Unter Walter wird es beim HSV nie langweilig

von | 27.07.21 | 109 Kommentare

Fußball ist kein allzu kompliziertes Spiel. Es sei denn, man versucht, es zusätzlich kompliziert zu machen. So, wie HSV-Trainer Tim Walter, der damit versucht, bei den Gegnern Chaos zu entfachen. „Am ersten Tag habe ich mich noch gefragt, wie das alles funktionieren soll“, hatte Moritz Heyer zu Beginn der Vorbereitung in einem Interview mit der eigenen Presseabteilung über das System Walters gesagt und hinzugefügt: „Im Endeffekt ist es dann aber doch recht simpel. Man spielt den Ball und macht sich danach wieder anspielbar. Bis dato komme ich damit sehr gut klar, zumal mir in diesem Fall entgegenkommt, dass ich viele Positionen spielen kann.“ Gegen Schalke traf er so sogar – aber darum geht es mir nicht.

Mir geht es vielmehr darum, zu erkennen, ob Walters System zu wild ist, oder ob es so ist, wie Ralf Becker es dem Abendblatt-Kollegen gerade sagte. „Tims Fußball sieht vielleicht wild aus, aber er ist nicht beliebig. Dahinter steckt ja eine Systematik. Ich weiß nicht, ob es im Fußball noch einen Trainer gibt, der das so konsequent spielen lässt wie der Tim“, so der Sportgeschäftsführer von Dynamo Dresden. Der ehemalige HSV-Sportvorstand (2018 bis 2019) hatte Walter einst als Coach zu Holstein Kiel geholt. „Tim Walter ist unberechenbar. Er ist ein sehr guter Trainer mit einer klaren Idee.“ Und wenn Becker, den ich für einen herausragenden Fachmann halte, das sagt, dann maße ich mir nicht an, dem zu widersprechen.

Das System Walter: Organisiertes Chaos?

Zumal mich eine Sache bei Walter bislang begeistert: Er redet nicht nur davon, sondern er arbeitete und arbeitet weiter sehr hart mit seinen Spielern. Heute ließ er nach zwei freien Tagen im Anschluss an das intensive Training auf dem Platz noch einen Kraftzirkel trainieren. Hart für die Spieler – aber auf dem Platz notwendig, um in der entscheidenden Phase mehr Körner zu haben als der jeweilige Gegner. Walter setzt insgesamt auf praxisnahes Training. Er lässt sehr viel Eins-gegen-eins trainieren. Und damit die Mannschaft seine mutigen Abläufe verinnerlicht, lässt der Coach in intensiven Spiel- und Wettkampfformen arbeiten und fordert dabei mutige Entscheidungen seiner Spieler lautstark ein. Oder anders formuliert: Man sieht im Training, was Walter will.

Vor allem sieht man im Spiel, was Walter trainieren lässt. Auf Schalke führte das Risiko zum frühen 0:1. Aber es führte eben auch dazu, dass die Mannschaft nicht in sich zusammenbrach wie in den letzten Jahren immer wieder. Vielmehr stand der HSV sofort wieder auf und drückte Schalke in die eigene Hälfte. Ein Ballbesitz von 73:27 Prozent sagt hierzu eine Menge aus. Ebenso wie die Phase nach dem Ausgleichstreffer von Robert Glatzel. Denn hier hatte der HSV das Visier sehr weit offen. Nach vorn führte das letztlich zu zwei Treffer und damit zum verdienten Sieg – allerdings hätte man vorher auch schon  zwei oder mehr Gegentore kriegen können. Und genau DAS ist das Riskante im System Walter: Er will immer nach vorn spielen und das Spiel bestimmen. Aktion steht bei dem HSV-Trainer weit vor Reaktion. Im Grunde ist er so etwas wie das Gegenstück zu Dimitrios Grammozis…

Walter lässt die Spieler im Training leiden

Ob das am Ende reicht, um aufzusteigen – ich mag es nicht vorhersagen. Aber ich bin mir sicher, dass die Mannschaft am Saisonende zu den fittesten HSV-Teams der letzten Jahre gehören wird – weil eine Mannschaft im Walter-System immer mehr laufen können muss als der Gegner. Auch das lässt Walter trainieren. Auf Schalke waren es am Ende rund 117 Kilometer auf HSV-Seite – 115 Kilometer auf Schalker Seite. Und das, obwohl man selbst dreimal so oft/lange den Ball in den eigenen Reihen hatte. Eine durchaus bemerkenswerte Statistik. Und ein ebenso unerwartetes wie aus HSV-Sicht erfreuliches Ergebnis. Passend dazu: Die heutige Trainingseinheit betitelten die BILD-Kollegen vor Ort als „Quäl-Einheit“ – was mich sehr freut. Denn mehr laufen zu können, höher springen und härter in die Zweikämpfe gehen zu können als der Gegner – das wird nie falsch sein. So einfach ist der Fußball dann eben doch wieder. Auch für Walter.

Alles andere als einfach wird es gegen Dynamo Dresden am Sonntag. In dem Spiel gegen den Aufsteiger wird es spannend zu sehen sein, wie der HSV gegen tieferstehende Teams agiert. Insgesamt wird es spannend werden, inwieweit sich Walters System auf verschiedene Gegner anwenden lässt. Vor allem, nachdem es am vergangenen Freitag schon das erste Mal so gut funktioniert hat. Und eines ist nahezu sicher: Langweilig wird es unter Walter nicht…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann wieder um 7.30 Uhr. Mit dem MorningCall sowie mit dem tagesaktuellen Blog und dem Communitytalk am Abend.

Bis dahin!

Scholle 

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei wie zuletzt auch 24/7 auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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109 Kommentare
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Tatortreiniger
1 Monat zuvor

Ich denke, alle haben bislang aus Respekt vor dem erfolgreichen Saisonstart geschwiegen, aber kommen wir doch mal zu dem wirklichen Aufreger des Schalke-Spiels:

Als tatsächlich mehrfach Leibold und Reis an der Eckfahne wie in düsteren Vorzeiten Kittel/Hunt ein langes Palaver hielten, bis dann endlich einer von ihnen eine saumäßige Ecke trat, während der andere zur Absicherung des möglichen Konters hinten fehlte…da fiel mir glatt vor Schreck die Bratwurst aus dem Gesicht!

Eine kurze Ecke kann man mal schnell ausführen, falls 2 eigene Spieler in der Nähe der Fahne stehen, wenn der Ball ins Toraus geht. Es gibt auch einige gute Finten, bei der ein Spieler aus dem Strafraum oder dem Rückraum dem ausführenden Spieler entgegenstartet.

Aber sich da zum langatmigen Palaver zu treffen, um dann festzustellen, dass einem JEDESMAL ohnehin nichts trickreiches einfällt, das ist völlig Banane. Da soll sich lieber der Schütze ganz auf die Ausführung konzentrieren!

Flotti McFlott
1 Monat zuvor

Danke an die Admins, dass der Dreck über Dresden schnell gelöscht wurde.👍

Ich hoffe einfach, dass es unserem Team gelingt, den Aufsteiger mit sportlichen Mitteln zu schlagen, bleibe aber ob Walters Harakiri-Taka Taktik verhalten pessimistisch.☝🏼

Last edited 1 Monat zuvor by Flotti McFlott
Polkateddy
1 Monat zuvor

Nochmal: Falls Tim Walter scheitern wird, was sicherlich nicht ganz überraschend käme, dann haben wir wenigstens einen erfrischenden Fussball ansehen können. Zu Null ist nicht das Ziel, sondern so viele Treffer zu erzielen, dass das Spiel eh gewonnen wird. I like! Ich finde nämlich, egal welche Herangehensweise man wählt, man muss es durchziehen. Und auch dafür nochmal: Höchsten Respekt, Herr Walter. Diese Eier hätte hier keiner der, ach so selbstgelobten Kommentatoren, mich eingeschlossen. 👍👍

Alex
1 Monat zuvor

Die Spieler leiden nicht, sondern sie trainieren. Das heißt, sie gehen ihrem Beruf nach. ENDE

Uwe Öztunali
1 Monat zuvor

Überm Kommentarbereich lese ich zur Sekunde „38 Kommentare“. Man zählt de facto 8 Hauptkommentare mit folgenden Anzahlen an Unterkommentaren: 1, 0, 2, 3, 0, 11, 0, 4. Diese zu den 8 Hauptkommentaren hinzuaddiert kommst du also auf satte 29. Klafft mithin ein Delta von 9. Kann der Admin Erläuterungen zur Arithmetik preisgeben`? Ich frage für einen Freund. (Ein Freund, mit dem diese numerische Kluft gerade etwas macht). Dazke

Christian König
1 Monat zuvor

Wann wird es zwischendurch von der u21 Berichte geben?
Die hatten 3 Testspiele. Wenigstens einmal die Woche wäre schön.

Last edited 1 Monat zuvor by Christian König
Bubu
1 Monat zuvor

Goooood mooooorniiing @ all,

danke für den Blog Scholle! „Fußball ist kein allzu kompliziertes Spiel!“ ….wenn man ein System hat…oder auch mal keins? 😉

Vielleicht hätte man schon in früheren Spielzeiten einfach mal beim Gegner Chaos entfachen sollen? Einfach einmal wilde Wuz spielen und den Gegner durch eigene Rotation auf den Positionen ins Rotieren bringen?

Über das Schalke Spiel wurde ja nun schon sooooo viel geschrieben, gefachsimpelt, geurteilt, man versucht aus diesem EINEM Spiel schon die gesamte Saison wie aus einer Kristallkugel herauszulesen… na denn! EIN Spiel ist überhaupt noch kein Gradmesser – oder?

Hexilein lag meiner Meinung nach gestern vollkommen richtig;
„Ob nun alles durcheinander lief ist egal. Lieber so gewinnen als geordnet verlieren.“

Sollte nun ein „organisiertes“ Chaos am Ende zum Erfolg führen, alles gut. Sollte man aber so diese hochgepreisten „Kampfmannschaften“ einer „umkämpften“ Liga so in den Griff bekommen, prima! Dann immer weiter …..!

Sollte der HSV nun ENDLICH einmal einen Trainer gefunden haben, der es versteht die Mannschaft aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, dann nur zu, auch wenn er Medizinbälle zur Hilfe nehmen muss und die Spieler die Anden hochscheucht… wunderbar!

Praxisnahes Training – Eins gegen Eins – sich überall reinhauen, immer im Wettkampfmodus jenseits der Müsli – Schüssel, oder dem Palmenwedel der Wohlfühloase…. Jedem Kampfschwein geht doch das Herzl dabei auf! 😉

Verwirrung beim Gegner stiften, ständige raffinierte Positionswechsel, Rückennummern- oder Trikottausch hinter der Eckfahne, Maulwurftaktik, auch mal den Gegner über- oder unterlaufen…darauf aus sein, den Fehler des Mitspielers korrigieren zu dürfen, ständiger Tordurscht, Fehler des Gegners knallhart bestraften… nicht lange schnacken….

Das die Spieler im Training „leiden“ dürfen, tja….. ohne Fleiß keinen Preis?! Wenn das Ganze dann irgendwann einmal doch noch vom Fremdwort Erfolg gekrönt werden könnte, dann darf es sehr sehr gerne die ein oder andere „Quäl – ix – Einheit“ mehr sein, oder?! Dann reicht es vielleicht auch mal bis zum Saisonende mit dem „Körnerhaushalt“??

Man wird sehen, Geduld ist gefragt… und …Zeit…. In Hamburg….Uiuiuiuiui…. 😉

Dresden wird jedenfalls doch ein klein wenig anders, aber mit dem richtigen Maß an Chaos…. Dürfte man selbst diese verwirren können, oder man zeigt einfach mal gleich von Anfang an, wer Herr im eigenen Stadion ist….. ich mein ja nur…

Bleibt alle gesund…..!!

Last edited 1 Monat zuvor by Bubu
tobyseal
1 Monat zuvor

Das Wichtigste am Walter-Ball ist die Konterabsicherung…die muß funktionieren…sonst bringt der dominante Ballbesitzfußball überhaupt nichts…Dresden wird gnadenlos auf Konter setzen und auf seine Umschaltmomente warten…und sie haben schnellere Stürmer als die Altherrentruppe aus dem Pott…das ist schonmal ein Vorteil…sollte man die nicht in den Griff bekommen, gibt’s ne Klatsche…

Meaty
1 Monat zuvor

Ist es denn im Profifußball so ungewöhnlich, dass dort im Training hart gearbeitet wird?
Letzte Saison fehlten die Körner zum Saisonende, die jetzt im Training erarbeitet werden!
Ist schon komisch, dass diese Dinge in Hamburg immer zum Thema werden!
Ob dadurch aber auch die Standards besser werden oder einige technikferne Spieler den Ball besser stoppen werden …?

FRANZ HOELSCHER
1 Monat zuvor

Mal sehen wie lange diese Trainereuphorie anhält…. 2 verlorene Spiele… 3… max 4!
Fast jeder der letzten 15 (+?)Trainer hat zu Anfang „gut vorgelegt“… und dann… wir kennen die Geschichte.

FRANZ HOELSCHER
1 Monat zuvor

„Aber ich bin mir sicher, dass die Mannschaft am Saisonende zu den fittesten HSV-Teams der letzten Jahre gehören wird “ : das setzt voraus das Walter die ganze Saison da ist?? !!!

Schluder82
1 Monat zuvor

Das System ist im Endeffekt nicht so wichtig wenn der Rest stimmt. Für mich ist das Aue Spiel aus der Rückrunde der Maßstab. Aue hat eine Manndeckung über den ganzen Platz gespielt. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir gefühlt keinen Zweikampf gewonnen. Aue hat uns damit ganz schnell den Schneid abgekauft. Das war nicht sonderlich kreativ dennoch Effektiv.

Hypothese: wenn wir jeden Zweikampf gewinnen, gewinnen wir das Spiel egal in welchen System.

Auch das ist eine Botschaft die TW immer wieder äußert. Hart arbeiten. Findet jeder Fan erstmal gut, ist auch nichts dran aus zu setzen. Und da fallen mir ganz wenige Trainer ein, die es schaffen die Spannung über einen langen Zeitraum hoch zu halten. Wer folgt den Kampfesbotschaften noch wenn der Erfolg ausbleibt ? Und wer duckt sich weg? Da bin bei TW echt gespannt.

Das System wird seinen Zauber den es in Teilen beinhalten noch verlieren. Die Gegner stellen sich darauf ein unsere Spieler besser zu übergeben und die gefährlichen Räume dich zu machen oder gehen halt wie Aue in eine Manndeckung über den ganzen Platz mit. Das System wird vielleicht sogar in Teilen gespiegelt.

Wichtig ist das TW es schafft, das die Jungs giftig und Leistungsbereit bleiben. Das sah schon mal für ein Spiel gut aus. Mehr auch noch nicht.

Wenn wir am Ende damit erfolgreich sind, kann meinetwegen TW für das System gefeiert werden.

Paulinho
1 Monat zuvor

Hab schon vor Wochen hier geschrieben, dass mich als erstes etwas wie Optimismus erfasst, dass dieser Trainer jetzt den HSV führt.

Patrick Volz
1 Monat zuvor

Merci Scholle für den Beitrag. Auswrtscouch war auch mal wieder schön zu sehen. Wie ihr da zum Teil so ruhig bleiben konntet is mir allerdings ein Rätsel, ich bin zum Teil im Viereck gesprungen, mal vor Freude, mal wegen Unmut…

Chaos… Das Wort hatte ich vor einiger Zeit schon im Kopf in Bezug auf die Taktik. Dabei nicht nur im negativen Sinne, sondern vielmehr aufgrund von Überlegungen im Bezug auf letztes Jahr. Viel Ballbesitz und ein meist sehr statisches Spiel mit nicht allzuvielen Überraschungen waren letztes Jahr auf der Tagesordnung. Mit Terodde hatten wir aber zum Glück einen der keine Überraschung braucht sondern einfach den Ball im 16er. Meiner Meinung nach haben wir die Saison letztes Jahr in der defensive vergeigt.
Und damit der Übergang zur neuen Saison und Walters offensiver Spielidee und viel Chaos. Prinzipiell mag wohl jeder den offensiven Ansatz und schaut dies gerne, so wie auch ich. Mit den Kenntnissen über letzte Saison und den Aussagen von Mut, Mut, Mut und dem ersten Saisonspielen macht mir das allerdings etwas Kopfzerbrechen. Es wird nichts schwarzgemalt, 3 Punkte am Freitagabend gegen Schalke? Wunderbar, nehm ich. Allerdings ist die Grenze zwischen Mut und Naivität in meinen Augen bei Herr Walter noch in fliessendem Übergang. Wer bspw. in der 8 Minute in einem Auswärtsspiel auf Schalke, nach dessen desaströser letzter Saison, so ausgekontert wird wie es am Freitag der Fall war, ist für mich mehr naiv als mutig.
Dennoch gefällt mir die Idee des Chaos erzeugens taktisch gut, aber muss es unbedingt beim IV beginnen? Reicht es nicht wenn ab dem 6er die Positionen vermehrt rotieren, die Seiten gewechselt werden, der 10er auf aussen rotiert und unser Sonny mal in die Mitte wo er sich eben auch wohlfühlt, unser neuer selbst ernannter Box-to-Box Spieler sich diese Eigenschaften aneignen darf und auch mal vorne auftaucht? Ich meine das ist ja nichts Neues?

Wann wird das meiste Chaos in einem Fussballspiel erzeugt, meist wenn die sich im Ballbesitz befindliche Mannschaft, diesen überraschend in der Vorwärtsbewegung den Ball verliert und im Anschluss ausgekontert wird. Dies war lange der Spielstil von sowohl grossen Mannschaften wie Chelsea, Athletico etc. aber auch von kleineren, sich unterlegenen Mannschaften wie gegen uns im letzten Jahr. Und genau so, wurde mit minimalem Einsatz, grösstmögliches Chaos angerichtet.
Das man nun mit einem Konzept daherkommt bei dem genau dieser Chaosfaktor auch in eigenem Ballbesitz angestrebt wird finde ich gut, sehr gut, so bespielt man vielleicht auch besser kleinere Mannschaften, wir werden es bald sehen. Aber das es unbedingt der IV sein muss der da vorne agiert ist mir in der Risiko/Chance-Bewertung noch nicht ganz schlüssig und ich sehe die Gefahr, dass konternde Mannschaften dadurch noch einfacher zu einer möglichen 1:0 Führung gelangen als grösser an, als die Chance eines dreifachen Übersteigers mit anschliessender passgenauer Flanke unseres IV.

Ich lasse mich sehr gerne eines besseren belehren aber aktuell hoffe ich noch darauf, dass sich neben den flexiblen Positionen auch noch flexible Gesamttaktiken entwickeln ausser dem gnadenlosen offensiven rotieren und das auch eine gewisse Balance im HSV Spiel stattfindet. Denn die 8 Minute auf Schalke war nicht mutig sondern in meinen Augen naiv. Seine Einwechslungen hingegen durchaus mutig. Die Balance eben wenn man so will.
Insgesamt finde ich jedoch auch wie viele Vorredner, dass Herr Walter ein gegen meine Erwartungen, sehr positiven Eindruck macht, mit dem was er sagt, wie er sich gibt, wie er die Spieler an- und rannimmt. Ein Trainer muss nicht der beste Freund eines jeden Spielers sein, er ist derjenige auf den Spieler sauer sein dürfen wenn es zum Abschluss noch ein Zirkeltraining gab. Er muss nicht derjenige sein der auf jedem Geburtstag eingeladen ist, sondern der der sagt was Sache ist und der die Entscheidungen trifft. Und dennoch wirkt er eben nicht komplett unsympathisch, eher mit einer gesunden Distanz zu den Spielern, dem gesunden Respekt Abstand vielleicht.

Wir werden sehen, auf jeden Fall hab ich Lust darauf zu sehen wie die Saison verläuft. So oder so, ich bin froh wenn wirklich mal junge zum Zuge kommen, wenn sich Marktwerte steigern und nicht halbieren und dann dürfte von mir aus sogar noch einmal der Platz 4 dabei sein, wenn die Gesamtentwicklung dafür positiv ist.

In diesem Sinne, nur der HSV

Last edited 1 Monat zuvor by Patrick Volz
udoseeler
1 Monat zuvor

Scholle, Fußball ist ein sehr komplexes Spiel. Frag mal deinen Taktikguru 08/15 Escher. Wie man es halt braucht. Und schon wieder bist du himmelhoch jauchzend unterwegs. Lass doch mal die Kirche im Dorf und warte ein paar Spiele ab. Und vom Aufstieg würde ich an deiner Stelle, dem doch die gute Entwicklung der Mannschaft ach so geschrieben wichtig ist, erst sprechen, wenn wir eine gefestigte Truppe haben. Deine jeweils zu Saisonbeginn gestartete Rakete muss erst noch richtig zünden. Der Anfang ist gemacht. Mehr aber auch nicht.

Ralf Lübbe
1 Monat zuvor

Gegen Dresden wird es ein ganz anderes Spiel werden. Dresden wird kaum so nach vorne spielen wie Schalke. Dresden wird hinten drin stehen und mit langen Bällen versuchen Nadelstiche zu setzen. Da bin ich gespannt wie unser HSV Lösungen findet.
NUR DER HSV!!!!

Fussballtrainer
1 Monat zuvor

Der nächste Spieltag wird zeigen, was der Sieg auf Schalke letztlich bedeutet, nur eine Eintagsfliege oder tatsächlich eine Steigerung der Mannschaftsleistung insgesamt, auch gegenüber der vorigen Saison.
Man wird dann auch die übrigen Ergebnisse werten können. Derzeit kann man nur feststellen, dass die Jungs besser sind als vergangene Saison, auch wenn noch Nachholbedarf besteht.
Dresden ist m.E. unberechenbar und gefährlich. Es wäre fatal, wenn wir Dresden schwächer einschätzen würden als Schalke.
Die Schalker Mannschaft wird auch erst an diesem Wochenende eine Standortbestimmung vornehmen können.

Michael Kühnke
1 Monat zuvor

Ich sach ma:
„Gegen Dresden wird es ein ganz anderes Spiel werden.“
Hoffentlich habe ich diese Erkenntnis, besser: Phrase, niemandem geklaut.
Andernfalls: Sorry, RALF LÜBBE!