisch, sondern vor allem auch im Passspiel bzw. im Treffen von Entscheidungen mit dem Ball. Er berührt den Ball immer wieder einmal zu viel, anstatt zu passen. Seine interne Bedeutung für den Aufstieg ist unbestritten und wird in unserem Saisonfazit auch noch mal klar benannt. Aber bei aller Sympathie: Die Trennung im Sommer ist meiner Meinung nach alternativlos, wenn man defensiv erstligareif aufgestellt sein will. Note: 4

Daniel Elfadli: Er war wie immer einer der Antreiber von hinten raus. In den Zweikämpfen hart, im Umschalten schnell – einfach gut. Wie zuletzt (fast) immer. Seinen Status als Top-Transfer teilt er sich zwar mit Davie Selke – aber er darf mit seiner Saison mehr als zufrieden sein. Note: 3,5

Miro Muheim: Nicht so schwungvoll nach vorn, wie man es von ihm kennt. In der zweiten Hälfte etwas besser, aber das war keines seiner guten Spiele. Note: 4

Jonas Meffert (bis 82): Er verwaltete seine Position heute, ohne sie ausreichend auszufüllen. Note: 5

Alexander Rössing-Lelesit (ab 82.): Es wäre abseits gewesen, aber mit seiner ersten Aktion haute er übel am Ball vorbei, dann sprang er an einer Flanke vorbei. Ihn in diesem Spiel zu bringen war ein Geschenk an den Youngster. Aber es verdeutlichte auf der anderen Seite noch einmal, dass Polzin wider eigene Ansage heute nicht nach Leistungsprinzip aufgestellt hat. 

Ludovit Reis: Er wirkte noch etwas müde vom Feiern.  Viel zu lässig in der Ballführung und im Passspiel. Er war zudem immer wieder zu langsam, was mir allerdings auch nicht erst heute aufgefallen ist. So sehr er auch als Antreiber zuletzt funktionierte, ihm fehlt weiterhin Spritzigkeit, die ihn im Zweikampf mal auszeichnete. Bleibt zu hoffen, dass er sich diese im Laufe der Vorbereitung auf die neue Saison zurückholen kann. Note: 4,5

Adam Karabec (bis 70.): Enttäuschender Auftritt. Mal wieder. Seine Verpflichtung über diese Saison käme einem Ausbildungsauftrag gleich. Wer einerseits so viel Talent, andererseits aber immer wieder so viel zu wenig Elan in ein Spiel einbringt – der hat ein grundsätzliches Thema.  Heute nahm er null am Spiel teil. Daher die Note: 6

Marco Richter (ab 71.): Brachte noch mal etwas Schwung rein in seinem Abschiedsspiel. Aber warum er nicht verpflichtet wird, hatte er in den Spielen zuvor gezeigt.

Jean-Luc Dompé: Seine individuelle Qualität lässt den HSV immer wieder jubeln. So auch heute. Er war nach vorn die einzige Gefahrenquelle – bis Selke kam. Note: 3

Fabio Baldé (bis 70.): Er war absolut bemüht, ackerte auch mit nach hinten – aber effektiv nach vorn war er zu wenig. Die Körperlichkeit für mehr bringt er mit – jetzt muss er fußballerisch noch nachziehen. Note: 4

Davie Selke (ab 71.): Erster Ballkontakt – Lattenkreuz. Dann traf er noch in der Nachspielzeit – was zurückgepfiffen wurde. Warum man ihn als Toptorjäger draußen lässt in einem Spiel, das man nach eigener Aussage noch sehr ernst nimmt – es ist einfach nicht nachzuvollziehen, sofern er nicht angeschlagen war. 

Robert Glatzel: So war er noch immer kein Ersatz für Davie Selke. Weshalb er anstelle des Toptorjägers starten durfte, erschloss sich mir ehrlicherweise nicht. Im Nachhinein wissen wir: Es war eine Fehlentscheidung. Selke hätte sicherlich mehr Dampf gemacht. Trotzdem traf Glatzel per Foulelfmeter.

Trainer Merlin Polzin: Seine Umstellungen griffen nicht. Weder zu Beginn des Spiels, noch im Verlauf des Spiels. Die Ansage, das Spiel noch mal mit 100 Prozent anzugehen, konterkarierte er leider schon mit seiner Startelf – später dann mit den Wechseln. So bleibts beim Aufstieg als Vizemeister. Und er wie auch der HSV bleiben weiter ohne Titel. Mich persönlich würde diese Niederlage megamäßig ärgern. Zumal sie ihm als Trainer auch rund zwei Millionen Euro mehr an finanziellen Möglichkeiten für Neuzugänge im Sommer gekostet hat. 

Schiedsrichter Robert Schröder: Selten so eine schwache Schiedsrichterleistung gesehen. Nachdem er in den ersten Minuten potenziell rotwürdige Foulspiele der Fürther nicht mal mit Gelb ahndete, wurde er danach unfassbar kleinlich und verpfiff das gesamte Spiel. Dass er von hier an beide Seiten gleichermaßen verpfiff, machte es daher auch nicht besser.  Stürmerfoul gegen Elfadli in der Nachspielzeit zu pfeifen war albern und der Schlusspunkt von so vielem, was dieser Unparteiische heute verbrach. Note: 6

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

SpVgg Greuther Fürth: Noll - Jung, Quarshie, Itter - Asta (83. Meyerhöfer), Dietz, Consbruch (60. Green), John (76. Gießelmann), Klaus, Hrgota - Futkeu (76. Srbeny)

HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis (70. Richter), Schonlau, Elfadli, Muheim - Meffert (82. Rössing-Lelesiit), Karabec (70. Selke) , Reis - Balde (70. Sahiti), Glatzel, Dompe

Tore: 1:0 Klaus (41.), 1:1 Dompe (50.), 2:1 Klaus (57., FE), 3:1 Klaus (63.), 3:2 Glatzel (67., FE)

Zuschauer: 16.126 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)

Gelbe Karten: John, Klaus, Jung, Gießelmann / Selke

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