Uwe Seeler: „Ich glaube, ich habe so weit alles richtig gemacht“

von | 05.11.21 | 5 Kommentare

Uwe Seeler ist die Ikone des HSV. Uwe Seeler ist eine der größten Fußball-Legenden. In seiner Karriere spielte der Mittelstürmer nur im Trikot des HSV, für den er allein in der Bundesliga 137 Tore erzielte. In der deutschen Nationalmannschaft traf der spätere DFB-Ehrenspielführer in 72 Länderspielen 54 mal. „Uns Uwe“ ist seit fast 62 Jahren mit Ilka Seeler verheiratet und lebt in Norderstedt vor den Toren Hamburgs. Ein toller Mensch, zu dessen 85. Geburtstag wir an dieser Stelle noch einmal allerherzlichst gratulieren. Ein Interview von Frank Koitzsch und Thomas Prüfer: 

Frage: Herr Seeler, wie geht es Ihnen? 

Seeler: Es könnte besser sein. Aber ich bin zufrieden. Die Ärzte haben mir einen Vortrag gehalten. Und sie haben ja recht: Ich bin natürlich verwöhnt, weil ich früher immer schnell wieder gesund und fit war, aber im 85. Lebensjahr, da dauert das alles länger, da tut man sich schon schwerer. Aber das habe ich akzeptiert. Derzeit bin ich noch etwas schwach auf den Beinen. Das kenne ich von mir gar nicht. Aber ich sage immer: Altwerden ist nichts für Feiglinge.

Frage: Wenn man über die Gesundheit spricht, ist auch Corona ein Thema. War die Corona-Zeit für Sie sehr schwierig?

Seeler: Ja, natürlich! Wir haben ja völlig abstinent gelebt, hatten kaum Besuch. Die Zeit war schon sehr lang, in der wir praktisch im Haus-Gefängnis gelebt haben. Jetzt gehen wir schon mal wieder essen mit Freunden, aber auch das noch nicht lange. Wir selbst können ja eigentlich nicht klagen: Wir haben ein recht großes Haus, können im Garten spazieren gehen, aber sonst ist es schon eine ganz schöne Zumutung, zum Beispiel für Leute mit kleinen Wohnungen. 

Frage: Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Würden Sie alles noch einmal genauso machen? 

Seeler: Im Grunde würde ich sagen: Ich glaube, ich habe so weit alles richtig gemacht. Ich bin zufrieden und meine Familie ist es auch. Wir können mit dem zufrieden sein, was wir geschaffen haben.

Frage: Die meisten Menschen wissen, wer Sie sind, was Sie geleistet haben. Sie sind nie abgehoben. Viele Leute sagen: Uwe ist einer von uns. Haben sie recht?

Seeler: Das Schönste auf der Welt ist doch, normal zu sein. So habe ich das immer aufgefasst. Es ist für mich normal, geerdet zu sein. Außerdem komme ich aus einem Elternhaus, das dafür gesorgt hat. Vaddern hat schon aufgepasst, dass ich normal bleibe. Und ich habe das dann auch gemacht. Ich kann gar nicht verrücktspielen. Ich kann sagen: Ich bin stinknormal, und das gefällt mir.

Frage: Ihr Verein ist und bleibt der HSV. Der ist 2018 abgestiegen. Wie sehen Sie die Entwicklung nach drei verpassten Aufstiegen? 

Seeler: In den ersten Jahren nach dem Abstieg ist einiges schiefgelaufen. Aber ich sehe das auch jetzt noch kritisch. Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass es in dieser Saison klappen wird. Ich lasse mich aber gerne überraschen, weil ich mir den Aufstieg wünsche. Aber das mit den Überraschungen ist so eine Sache, das dauert immer seine Zeit. Irgendwann werden sie es aber schaffen müssen, weil ich glaube, dass es sonst immer schwerer wird.

Frage: Werden Sie wieder ins Hamburger Volksparkstadion gehen? 

Seeler: Natürlich. Wenn ich wieder einigermaßen fit bin, dann gehe ich auch sofort wieder ins Stadion. Das ist klar. Im Moment bin ich aber noch nicht wieder in der Verfassung, dahin zu gehen. 

Frage: Was sagen Sie zum FC St. Pauli? Ist der seit Wochen auf einem Aufstiegsplatz stehende Kiezclub jetzt die Nummer eins der Stadt? 

Seeler: Noch sind sie nicht aufgestiegen, das ist auch noch ein langer Weg. Aber wenn sie aufsteigen, dann sage ich: Warum nicht? Wenn sie wie zuletzt die Spiele gewinnen, dann haben sie es verdient. Und der HSV muss sehen, dass er in die Socken kommt. Und ja, die Ergebnisse zeigen es ja, momentan ist der FC St. Pauli vor dem HSV. 

Frage: Wie beurteilen Sie die deutsche Nationalmannschaft mit Hansi Flick als Nachfolger von Joachim Löw? Neuer Trainer, neuer Schwung?

Seeler: Der Start war gut, aber man muss abwarten. Hansi Flick baut ja gerade erst eine neue Mannschaft auf, und dafür muss man ihm Zeit geben. Dann muss sich zeigen, welche Erfolge er erzielt. Er war ja selbst ein guter Spieler, und ich glaube schon, dass er weiß, was gut und was schlecht ist. Ich wünsche ihm viel Glück bei seiner Arbeit.

Frage: Wenn Sie die Zeiten vergleichen: Wären Sie lieber heute Fußballprofi, wo man ganz andere Summen als früher verdienen kann?

Seeler: Die verdienen zwar alle mehr Geld, aber ich weiß gar nicht, ob die heutige Zeit wirklich die bessere ist. Vieles hat sich verändert: Früher hatte die Familie ein Auto, heute hat in einer fünfköpfigen Familie jeder eins. Zum Fußball: Ich will die Summen, die heute gezahlt werden, gar nicht kritisieren. Aber die Profis dürfen es nicht übertreiben, das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. Tut es aber nicht immer, wenn man manche Ablösesumme hört. Und ich fürchte deshalb, das kann so nicht lange gut gehen.

Frage: Ein aktueller Top-Profi ist Joshua Kimmich. Was halten Sie von seiner Einstellung zur Corona-Impfung? 

Seeler: Kimmich ist ein toller Spieler und ein kluger Kopf. Aber seine Einstellung zur Impfung finde ich sehr seltsam. Er muss doch auch an die anderen denken, die er anstecken kann. Wenn sich alle Spieler impfen lassen, dann sollten es auch wirklich alle tun. Und zwei Pikse wird er gerade noch vertragen. Meine Meinung ist klar: Wenn die Impfung das einzige ist, was in der Pandemie hilft, dann sollte man es auch tun.

Frage: Sie sind mehr als 60 Jahre mit Ihrer Frau Ilka verheiratet. Hat es in all den Jahren auch mal eine Krise gegeben? 

Seeler: Es sind bald 62 Jahre, eine schöne Zeit. Und ich glaube, wir haben uns nur einmal richtig gestritten. Aber ich war ja auch nicht so oft zuhause, viel unterwegs. Zum Fußball kam ja noch der Beruf – da ging viel Zeit drauf. Ich bin ja im Jahr rund 70 000 bis 80 000 Kilometer gefahren mit dem Auto.

Uwe Seeler mit seiner tollen Ehefrau Ilka (hier bei der Feier seines 80. Geburtstages am 05.11.2016)

Frage: Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?

Seeler: Wir feiern im kleinen Kreis, nur mit der Familie. Bei uns zuhause. Von morgens um 10.30 Uhr bis die Schwiegersöhne dun sind und nach Hause müssen. Aber im Ernst: Wir bleiben daheim, es gibt Roulade und Rotkohl. Und dazu Wein und Bier. Beides, nicht nur eins! Aber um die Getränke brauchen wir uns nicht zu kümmern, das machen die Schwiegersöhne, es ist alles bestellt und organisiert.

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei wie zuletzt auch 24/7 auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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Bergischeraute
22 Tage zuvor

Die meisten die in den 70er Uwe hießen…Haben das uns Uwe zu verdanken…Bin aussem Sauerland und inne Verwandtschaft wurden der Name gewählt,obwohl sie keiner hsver waren.

Buffy
22 Tage zuvor

Prost Uwe! Auf dein Wohl!

Aleksandar
22 Tage zuvor

Ein schönes Interview!

Habe ich heute Morgen schon in der FAZ.NET lesen dürfen.

Kann man auch gerne zweimal lesen.

Last edited 22 Tage zuvor by Aleksandar
IvanAusKass
22 Tage zuvor

Einzigartiger Mensch dieser Uwe, herzlichen Glückwunsch, viel Gesundheit und alles Gute!!