Verliert der HSV Alidou schon im Winter?
genug Fragen zu Bakery und Faride gehört. Da brauchen wir auch nicht weiter mehr zu reden“, sagte der Coach heute leicht gereizt und versuchte die Diskussion um den jüngst…

Irgendwann wurde Tim Walter die Fragerei nach den HSV- Spielern Bakery Jatta und Faride Alidou zu viel. „Jetzt haben wir genug Fragen zu Bakery und Faride gehört. Da brauchen wir auch nicht weiter mehr zu reden“, sagte der Coach heute leicht gereizt und versuchte die Diskussion um den jüngst angeklagten Jatta und das begehrte 20 Jahre alte Stürmer-Talent Alidou zu beenden.. Zuvor hatte sich der 46-Jährige in der Online-Pressekonferenz zum Spiel am Sonntag gegen Hansa Rostock vor allem zur Causa Jatta, aber auch zu den Transfergerüchten um Alidou ausführlich äußern müssen - und wurde mit jeder Frage genervter.
Heute erst hatte die BILD berichtet, dass Alidou kurz vor einer Unterschrift bei Eintracht Frankfurt stünde. 70.000 Euro Monatsgehalt (840.000 Euro/Jahr) zuzüglich Prämien sollen im unterschriftsreifen Vertrag verankert sein. Eine Summe, die knapp dem Dreifachen seines möglichen Hamburger Salärs entsprechen würde. Denn hier hat man sich zwar maximal gestreckt. Mehr als 350.000 Euro konnte man (und wollte man) ihm von Seiten des HSV nicht bieten. Man hat sich gestreckt – aber es scheint nahezu aussichtslos zu sein.
Denn Alidou hat nach seinen starken Auftritten in diesem Jahr das Interesse von einigen Bundesligisten auch neben Eintracht Frankfurt geweckt. Er könne nicht sagen, „was in der Zukunft liegt“, meinte Walter, der einen Freud’schen Versprecher hatte, als er sagte, dass Alidou „dann zehr Jahre lang beim HSV war“, als er angesprochen wurde auf die Stimmung seitens der Fans gegenüber Alidou. Der Versuch, sich mit „er ist jetzt da, und er spielt“, noch aus der Misere zu retten, misslang. Aber ganz ehrlich: Walter hat hier auch nichts verraten, was nicht eh schon den allermeisten bekannt ist. Denn dass Alidou gehen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Leider.
Im Winter könnte der HSV noch Geld für Alidou kassieren
Allein, wann er geht, scheint noch ein diskutables Thema zu sein. Und so wenig Bock Walter auch auf Fragen nach Alidou hatte, auch er wird sich mit dem Gedanken auseinandersetzen müssen, sein Toptalent vielleicht schon im Winter abzugeben. Denn nur so könnte der HSV noch Geld für den Wechsel einstreichen. Und der eine oder andere Bundesligist, der sich im Rennen um Alidou für den Sommer hintendran wähnt, könnte vielleicht mit der sofortigen, ablösepflichtigen Verpflichtung Alidous anfreunden. Den Versuch seitens des HSV wäre diese Lösung allemal wert.
Und ich bin mir sicher, dass eine solche Lösung bei den HSV-Verantwortlichen auf sehr fruchtbaren Boden stieße. Immerhin wetzen schon jetzt viele Kritiker der aktuellen Führung ihre Messer, um Vorstand Jonas Boldt, Sportdirektor Mutzel und Nachwuchschef Horst Hrubesch den dilettantischen Umgang mit Alidou vorzuhalten. Ein paar Euro im Wnter noch würden den Verlust, den die aktuelle HSV-Führung hier zu verantworten hat, minimieren. Wobei ich an dieser Stelle unbedingt noch einmal betonen will, dass es Mutzel war, der Alidou immer wieder bei den Trainer Hannes Wolf, Dieter Hecking und auch bei Daniel Thioune ins Gespräch brachte – aber einfach nicht durchdrang.
So sehr es mich auch schmerzt, in diesem Fall kann man auch einen so honorigen Mann wie Horst Hrubesch nicht gänzlich außen vorlassen. Er war es, der Alidou als Nachwuchsleiter noch im Sommer nicht als das erkannte, was der 20-Jährige jetzt beweist, zu sein. Und da ich weiß, dass Alidou in Hamburg auch nach einigen disziplinarischen Verfehlungen in den letzten Jahren immer wieder gehalten wurde, während weniger talentierte Spieler für identische Vergehen gehen mussten, kann ich diesem Versäumnis überhaupt gar keine Logik abgewinnen. Denn wenn ich einen jungen Spieler wider eigene Richtlinien und Widerstände halte, weil ich mit ihm irgendwann in der Profimannschaft für Furore sorgen will, dann blockiere ich doch nicht ausgerechnet den Übergang vom U19- bzw. U21-Spieler zu den Profis. Oder? Im Gegenteil: Dann sorge ich doch dafür, dass der Spieler zwingend bei den Profis vorspielen und sich beweisen kann. Auch deshalb kann ich Hrubeschs Verhalten in dieser Sache nicht verstehen. Ebenso wenig wie das der Verantwortlichen, denen Alidou im Sommer proaktiv eine Vertragsverlängerung angeboten hatte.
Hansa Rostock erwartet einen starken Jatta auf dem Platz
Doch noch mehr interessierte der Fall Jatta. Seit der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft am Montag vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Altona ist der Stürmer wieder zum Top-Thema beim hanseatischen Traditionsclub geworden. Walter setzt trotz des Wirbels auf den Stürmer. Auch im ersten Spiel nach der Anklageerhebung werde er auf den Angreifer nicht verzichten. „Baka ist gesund. Darum kann ich ihn spielen lassen“, meinte er. Erneut betonte der Coach, „dass Baka einer von uns ist. Deswegen beeinflusst uns das gar nicht in unserer täglichen Arbeit“.
Zuvor hatte auch schon Kapitän Sebastian Schonlau die Haltung der Mannschaft zu Jatta verdeutlicht: „Für uns ist die Sache klar. Baka gehört zu uns und wir stehen voll und ganz hinter ihm“, hatte der Abwehrchef im Interview mit der „Bild“ (Freitag) gesagt. Er habe großen Respekt davor, „wie er das alles wegsteckt. Man merkt es ihm nicht wirklich an“, meinte er über seinen Teamkollegen. Dass im Fall einer Verurteilung der Einsatz von Jatta möglicherweise nachträglich sportrechtliche Konsequenzen hat, glaubt Trainer Walter nicht. „Fußball findet immer noch auf dem Rasen statt. Da gibt es keinen Vorteil, ob der eine Spieler das oder das macht hat“, sagte er. „Ich glaube, dass sportliche Duelle auf dem Rasen entschieden werden, er eine Spielberechtigung hat, und deswegen glaube ich nicht, dass man das irgendwo anders austragen sollte.“
Auch Hansa-Trainer Jens Härtel geht davon aus, dass sich der HSV von der Unruhe um Jatta nicht besonders beeindrucken lässt. „Ich glaube - was ich so höre -, ist das derzeit nicht das ganz große Thema in der Mannschaft“, sagte er in Rostock. Härtel geht daher auch von Jattas Einsatz aus. Für Hansa wäre es aber sicher „kein Schaden, wenn er nicht spielen würde“.
Angesichts der Personalien Jatta und Alidou wurde heute beinahe vergessen, dass es zum Hinrunden-Abschluss auch sportlich für beide Clubs um einiges geht. Nach der Niederlage bei Hannover 96 müssen die Hamburger aufpassen, den Anschluss an die Aufstiegsplätze zu halten. Die Rostocker wollen im ersten Pflichtspiel der beiden Vereine seit 13 Jahren, den Abstand zur Abstiegszone zu vergrößern. „Es wird uns ein schwieriges Spiel erwarten“, meinte Härtel. „Aber die Saison hat gezeigt, dass auch in Hamburg was drin ist.“ Deswegen würden die Rostocker dort nicht hinfahren, um Punkte abzugeben, „sondern wir wollen den 20. Punkt holen, vielleicht auch zwei mehr“.
Walter kritisiert VAR und plädiert für Nachbesserungen
Viele Zuschauer wird das Nordduell wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht erleben. 15.000 Fans sind im Volksparkstadion zugelassen. Ebenso wie im letzten Saisonspiel am 18.12. gegen den FC Schalke. Und es bleibt nur zu hoffen, dass sich neben den vier Schiedsrichtern im Stadion auch die Partykids im Kölner Keller dann mehr um die Analyse strittiger, knapper Szenen kümmern als zuletzt beim HSV. Selbst Walter, der sich mit Schiedsrichterschelten zuletzt bewusst zurückgehalten hatte, sieht beim DFB in Sachen VAR Nachbesserungspotenzial. Den schon häufiger gemachten Vorschlag einer Challenge für Trainer, die damit während des Spiels eine begrenzte Anzahl strittiger Szenen untersuchen lassen könnten, nahm Walter jedenfalls gern auf: „Der DFB ist gut beraten, die Sachen zu überarbeiten. Eine Challenge wie beim Tennis wäre ein guter Vorschlag. Man sollte offen sein für solche Dinge. Ich kann es nicht beeinflussen, aber in den letzten Wochen, Monaten und Jahren, seit es den VAR gibt, hat man gesehen, dass es immer Verbesserungs-Potenzial gibt.“
Stimmt.
In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich dann noch einmal mit einem letzten Update zum Spiel am Sonntag, wobei eine Personalie schon heute sicher ist: Jonas David wird nicht spielen können. Das bestätigte Walter heute auf der PK.
Bis morgen!
Scholle
P.S.: Und wer erwartet, dass ich auf den vermessenen Post eines Users hier eingehe, der verlangt hatte, dass ich entweder nicht freimache oder zumindest einen Ersatz für mich habe, die muss ich enttäuschen. Der Post ist es eigentlich nicht einmal wert, hier genannt zu werden, so unverschämt ist er.
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