Herr Hrubesch, Boldt, Mutzel und Co. – bitte übernehmen!

von | 25.03.21 | 35 Kommentare

Ungewohnte Zeit für den Blog, aber vielleicht melde ich mich ja heute Abend noch einmal! Länderspielpause ist eben anders…

Hintergrund für diesen frühen Blog ist, dass ich mir gestern Abend die U21 angesehen habe. Und das hat mir richtig Spaß gemacht. Nicht nur, weil mit Josha Vagnoman ein HSVer in der Startelf stand, sondern weil ich gern den eigenen Nachwuchs (mal nicht auf den HSV sondern auf den DFB bezogen) spielen sehe. In diesem Fall vor allem einen: Niklas Dorsch. Ich habe Euch schon in dessen Zweitligasaison damit genervt, aber ich bleibe dabei: Dorsch ist einer der interessantesten Sechser im deutschen Fußball. Der Junge ist unfassbar gut am Ball, hart und stark im Zweikampf, und er verfügt über ein überdurchschnittlich gutes Passspiel.  Dorsch ist ein Spielmacher und Abräumer in einer Person. Er erinnert mich in seiner Spielart ein wenig an Joshua Kimmich, der auch lange Zeit unterschätzt worden war. Selbst, als er mit 20 Lenzen zum FC Bayern wechselte, trauten ihm viele den ganz großen Sprung nicht zu.

Und so muss es auch bei Dorsch sein. Denn die Tatsache, dass so ein Spieler für 3,5 Millionen Euro keinen Abnehmer in der Ersten Bundesliga in Deutschland (oder noch lieber beim HSV?!?!?) findet, sondern dafür zum KAA Genk in die eher unterklassige belgische Liga wechselt – für mich absolut unverständlich. Ich habe es ja schon zu Dorschs Heidenheim-Zeit wiederholt geschrieben: Dorsch wäre eine sinnvolle Investition in die Zukunft.

Aber okay – wir dürfen uns dafür jetzt über ein ebenso großes Talent freuen in Amadou Onana. Der ist vielleicht noch nicht so abgeklärt wie Dorsch oder andere, was es manchmal noch komisch aussehen lässt. Aber der junge Belgier vom HSV bringt von den einzelnen, noch etwas rohen Qualitäten, auf andere Weise mindestens genau so viel mit wie Dorsch. Und Onana hat den HSV nur ein paar Euro Handgeld gekostet, war ansonsten ablösefrei. Insofern hat der HSV hier sicher nicht alles falsch gemacht.

Die DFB-U21 zeigt, dass es auch ganz jung geht

Und wenn wir schon beim Thema Zukunft sind, dann an dieser Stelle noch ein Schreiben, das ich gestern zugeschickt bekommen habe. Es stammt von den Herausforderern in Sachen Supporters-Club-Leitung, von dem Team um Sven Freese. Aber lest selbst:  

Identität – Haltung – Kultur

Unser HSV gibt auf dem Platz eine super Figur ab: Ein sympathischer Trainer treibt eine junge hungrige Mannschaft an und wir alle verbinden dies mit der Hoffnung auf bessere Zeiten in einer anderen Liga. Diesen Aufbruch wünschen wir uns in unserem Verein auch abseits des Sportlichen. Deshalb treten wir als Team an: Um als neue Abteilungsleitung des Supporters Club Verantwortung für diesen Aufbruch zu übernehmen.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es einen aktiveren und sichtbareren Supporters Club braucht. Wir haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit HSVerinnen und HSVern geführt und deren Energie rund um unseren Verein neue Projekte anzustoßen motiviert uns sehr. Als Supporters Club möchten wir mit Euch aktiv sein. In unserer Stadt. In unserem Stadion. Im Sinne unserer Fankultur.

Unsere Stadt – für mehr Sichtbarkeit des HSV in Hamburg

• Kooperation mit Hamburger Institutionen, Kneipen und Kulturstätten

• Eröffnung eines HSV-Vereinsheims für alle HSVerinnen und HSVer

• Sichtbarkeit für die historischen Orte unseres Vereins am Rothenbaum

Unser Stadion – ein bunter, freier Ort für Alle

• Mitgestaltung eines Spieltagerlebnisses im Sinne der Fans

• Schaffung und Förderung von Verweilmöglichkeiten

• Sozialverträgliche Eintrittspreise

• Einsatz für ein nachhaltiges und umweltbewusstes Stadionerlebnis

• Mehr Graffitis und Malereien statt grauer Wände

• Barrierefreiheit

Unsere Fankultur

• Einsatz für Fanmaterialien und legale Pyrotechnik

• Mehr Sonderzüge und organisierte Auswärtsfahrten

• Aktualisierung des Merchandise-Angebots

Was wir tun und wie wir es tun, basiert auf einem Grundsatz: Wir möchten dabei helfen, einen HSV mit eigener Identität zu schaffen. Indem wir mit klarer Haltung vorangehen. Füreinen weltoffenen HSV, der seiner sozialen Verantwortung gerecht wird und so eine Kulturschafft, die unabhängig von Ämtern, sportlichen Erfolgen oder internen Diskussionen klarmacht, wofür unser HSV steht!

Wir freuen uns, mit Euch zu sprechen und werden in den kommenden Wochen noch mehr von unseren Themen und Zielen vorzustellen.

Für einen HSV mit Identität, Haltung und Kultur.

Kimi, Christian, Pascal, Simon und Sven

Es ist Wahlkampf – ganz klar. Und ich habe es sowohl Sven als auch Martin, die ich beide gleichermaßen sehr schätze, versprochen, dass ich beiden gleichermaßen die Gelegenheit geben werde, sich hier mit ihren Wahlprogrammen zu präsentieren. Ich habe ebenso beiden versprochen, niemanden zu beschneiden, wenn der jeweils andere gerade nichts schreiben will. Vor allem aber habe ich mit beiden gesprochen und eigentlich schon zu der ersten, verschobenen Mitgliederversammlung ein Doppelinterview in Podcast(-und Video-)Form vereinbart. Wenn es nichts außergewöhnliches passiert, werden wir das auch hinbekommen.

Noch wichtiger als das aber finde ich, dass es überhaupt mal wieder richtig Bewegung gibt. Denn egal, ob am Ende die bisherige Leitung unter der neuen Führung von Oetjens oder eben Freese gewinnt – beide stacheln sich jetzt schon dazu an, mehr als der jeweils andere zu machen. Allein diese Konkurrenz tut der größten Mitgliedsabteilung im HSV schon gut. Sehr gut sogar, wie ich angesichts solcher, der bisherigen sowie den sicher noch kommenden Statements und Gedanken finde. Denn obgleich da noch sehr viel an der Oberfläche gearbeitet wird – irgendwann müssen beide Seiten klare Konzepte vorstellen. Vielleicht ja im Doppelinterview bei uns. Angeboten habe ich es beiden.

Aber bevor ich diesen frühen Blog beende, noch zwei, drei Sätze zum Auftritt der U21 gestern Abend. Es war ein Spiel gegen einen Gegner, den man schlagen muss, wenn man weiterkommen will, das wusste man vorher. Aber die Ruhe und die Geduld, mit der diese junge deutsche Auswahl dieses Spiel am Ende sehr souverän mit 3:0 gewonnen hat, die hat mir gefallen. Insgesamt muss ich sagen, war das Spiel der Deutschen sehr aufgeräumt und strukturiert. In der Abwehr mit zwei langen Abräumern, die auch das Aufbauspiel beherrschen. Auf beiden Außenverteidigerpositionen mit schnellen, auch offensiv mitspielenden Jungs, während im Zentrum Dorsch die Fäden zog. Und offensiv hatte DFB-U21-Trainer Stefan Kuntz Jungs aufgeboten, die lange Zeit unscheinbar waren, und dann mal eben das ganze Spiel entscheiden. Kurzum: Da war ein System zu erkennen, ein Plan – und viel Überzeugung. Das hat einfach nur Spaß gemacht.

Mit so starken Youngstern klappt’s auch in der Liga

Und es hat mir wieder einmal gezeigt, dass man sehr wohl eine richtig starke Mannschaft haben kann, in der niemand älter als 23 ist… Zugegeben: In der Mannschaft spielen junge Kerls mit Marktwerten von bis zu 17 Millionen Euro (Ridle Baku). Da heute zuzuschlagen ist deutlich zu spät. Aber alle diese Jungs waren mal bei einem Markwert unterhalb der 100.000 Euro. Und dort anzusetzen, DAS muss die Aufgabe für die nächsten Jahre gü alle Strategen beim HSV sein. „Wir sind ein Ausbildungsverein“, hat Hrubesch jüngst noch einmal klargestellt. Und wie viel Spaß man mit solchen Jungs haben kann, das haben wir gestern gesehen. Insofern: Bitte übernehmen Sie, Herr Boldt, Herr Mutzel, Herr Hrubesch, Herr Thioune und Co.! 

In diesem Sinne, bis später!!

Scholle

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei wie zuletzt auch 24/7 auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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Paulinho
2 Monate zuvor

Noch eines : meines Erachtens haben die Ambrosius, Onana und Vagnoman den Durchbruch geschafft, den letzten Schritt zur Bundesligareife gemacht. Wintz fällt noch ein bisschen ab, da könnte vllt. eine besondere Aufmerksamkeit im Training weiterhelfen. Aber auch heil und Meissner könnten es schaffen. Unerläßlich hierbei sind die hier immer zu Komikern verunglimpften Säulenspieler. Sie werden im Training und neben dem Platz eine Stütze für die jungen Wilden sein. Auch diese haben ihre Hochs und Tiefs, was normal ist, wenn man nicht vergisst, woher das ganze HSV Gebilde die letzten Jahre kommt. Ich halte mittlerweile viel vom jetzigen Führungskonstukt Thioune — Boldt. Jetzt lasst mal in Ruhe und den von allen herbeigesehnten Aufstieg schaffen.

Alex
2 Monate zuvor

Scholle, im Abendblatt schreibt Jakob Drechsler von einem internen Testspiel am Freitag.

Immerhin: Am Freitag ist Leistner in einem internen Trainingsspiel – der HSV verzichtet in der Länderspielpause im Gegensatz zum FC St. Pauli auf einen echten Testspielgegner – nach Möglichkeit als eine Art “freier Mann” vorgesehen.

Könntest du freundlicherweise für die Community in Erfahrung bringen, wann genau dieser Testkick stattfinden soll und ob selbiger im Stadion oder auf den Trainingsplätzen vorgesehen ist. Im letzteren Fall könnten sich die üblichen Verdächtigen ja zahlreich dort einfinden, um unter Anderem Himbeer-Toni als Libero zu bestaunen…

Jörg Meyer
2 Monate zuvor

Moin Scholle, treffend geschrieben es hat wirklich Spaß gemacht unsere U 21 spielen zu sehen. Das ist ja leider bei den “Großen ” seit einiger Zeit nicht immer so. Ich denke das liegt auch zum großen Teil an der Aussendarstelung von allen Beteiligten der U 21. Man kann sich mit ihnen viel leichter identifizieren, da sie einem nicht das Gefühl geben das sie den Bezug zum Fan verloren zu haben. Auch Stefan Kunz macht diesen Eindruck und so wie er mit jungen Spielern umgeht und spielen lässt wäre er ein interessanter Kandidat für die Nachfolge von Löw.

Aradia
2 Monate zuvor

 👩‍🦰 Guten Morgen.

Wir können nicht alles haben.
Aufstieg ist schon schwer.
Junge Talente entdecken?
Wer soll das können?

Aber wünschen ist ok.

Sollten wir aufsteigen…..
haben Talente keine Chance.
Da sorgen schon die Alten dafür.

Erst wenn wir konstant spielen
ist es möglich.
Das wissen auch Talente.
Die werden schon früh mit der
Pressekutsche durch die Gegend
gefahren und entwickeln so
ein Selbstwertgefühl. 💪🏻

Aber vielleicht hört man ja auf Scholle.
Horsti geh fischen und fang uns
nen tollen Hecht.😁

uwe twiehaus
2 Monate zuvor

Ich vermisse in dieser Situation auch eine Taskforce Aufstieg beim HSV? Einzig Alex Wiegelt, oder Alice Weigert!

Paulinho
2 Monate zuvor

Volle Zustimmung, Scholle, hoffentlich klingelt das in den Ohren der Adressaten nachhaltig!

Last edited 2 Monate zuvor by Paulinho
Jürgen Linnenbrügger
2 Monate zuvor

Um hier für die jungen Spieler überhaupt interessant zu sein, muss erst einmal das wichtigste realisiert werden: DER AUFSTIEG, ansonsten ist jegliche Liebesmüh vergeblich.

Micky
2 Monate zuvor

???
…und ich dachte, wir wollen in die 1. Bundesliga und da auch noch eine Weile bleiben um irgendwann zumindest mal bei der UEFA-Euroliga anzuklopfen. Muss ja nicht gleich die CL sein.
🧐
Aber mit ‘nem Kindergarten wird das bestimmt nix. Und um eine U21 aufzukaufen wird wohl das Geld beim HSV nicht reichen.
😏

PS: So schnell wird sich da nix entwickeln. Braucht viel Zeit sowas.
Ich glaube – bei allem Respekt, dass Horst das nicht mehr erleben wird, das der HSV so von seinem Nachwuchs profitiert, um ganz oben anzuklopfen.

Last edited 2 Monate zuvor by Micky
Hans-Werner Rieken
2 Monate zuvor

Na, dann hoffen wir mal das Mutzelchen die Perlen endlich abfischt.

Grantler3006
2 Monate zuvor

Den letzten Absatz den heutigen Blogs finde ich als Kurzform eines ausgefeilten Konzepts und Arbeitsansatzes genau richtig. Zu oft sind dem HSV in den letzten 30 Jahren zu viele Local Player oder in der Tat hoch talentierte Spieler, die von anderen Vereinen zum HSV gelockt wurden, bei uns nicht angekommen. Das natürlich der Charakter und das persönliche Umfeld eines Talents eine Rolle für einen Durchbruch spielt, ist klar und bleibt bei den folgenden Namen mal unberücksichtigt. Aber leider wurden die Kicker nicht genug oder lange genug oder richtig gefördert und gefordert. Warum kann ich leider nicht sagen.

Denn bei den Namen war dann schon auch gutes Scouting dabei, aber ganz offensichtlich wurden die dinge nicht mit den verantwortlichen Trainern abgesprochen oder es gab gar kein ganzheitliches Konzept. Für mich in negativer Erinnerung gebliebene Übungsleiter in Sachen Verbrennen von Talenten ist Labbadia. Er schaffte es nach meiner Auffassung nicht einige der Perlen gewinnbringend einzubauen. Aber er ist sicher kein Einzelfall und, wie erwähnt auch der Spieler spielt eine Rolle bei einem Durchbruch. Aus dem Gedächtnis fallen mir viele Kicker ein, die nach einem Vertrag beim HSV, ob Jugend-Amateur- oder Profivertrag beim HSV “scheiterte”, bei anderen Klubs aber super performte. Reihenfolge ist keine Rangfolge:

Sidney Sam, Andi Brehme, Stefan Effenberg, Max Kruse, Harnick, Marcus Berg, Tolgay Arslan, Fabian Ernst, Choupo Moting, Alex Meier, Dermirbay, Mustafi, Hennings etc. Und ich rede nicht von denen, die bei uns viel zu billig verkauft wurden, um dann nochmal richtig durchzustarten.

Ralf Lübbe
2 Monate zuvor

Ja die U21 hat Spaß gemacht. Einige Spieler die ich gerne beim HSV spielen sehen würde. Von Finn Dahmen über Niklas Dorsch. Wahrscheinlich aber eher Wunschvorstellung.
NUR DER HSV!!!!!

Alex
2 Monate zuvor

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Alex
2 Monate zuvor

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