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Ein in allen Belangen trauriger Tag für den HSV

Alles für Uwe. In diesen Slogan stimmen aktuell alle mit ein. Vor dem Spiel gab es minutenlang Sprechchöre – und auch die Mannschaft hatte verinnerlicht, was ihr Trainer gesagt…

Ein in allen Belangen trauriger Tag für den HSV

Alles für Uwe. In diesen Slogan stimmen aktuell alle mit ein. Vor dem Spiel gab es minutenlang Sprechchöre – und auch die Mannschaft hatte verinnerlicht, was ihr Trainer gesagt hatte. „Das Erbe von Uwe Seeler anzutreten, das werden wir nicht schaffen. Aber wir leben seine Werte. Und ohne sie sind wir nur ein Zweitligist.“ Apropos Tim Walter: Der HSV-Trainer, der gern und oft in die Kritik genommen wird, war für mich in den letzten Tagen der beste Vertreter des HSV, wenn es darum ging, dem größten HSVer aller Zeiten gebührend zu gedenken. Seine Pressekonferenz, sein Interview vor dem Spiel – Tim Walter fand sehr schöne, ehrliche, angemessen bewundernde wie anteilnehmende Worte.

Knapp 54 500 Zuschauer in der Arena, die nach Ansicht vieler Fans den Namen Uwe Seeler tragen sollte, hatten vor Spielbeginn für eine würdevolle Gedenkfeier gesorgt. Zahlreiche HSV-Anhänger waren dem Aufruf der Fan-Organisationen gefolgt und schwarz gekleidet erschienen. Mit zwei Bannern erinnerten die Ultras und treuesten Fans auf der Nordtribüne an ihr Idol, das in fast 1300 Spielen für den HSV seit der Jugend rund 1400 Tore erzielt hatte: „Loyal und bescheiden - der Größte aller Zeiten“ sowie „R.i.P. Uwe Seeler“. Anschließend bildete die Nordtribüne in einem Meer von schwarzen Pappen den in Weiß gehaltenen Namenszug „Uns Uwe“ und skandierte immer wieder „Uwe, Uwe, Uwe-Sprechchöre“. Gänsehautmomente im Volkspark. 

HSV offensiv ohne Mittel und Wege

Allein die Mannschaft fand heute erneut nicht ansatzweise die Mittel, um Uwe Seeler zum Abschied ein angemessenes Geschenk zu machen. In einem insgesamt schwachen Spiel musste man am Ende sogar in der Nachspielzeit das 0:1 hinnehmen. Gefühlt wie bei bislang noch jedem besonderen Uwe-Seeler-Tag gab es also wieder nichts, worüber sich das HSV-Idol freuen durfte. Im Gegenteil, offensiv blieben die Seeler-Nachfolger heute so schwach wie schon in Braunschweig. Einziger Unterschied: in Braunschweig traf man trotzdem – heute leider nicht. Und dadurch blieb es beim 0:1. Das Schweigen der Nordtribüne nach Schlusspfiff darf die Mannschaft gern als Kritik am Gezeigten auffassen. Denn das war erneut zu wenig. Diesmal zusätzlich in der Punkteausbeute.

Auffällig neben dem schwachen Offensivspiel war, dass man offensiv auch mit den Einwechselspielern keinen neuen Schwung erzeugen konnte. Heil war noch der beweglichste, aber eben auch ohne entscheidende Aktion. Ansonsten werden neben Trainer Tim Walter und Jonas Boldt, die das seit Wochen proklamieren, auch die Aufsichtsräte gesehen bzw. erkannt haben, dass der HSV offensiv noch etwas machen MUSS, wenn er sein Ziel Wiederaufstieg erreichen will.

Aber mir sind neben dieser Erkenntnis noch zwei Dinge ganz besonders stark aufgefallen: Denn erkennbar war für mich mehr als deutlich, dass die beiden begehrtesten HSV-Profis, Mario Vuskovic und Ludovit Reis, unverzichtbar und dementsprechend auch unverkäuflich sind und bleiben müssen. Die Auswechslung von Vuskovic, der sich den Daumen (hoffentlich nur) ausgekugelt hatte, wurde von Jonas David zwar lange Zeit mit einer soliden Leistung halbwegs abgefedert. Aber man erkennt einfach, dass der Kroate hinten allen ein sichereres Gefühl gibt und gerade jetzt, wo Kompagnon Sebastian Schonlau noch seiner Form der Vorsaison hinterherläuft, unverzichtbar ist. So war auch David beim Gegentor zögerlicher als es Vuskovic gewesen wäre – und auch das ermöglichte den Rostockern den Siegtreffer in der Nachspielzeit. 

Gleiches gilt für Ludovit Reis, der im Mittelfeldzentrum den Part von Neuzugang Laszlo Benes mitspielen muss, da der noch immer nicht im HSV-Spiel angekommen ist. Nicht, weil er es machen soll/will – sondern weil er es machen musste. Es war abgesehen von Kittel und am Ende in Teilen der aktivste in der Offensive. Denn Reis erobert nicht nur die Bälle, er treibt sie auch nach vorn und ist auch offensiv einer der aktivsten HSVer gewesen. Ohne ihn wäre im Mittelfeldzentrum offensiv gar nichts los gewesen. Auch er ist aktuell nicht zu ersetzen – und er ist aus meiner Sicht angesichts der hoch gesteckten Ziele des HSV daraus resultieren absolut unverkäuflich.

Die Einzelkritiken:

Daniel Heuer Fernandes: Beschäftigungslos in der ersten Halbzeit, beim Tor machtlos. Bitterer Nachmittag für den HSV-Keeper. Note: 3

Moritz Heyer (bis 82.): Defensiv stark, offensiv immer wieder mit Akzenten. Aber das Zusammenspiel mit Neuzugang Königsdörffer passt einfach noch immer nicht. Note: 4

Filip Bilbija (ab 82.): Fand nicht mehr ins Spiel – bleibt aber ob der kurzen Spielzeit ohne Note. 

Mario Vuskovic (bis 72.): Verhoeks Spielweise liebt der Kroate - dementsprechend hatte er den Hansa-Angreifer auch mit einer eher durchschnittlichen Leistung hndertprozentig im Griff. Seine Auswechslung war ebenso für ihn körperlich wie für das HSV-Spiel qualitativ schmerzhaft. Gute Besserung von dieser Stelle! Der HSV ist defensiv ohne ihn eine ganze Klasse schwächer defensiv. Für mich weiterhin unverkäuflich. Note: 3

Jonas David (ab 72.): Zu weit weg vom Gegenspieler beim 0:1, hätte per Kopf fast den Ausgleich geschafft. Note: 4 

Sebastian Schonlau: Viele (erzwungene) Foulspiele des Kapitäns, der ansonsten von einem starken Stellungsspiel lebt. Er ist noch nicht in der Verfassung seiner guten Vorsaison. Note: 4

Miro Muheim: Die linke Seite war aktiver als die rechte - das lag auch an ihm. In der Nachspielzeit  rettete er einmal in höchster Not. Note: 3

Jonas Meffert: Hatte wenig zu tun, weil Rostock immer übers Mittelfeld hinwegspielte. Was mir bei dem MVP des HSV in solchen Momenten fehlt, ist die Initiative nach vorn. Note: 4

Ludovit Reis: Fleißig, bemüht, aggressiv im Zweikampf. Alles wie immer. Ohne ihn wäre im HSV-Zentrum nach vorn gar nichts los. Note: 3

Laszlo Benes (bis 60.): Er war aktiver als in Braunschweig und hatte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit eine gute Szene. Aber das ist insgesamt noch viel, viel zu wenig. Gemessen an seinen Fähigkeiten ist das nichts. Note: 5

Maximilian Rohr (ab 60.): Brachte nicht den erhofften, neuen Schwung und blieb ohne jede Aktion. Note: 4

Ransey Königsdörffer (bis 72.): Er hat so viel Potenzial, zeigt das auch ansatzweise - aber noch immer ohne jede Effizienz. Sein Passspiel ist weiterhin zu schlampig (oft in den Fuß oder in den Rücken gespielt, wodurch die Offensivbewegung stoppt) und fehlerhaft. Er hat das HSV-Spiel überhaupt noch nicht angenommen und ist so noch keine Verstärkung. Note: 5

Robert Glatzel: Kam 83 Minuten überhaupt nicht zum Zug – und dann war er da. Allein Rostocks Keeper Kolke und ein Hansa-Bein standen im Weg. Note: 4

Ogechika Heil (ab 72.): Was für ihn spricht, ist sein unbändiger Wille. Das zeigt er tagtäglich beim HSV. Er ackerte auch heute, er versuchte viel. Und er brachte mehr Schwung als Königsdörffer zuvor. Aber: Er ließ Schumacher beim Gegentor aus den Augen. So wird aus einer 2 als Note die Note: 4

Sonny Kittel: Hatte in der 37. und 39. Minute die einzigen Chancen der ersten Halbzeit und war auch offensiv präsent. Zwar ohne klare Aktionen, aber offensiv trotzdem noch besser als seine restlichen Mitspieler. Das sagt sehr viel über die Offensivqualität des HSV dieser Tage aus. Note: 3

Trainer Tim Walter: Erneut fand seine Mannschaft offensiv keine Mittel gegen eine kompakt verteidigende Abwehr. Dass man nicht immer so effizient spielen kann, wie in Braunschweig ist logisch. So, wie sich der HSV aber heute wieder präsentiert hat, wird diese Hinrunde zum aber zum Abziehbild der punktetechnisch schwachen Hinserie 2021/22. Walter ist jetzt gefordert, das eigene Offensivspiel nachhaltig zu verbessern, damit die proklamierte, erkennbare Entwicklung nicht schon nach wenigen Spieltagen widerlegt werden kann. Dazu gehört es auch, intern allen klarzumachen, was man personell noch verbessern muss. Note: 4,5

Schiedsrichter Dr. Robert Kampka: Machte insgesamt eigentlich ein sehr ordentliches Spiel, wie ich fand. Unaufgeregt, beruhigend  - aber die Frage muss erlaubt sein: Warum bitteschön ist Verhoek als bereits verwarnter Spieler nach dem zu rustikalen Einsteigen gegen Heuer Fernandes nicht mit Gelbrot vom Platz geschickt worden? Für mich ein klarer – wenn auch längst nicht spielentscheidender - Fehler des Unparteiischen, der deswegen statt einer guten zwei die Note: 3,5 erhält.

DIE DATEN ZUM SPIEL:

HSV: Heuer Fernandes - Heyer (82. Bilbija), Vuskovic (72. David), Schonlau, Muheim - Meffert, Reis, Benes (61. Rohr) - Königsdörffer (72. Heil), Glatzel, Kittel 

F.C. Hansa Rostock: Kolke - Roßbach, Fröde (83. Dietze), Malone - Neidhardt (68. Schröter), Ananou (72. Schumacher) - Ingelsson (83. T. Meißner), Dressel, Rhein - Pröger, Verhoek (68. Breier)

Tore: 0:1 Schumacher (90.+4)

Zuschauer: 54.476

Schiedsrichter: Robert Kampka (Mainz)

Gelbe Karten: Heil / Verhoek, Ananou, Roßbach, Ingelsson, Schumacher

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