Es geht nur über Vollgasfußball - aber ist der noch drin?
Der HSV hat in den letzten Wochen abgebaut. Ergebnistechnisch ist man vier Spiele in Folge sieglos, hat davon nicht nur zwei Spiele verloren, vorerst auch den Anschluss an die…

Der HSV hat in den letzten Wochen abgebaut. Ergebnistechnisch ist man vier Spiele in Folge sieglos, hat davon nicht nur zwei Spiele verloren, vorerst auch den Anschluss an die Aufstiegsränge. Zuletzt schaffte das Team von HSV-Trainer Tim Walter auffällig oft nur noch eine gute Halbzeit – und eine schwache. So auch beim 0:5 zur Halbzeit gegen Viborg, das die Mannschaft in der zweiten Hälfte in ein 4:5 verwandelte. Und Walter war alles andere als begeistert von der Leistung der vorwiegend zweiten Reihe gegen Viborg. „Da geht es vor allem um Intensität, Energie und Bereitschaft. Die haben nicht alle auf den Platz gebracht. Das muss man sagen. Es ist ja nicht so, dass es Spieler gibt, die da generell nicht mitziehen. Aber vereinzelt denken manche, es ginge auch mal mit halber Kraft. Ich habe gedacht, dass wir schon weiter sind, weil wir das auch schon auf den Platz gebracht hatten. Jetzt wird mal wieder nur mit halber Kraft investiert, wir brauchen aber die volle Energie.“
Die Frage, die sich hier stellt, ist: Hat die Mannschaft noch die 100 Prozent drin, die sowohl Walter als auch Kapitän Sebastian Schonlau (heute in der SportBild) einfordern und die sie als Basis für ihr eigenes Spiel bezeichnen?
Ich hatte zu Saisonbeginn meine Probleme mit dem Walter-Spiel wiederholt betont. Dabei ging es mir vor allem darum, dass die Mannschaft immer einen extrem hohen Aufwand betreiben muss, um den Gegner zu dominieren. Auch, weil man bei der extrem offensiv ausgelegten Spielweise Walters defensiv zu offen stand. Erst ein paar schwerwiegende Ausfälle brachten Walter dazu, sein System ein wenig nachzujustieren – und damit den Erfolg. Zumindest zwischenzeitlich bis zum 1:1 in Sandhausen. Auffällig in diesem Spiel war die schwache Laufbereitschaft des HSV, der als zweitlaufstärkstes Team der Liga (nach Heidenheim) mit mehr als 118 Kilometern pro Spiel nur auf 113 Kilometer kam. Ebenfalls auffällig: Es fehlen aktuell offensiv die Impulse, die Ideen – womit wir beim Thema Sonny Kittel, David Kinsombi, Ludovit Reis angekommen wären. Vor allem die beiden erstgenannten Spieler schwächeln aktuell.
Aber auch hier gilt: Je mehr Bereitschaft sie und ihre Kollegen auf den Platz transportieren können, desto mehr Aktionen werden sie haben. Und damit meine ich ganz bewusst keinen Aktionismus, keine blinden Monster-Laufwege. Ich meine einfach die grundsätzliche Bereitschaft, das zwingend laufintensive Walter-Spiel umzusetzen. Denn dann ergeben sich Räume und Möglichkeiten, die zuletzt gefehlt haben. „Natürlich können sich die Gegner auf uns einstellen. Aber wenn wir diese Intensität wieder auf den Platz kriegen und zu 100 Prozent in unserer Spiel-Idee sind, werden wir Vorteile haben. Wir entscheiden auf dem Platz, was geschieht. Das ist unser Anspruch. Das wollen wir in jedem Spiel vermitteln“, sagt Kapitän Schonlau heute in der SportBild. Und er hat Recht damit.
Laufwege nehmen ab, Punkte schwinden - macht es wie Olic!
Ich erinnere mich n solchen Situationen immer wieder an einen alten HSV-Angreifer, der insbesondere über den Einsatz kam: Ivica Olic. Der ehemalige Topstürmer hatte mir mal in einem Interview über seine oft recht unkonventionelle, aber eben auch sehr erfolgreiche Spielweise gesagt: „Bei mir sieht es nicht so elegant aus wie bei dem einen oder anderen Topstürmer. Ich habe vielleicht nicht das Talent – aber ich habe den Willen, immer so viel mehr zu machen und zu laufen, dass ich am Ende mindestens genauso viele gute Aktionen wie sie habe.“ Mit anderen Worten: Er hatte zweifellos die schwächere Quote als andere Stürmer – aber weil er eben so viel mehr Aktionen hatte, war er trotzdem oft erfolgreicher als die vom Talent her deutlich besseren Stürmer.
Aber zurück zum HSV von heute – kann der das Tempo und die Intensität noch aufbringen, die das Walter-Spiel benötigt? Zuletzt ging es von der Laufbereitschaft bergab. Gegen Werder (2:3) waren es 119,99 Kilometer, gegen Nürnberg „nur“ noch 118,26 Kilometer, und gegen Düsseldorf waren es zuletzt 116,55 Kilometer Gesamtlaufleistung. Und angesichts der Walters Reaktion: Er gab seiner Mannschaft zuletzt dreieinhalb Tage trainingsfrei. Kräfte auftanken statt Wiederholungen - angesichts des schmalen Kaders eine erklärbare Vorgehensweise. Und angesichts der Möglichkeiten, die die Analyseabteilungen der Bundesligisten heute haben, sollte man davon ausgehen, dass der Hinweis aus dieser Richtung kam. Zumindest hoffe ich das. Denn im Gegensatz zu den van Marwijks seinerzeit sehe ich in Tim Walter einen extrem engagierten, ebenso fleißigen wie motivierten HSV-Trainer, der nicht seine Heimatbesuche an erster Stelle stehen hat.

Die Ergebnisse gegen Paderborn und danach unter der Woche im Nachholspiel gegen Erzgebirge Aue werden zeigen, ob der Trainer Recht hatte und ob seine Maßnahmen gegriffen haben. Personell dürfte er bis Sonnabend wieder halbwegs aus dem Vollen schöpfen können, nachdem sich die Torhüter Daniel Heuer Fernandes und Tom Mickel nach überstandener Corona-Erkrankungen ebenso wie heute Ludovit Reis und Miro Muheim nach überstandener Muskelprobleme gesund zurückgemeldet und wieder mit der Mannschaft mittrainiert haben. Und ich hoffe, dass mit der Rückkehr vom zuletzt gelbgesperrten (und gegen Viborg zunächst mit untergegangenen) Jonas Meffert, den ich weiterhin für den wichtigsten Spieler im aktuellen HSV-Konstrukt erachte, wieder etwas mehr Ordnung ins HSV-Spiel kommt.
Der HSV hat alle seine Auszeiten bereits genommen
Aber zur möglichen Startelf werde ich mich morgen an dieser Stelle noch einmal explizit äußern, denn gerade in den Momenten, wo körperlich etwas abgebaut wird und vielleicht nicht mehr regelmäßig die extremen Laufwege gegangen werden können, wird eine stabile Grundordnung zum entscheidenden Faktor. Das und natürlich individuelle Qualitäten wie die der vermeintlichen Unterschiedspieler. Auf HSV-Seite zählt ein Sonny Kittel zu eben dieser Kategorie, wie auch Schonlau heute noch mal deutlich sagte: „Sonny ist extrem wichtig für unser Spiel. Er ist ein Unterschied-Spieler. Wir und Sonny müssen alles dafür tun, dass er wieder mehr am Spiel teilnehmen kann. Wir sind zuständig dafür, dass wir Sonny mehr mit Bällen füttern. Keiner zweifelt in irgendeiner Weise an Sonny.“
Theoretisch ist der HSV also bestens vorberietet. Es geht nur noch über Vollgasfußball. Und alle Spieler, die die Tabelle kennen und etwas rechnen können, wissen, dass es keine Millisekunde Pause mehr geben darf. Denn dieser HSV hat bereits alle seine Auszeiten genommen - und zumeist vergeudet.
In diesem Sinne, bis morgen.
Scholle
Und dann noch eine Meldung vom HSV:

Die neue Saison beginnt zu Hause
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Neu
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Neu
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
Klaus-Michael Kühnes historische Bedeutung für den HSV
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden