Spielbericht

Onana bringt HSV Millionen - aber jetzt geht's um Heidenheim

Mit einem Ausflug auf die Alster haben sich die Spieler und Trainer auf das Top-Spiel gegen den 1. FC Heidenheim eingestimmt. Mit Stand-up-Paddleboards ging es am Donnerstag…

Onana bringt HSV Millionen - aber jetzt geht's um Heidenheim

Mit einem Ausflug auf die Alster haben sich die Spieler und Trainer auf das Top-Spiel gegen den 1. FC Heidenheim eingestimmt. Mit Stand-up-Paddleboards ging es am Donnerstag durch die Kanäle der Hansestadt. Dass der HSV sowas macht, ist nicht neu. Trainer Tim Walter streut immer mal wieder teambildende Maßnahmen in sein Vorbereitungsprogramm, damit die Mannschaft schneller zu einer Einheit zusammenwächst. Und das ist angesichts der Zwietracht in den Gremien sicher eine angenehme Spiegelung. Zumal nach dem durchwachsenen Saisonstart (ein Sieg und einer Niederlage) mit dem Tabellenzweiten aus Heidenheim ein echtes Kaliber im Volksparkstadion aufschlägt. Rund 50.000 Fans werden erwartet. „Heidenheim hat es über die letzten Jahre bewiesen, dass sie immer wieder oben anklopfen“, lobte Walter die „Superarbeit»“ des nächsten Gegners, bei denen sein Trainerkollege Frank Schmidt seit 15 Jahren als Dauerbrenner im Amt ist. Zum Vergleich: Beim HSV waren im selben Zeitraum 17 Chef- und sechs Interims-Coaches beschäftigt.

Da die Heidenheimer offensiv denken und spielen, dürften sich den Hanseaten anders als gegen defensiv orientierte Gegner Möglichkeiten auftun. „Für uns ist es brutal gefährlich, weil sie sehr intensiv spielen, sehr viel laufen und auf dem ganzen Platz Eins gegen eins verteidigen. Die laufen uns überall hinterher. Das gibt uns aber auch Räume in der Offensive. Genau das wollen wir ausnutzen“, kündigte der HSV-Trainer an. Walter hofft, dass ein Mann wie beispielsweise Sonny Kittel, der beim 2:0-Heimsieg gegen den FCH Mitte Februar beide Treffer erzielte, wieder den Unterschied ausmacht. „Ich hätte nichts dagegen, wenn er erneut doppelt treffen würde“, sagte Walter grinsend, nachdem er Kittel für dessen letzte Spiele noch einmal ausdrücklich gelobt hatte.

Kittel beginnt - kommt Rohr für Benes?

Kittel wird aller Voraussicht nach wieder über die linke Außenbahn kommen, während Laszlo Benes das zentrale Mittelfeld besetzt. Oder etwa nicht? „Wir wollen wieder in den Flow kommen, sind diesbezüglich zuversichtlich und gehen unverdrossen unseren Weg weiter“, sagte der Coach, der bei Benes für Geduld plädierte. Auch deshalb scheint eine erneute Chance für den Zugang sehr wahrscheinlich. Und obwohl ich persönlich Maxi Rohr gern sehen würde, weil er aus meiner Sicht deutlich mehr Zug zum gegnerischen Tor hat, glaube ich auch, dass dieser Walter-Weg, Spielern auch in schwierigen Phasen den Rücken zu stärken, richtig und gut ist.

Gestern ließ der HSV-Coach aber offen, ob erneut Benes oder Maximilian Rohr auf der Achter-Position beginnen wird.  Und ich persönlich sehe in Benes in der aktuellen Verfassung noch keine Verstärkung. Im Gegenteil: Benes ist ein richtig guter Techniker und ein starker Kombinationsspieler. Das schien zuletzt andere dazu zu verführen, das Kombinationsspiel im Mittelfeld so sehr zu übertreiben, dass jeglicher Schwung in der Offensive verpufft. Das muss sich zwingend ändern, wenn Benes beim HSV zum positiven Faktor werden will. Denn Fakt ist, dass der HSV aktuell nicht das Tempo in sein Spiel bekommt, das er braucht, um entweder schnelle Gegenstöße zu setzen oder aber engmaschig stehende Abwehrreihen zu überraschen. Dass neben vielen Fans auch Trainer Walter jetzt die Bedeutung des noch ein paar Wochen verletzt fehlenden Bakery Jatta hervorhob, unterstreicht das noch einmal.

Auch, dass Walter zuletzt immer wieder nach schnellen Außenstürmern ruft, zeigt, wo es beim HSV aktuell hakt. Ich habe immer gesagt: Wir wollen. Aber was dann letztlich dabei herumkommt? Die Zeit ist ja begrenzt“, sagte Walter mit Blick auf das Transferfenster. welches Ende des Monats schließt. Finanziell hat der HSV angesichts der notwendigen Sanierungsmaßnahmen am Stadion aktuell ein Ausgabestopp verhängt, der zu einer Menge Ärger zwischen den beiden Vorständen Jonas Boldt und Thomas Wüstefeld sorgte.

Onana bringt dem HSV rund sechs Millionen Euro

Ein Problem, dass der Verkauf von Amadou Onana lösen sollte. Aktuell steht der ehemalige HSV-Spieler unmittelbar vor einem Wechsel vom OSC Lille zum Premier-League-Klub FC Everton. Am morgigen Sonnabend soll der Belgier bei den Engländern einen Fünfjahresvertrag unterzeichnen, was gut für den HSV ist. Denn am Weiterverkauf partizipiert der HSV mit 20 Prozent an allem, was über der einstigen Ablösesumme von 7 Millionen Euro fließt. Angesichts der kolportierten 40 Millionen Euro Gesamtsumme wären das gut 6 Millionen Euro. Allein, ob diese Summe auch in neue Spieler gesteckt werden darf, ist weiter offen.

Zuletzt hatte Wüstefeld angekündigt, die fehlenden 20 Millionen Euro für die Stadionsanierung nahezu fix zu haben. Sollte der Vorstand sein Versprechen umsetzen, wäre Geld für Neue frei. Sollte Wüstefeld zu viel versprochen haben, womit intern nicht wenige rechnen, wäre die nächste Eskalationsstufe erreicht. Wobei: Die Zusammenarbeit ist schon undenkbar – kann man das überhaupt steigern? Scheißegal, ehrlich gesagt. Ich habe heute nullkommanull Bock auf diesen unterirdischen Kindergarten beim HSV...

Morgen steht endlich wieder mal der Sport im Vordergrund. Und mit Heidenheim kommt sowas wie der Gegenentwurf des HSV in den Volkspark. Dauer-Trainer Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim fordert von seiner Mannschaft nach dem gelungenen Saisonstart einen selbstbewussten Auftritt beim Aufstiegsfavoriten HSV. „Es wird richtig was los sein, das wird uns auch motivieren. Der HSV ist immer noch ein besonderer Name. Die Größe, die Wucht, der Verein, die Stadt, das ist schon etwas Besonderes“, sagte Schmidt genau die Worte, die beim HSV ebenso alle ausblenden sollten (weil sie sich noch immer größer wähnen, als sie sind) wie in Heidenheim. Schmidt weiter: „Aber das müssen wir ausblenden und dürfen nicht mit großen Augen auftreten.“

Heidenheim will „Glatzel aus dem Spiel zu nehmen“

Die Heidenheimer haben aus den ersten beiden Liga-Partien der Saison sechs Punkte geholt und im DFB-Pokal die zweite Runde erreicht. Der Start sei nicht nur von den nackten Zahlen her gut, sagte Schmidt. „Wir haben es in den Spielen jeweils besser gemacht als unsere Gegner. Wir waren sehr effektiv und haben über weite Strecken gut verteidigt.“ Nun müsse man sich aber auf einen neuen Gegner einstellen. Auch auf seinen Ex-Stürmer Robert Glatzel. Die Entwicklung des 28-Jährigen beim HSV freue ihn, betonte Schmidt. „Aber morgen ist es unsere Aufgabe, ihn

Hoffen wir mal, dass der HSV dem zuvorkommt und seinen Topstürmer endlich wieder vermehrt ins eigene Spiel eingebunden bekommt. Mit schnellem Kombinationsfußball, mit schnellem Umschaltspiel sowie mit Flanken und Pässen in die gefährliche Zone. Also mit all dem, was man in den letzten Wochen zu wenig gesehen hat.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann melde ich mich nach dem Spiel wieder mit der Einzelkritik und dem Blitzfazit direkt nach dem Spiel. Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!!

Scholle

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