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In Hannover muss der HSV seinen souveränen Auftritt bestätigen

Die Nachricht des Tages ist zweifellos vom HSV direkt gekommen. Gegen 11 Uhr teilte die Presseabteilung mit, dass der HSV den Vertrag seines Kapitäns Sebastian Schonlau bis 30.…

In Hannover muss der HSV seinen souveränen Auftritt bestätigen

Die Nachricht des Tages ist zweifellos vom HSV direkt gekommen. Gegen 11 Uhr teilte die Presseabteilung mit, dass der HSV den Vertrag seines Kapitäns Sebastian Schonlau bis 30. Juni 2026 verlängert hat. „Ich fühle mich extrem wohl hier. Der Verein und die Fans sind einfach unglaublich und haben meine Erwartungen, die ich vor meinem Wechsel hatte, nicht nur erfüllt, sondern definitiv übertroffen“, sagte der Abwehrchef per Club-Mitteilung vom Dienstag.

Es ist die mit Sicherheit beste Nachricht bei Schonlau seit der Saisonvorbereitung, die der Kapitän nahezu komplett verletzt verpasste. Eine Wadenverletzung zwingt den Abwehrchef, der 2021 vom SC Paderborn nach Hamburg wechselte, weiter zum Zuschauen. Wobei ihm das wiederum zuletzt Freude gemacht haben dürfte, denn einen großen Anteil am ersten gegentorlosen Spiel der Saison hatte die diesmal defensiver eingestellte Verteidigung – diesmal endlich auch ohne ihn stabil. „Unser Plan war schon, wenn die Berliner in Ballbesitz sind, ein bisschen tiefer zu stehen“, verriet Jonas Meffert, dass der HSV auch in Person von Trainer Tim Walter auf die Gegentorflut reagiert. Endlich. Für die zuvor immer wieder kassierten Gegentore sei der HSV „ehrlicherweise auch zu Recht kritisiert“ worden, so Meffert. „Ich bin einfach froh, dass wir zu null gespielt haben“, meinte der Chef im defensiven Mittelfeld. 

Walter justiert sein System um die eine, fehlende Nuance nach

Es war diese berühmt-berüchtigte, oft zitierte Nuance, die Walter in seinem Spiel veränderte.  Miro Muheim und Ignace Van der Brempt standen gegen die Herthaner tiefer als zuvor und vermieden es, vor dem ballführenden Spieler in der Offensivbewegung aufzutauchen. Ebenso blieben die Innenverteidiger Guilherme Ramos und Dennis Hadzikadunic zumeist in der Viererkette und bildeten so eine sicher agierende Verteidigung als Grundlage für ein den souveränsten Auftritt seit langem, wie ich finde. Zumal parallel hierzu die Offensive erneut überzeugte. „Die Tore haben wir immer gemacht“, sagte Laszlo Benes, der für mich neben Jatta und Glatzel der überragende Mann auf dem Platz war.

Verdienter Lohn: In der Zweitliga-Torjägerliste liegt er mit seinem Teamkollegen Robert Glatzel und Cedrik Teuchert vom nächsten Gegner Hannover 96 mit jeweils vier Treffern nach drei Spieltagen an der Spitze. Und Benes, dem vor der Saison ob der Neuverpflichtung von Immanuel Pherai die Bank drohte, Dass er bei seiner blendenden Form auf der Bank Platz nehmen wird, halte ich aber für ausgeschlossen. Dieses Schicksal dürfte aber Immanuel Pherai treffen, sollte dieser schnell genug wieder dabei sein können. Ebenso wie Levin Öztunali, der gegen Hertha schon auf der Bank saß.

 „Ich bin in bester Form“, sagt Benes, der sich offenkundig wohler fühlt als bei seinen Vorigen Klubs. „Die letzten Jahre waren nicht so einfach für mich. Ich glaube, ich habe nicht das Vertrauen bekommen, was ich vielleicht verdient habe.“ Eine Ansage, die besonders seinem Ex-Club Borussia Mönchengladbach gelten dürfte – die aber auch deutlich macht, wie Tim Walter es immer wieder schafft, seine schwächelnden Spieler wieder in die Spur zu bekommen. Benes: „Ich spüre von Anfang an maximales Vertrauen vom Verein, vom Trainer, Mitspielern und dem Staff. Das macht mich natürlich stärker. Ich kann freier spielen, mein Spiel spielen“, sagte der slowakische Nationalspieler, der seine Leistungsgrenze noch nicht erreicht sieht: „Ich kann nicht nachlassen, ich werde auch nicht nachlassen.“

Benes nutzt seine Chancen und setzt sich in Stammelf fest

Und Benes weiß, wovon er spricht. Denn auch beim HSV brauchte er Anlaufzeit. Zum Ende der abgelaufenen Saison spielte Benes regelmäßiger – und wurde besser. Seit dieser Saison setzt Trainer Tim Walter voll auf Benes. Erst, weil Ludovit Reis ausfiel. Und jetzt, weil Immanuel Pherai verletzt, nicht dabei war. Aber: Benes nutzte diese Chancen komplett und zahlte Walter das Vertrauen mit Leistung zurück. Resultat: Benes hat noch keine Spielminute verpasst und erzielte inklusive Pokal sogar fünf Tore zzgl. zwei Vorlagen. „Er nimmt eine brutale Entwicklung“, lobte Walter seinen Mittelfeldmann daher auch nicht ganz zu Unrecht.

Ich persönlich freue mich bei Benes, bei dem man sieht, was Erfolgserlebnisse ausmachen. Er wird immer sicherer, souveräner – aber nie ruhiger. Womit ich zu dem Punkt komme, den ich bei Benes noch am ausbaufähigsten sehe: Die Antizipation. Denn mit etwas besserem Stellungsspiel kann sich der Slowene den einen oder anderen aufreibenden Sprint aufsparen für das Spielende, um dort entscheidende Impulse zu setzen. Aber aktuell ist das zweifellos Jammern auf hohem Niveau.

Apropos: Selbiges galt bis jetzt auch immer wieder für Trainer Tim Walter. Bislang hatte ich bei ihm immer wieder fehlende Einsicht beklagt – aber gegen Hertha ist der HSV-Coach, der ansonsten extrem viel richtig gemacht hat und weiter macht, einen beachtlichen Schritt gegangen und hat sein seit zwei Jahren nahezu gleichbleibend offensives wie riskantes Spiel modifiziert. Ich hoffe, dass Walter diese ausbalancierte Taktik auch in den nächsten Spielen anwendet und Hertha erst der Anfang war. Aber dazu seht und hört Ihr auch noch mehr im neuen Talk, den ich heute mit Cornelius aufgenommen habe.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Dienstagabend!

Scholle

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