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Die Neubesetzung des Vorstandes sorgt für Ärger beim HSV

Geschäftsbeziehungen zum HSV hatte Dr. Thomas Wüstefeld schon bevor er Anteile erwarb. Das war allen bekannt. Hier jetzt in den Vorgang mehr hineinzuinterpretieren wäre falsch.…

Die Neubesetzung des Vorstandes sorgt für Ärger beim HSV

Geschäftsbeziehungen zum HSV hatte Dr. Thomas Wüstefeld schon bevor er Anteile erwarb. Das war allen bekannt. Hier jetzt in den Vorgang mehr hineinzuinterpretieren wäre falsch. Und dennoch hat sich das Abendblatt heute in seinem zweiten Teil, der sich mit der Neubesetzung des Vorstandes befasst, diesem Thema gewidmet. Und bei genauerem Hinsehen machen die Kollegen das auch völlig zurecht, denn der Umgang mit Investoren ist ebenso zu hinterfragen wie der Umgang mit intern hochgelobten Kandidaten für den Finanzvorstand. Denn wenn es stimmt, dass letztlich nicht Wüstefeld überredet wurde, das Amt zu übernehmen, wie es offiziell erklärt wurde, sondern sich selbst anstelle des von wirklich ALLEN Seiten zuvor hochgelobten Finanzdirektors Dr. Eric Huwer eingesetzt hat, dann sind wir wieder genau dort, wo der HSV nicht mehr hinwollte: Bei Machtschieberei und falschen Eitelkeiten.

So soll dem Artikel nach Dr. Thomas Wüstefeld erst den möglichen Vertrag mit Huwer, der von der Mehrheit des Aufsichtsrates als geeigneter Kandidat anerkannt war, ausverhandelt haben. Huwer soll demnach einen kleinen vierstelligen Betrag Gehaltserhöhung angefragt hatte. Intern sollen dagegen deutliche höhere Zahlen als Huwers Gehaltswunsch im entscheidenden Gremium lanciert worden sein – was wiederum Huwer übel aufgestoßen, so meine Kollegen Kai Schiller und Henrik Jacobs. „Der bisherige Direktor soll um eine geringe vierstellige Summe pro Monat als Gehaltserhöhung gebeten haben, wodurch er trotzdem einer der am schlechtesten bezahlten Vorstände beim HSV in den vergangenen 20 Jahren gewesen wäre“ heißt es in dem Artikel, was das gesamte Vorgehen noch unverständlicher macht.

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Vor allem, wenn man den Hintergrund beachtet, dass es bei allem Handeln innerhalb des HSV derzeit primär darum geht, die unmittelbar bevorstehende Lizenzierung zu sichern. In diesem Zusammenhang gilt Huwer als DER absolute Fachmann. Vor allem, da niemand die Zahlen des HSV besser kennt als er. Zudem kennt Huwer die Lizenzierungsprozesse aus den Erfahrungen der letzten acht Jahre hautnah. Denn seit 2014 hatte er Wettstein assistiert, seit 2016 ist er Finanzdirektor des HSV. Und da es wirklich weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand irgendjemanden gibt, der Huwer nicht für dessen Kompetenzen lobt, drängt sich hier die Frage auf, weshalb Wüstefeld sich selbst als geeigneter erachtet als den Mann, der alle Abläufe rund um die Lizenz aus dem Effeff kennt.

„Es steht ja außer Frage, dass ich verschiedene Perspektiven einnehme: Ich bin Fan des Hamburger SV, genauso wie Gesellschafter der Fußball AG und aktuell auch kommissarischer Vorstand. Bei allen Perspektiven stehen der Erfolg des Clubs und der Wunsch nach der Weiterentwicklung des HSV im Mittelpunkt.“ Das sagt Wüstefeld selbst auf Nachfrage der Kollegen. Und damit sagt er viel – aber er beantwortet natürlich die entscheidende Frage nicht: Warum er und nicht Huwer? Meine Vermutung: Weil Wüstefeld den HSV einmal komplett auf links drehen will. Denn hier wiederum gilt der neue HSV-Anteilseigner und -Vorstand als bestens geeignet: als knallharter Sanierer. Dass sich der HSV weiterhin diesen Festkostenapparat der letzten Jahre leisten wird, gilt unter Wüstefeld als ausgeschlossen. Was das für die Gemütslage der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bedeutet, dürfte sich jeder vorstellen können.

Gegangen wurde bereits der Marketing-Direktor Philipp Mokrohs, der seit seinem Amtsantritt fast durchgängig in der Kritik stand. Sein Nachfolger sollte dem Abendblatt nach Markus Frömming werden, der dies aber bei den Kollegen ebenso dementierte. Schon bei seinem Einzug in den Aufsichtsrat gab es dahingehende Gerüchte um Frömming. Damals hieß es, Jansen plane sich als Vorstandsboss und Frömming als Marketingvorstand ein. Beide dementierten das mir gegenüber vehement und betonten, dafür nicht zur Verfügung zu stehen.  So, wie Frömming es heuer offenbar dem HA gegenüber wiederholt hat. Was solche Dementi beim HSV wert sind, beantwortet das Abendblatt selbst im nächsten Satz: „Das Abendblatt bleibt aber auch bei seiner Darstellung, dass parallel zu den Auflösungsgesprächen mit Wettstein bereits konkrete Gespräche über Gehalt und eine mögliche Präsentation für Frömming und Huwer geführt worden sind.“

Am Ende ist es beim HSV leider nie geräuschlos. In jedem Neuanfang tauchen immer wieder auch ungewöhnliche Verquickungen von Ehrenamt und Geschäftsverbindung sowie Interessenskonflikte auf, die die Verantwortlichen angreifbar machen. In diesem Fall wird es sicher nicht bei dem bleiben, was das Abendblatt berichtet hat. Dafür gibt es einfach schon wieder viel zu viele Unzufriedene und mögliche Quellen für Interna. Und die werden sich ebenso weiterhin äußern, wie sich Jansen, Wüstefeld und Co. erklären werden müssen. Wozu das wiederum führt, wissen wir alle. Mein Vorschlag: Der HSV sollte sich einen oder zwei übergeordnete und in allen Belangen unabhängige Compliance-Beauftragte leisten. Anders wird es in diesem Klub nie einen echten Neuanfang mit unanfechtbaren Verantwortlichen geben können. Oder anders formuliert: So wie jetzt wird der HSV für alle immer wieder zu leicht zu missbrauchen sein.

Alles andere als leicht wird es am Sonnabend in Sandhausen. „Wir treten immer mit breiter Brust auf“, sagte Trainer Tim Walter heute zwar. Allerdings warnte der Coach des Tabellendritten davor, den gastgebenden 15. zu unterschätzen. Schließlich hätten die Sandhäuser von ihren vergangenen fünf Spielen drei gewonnen und lediglich eines verloren, so Walter. Lediglich beim 0:3 gegen Jahn Regensburg hatten die Kurpfälzer Gegentore kassiert. „Wir müssen uns davon freimachen, nur die Tabelle zu betrachten.“

Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Moritz Heyer. Der 26 Jahre alte Abwehr- und Mittelfeldspieler hatte sich im Training leicht am Knie verletzt. Sollte Heyer ausfallen, liefe er zumindest keine Gefahr, sich vor dem Nordderby gegen Werder Bremen noch die fünfte Gelbe einzuhandeln. Gleiches Schicksal droht übrigens meinem MVP der bisherigen HSV-Saison, Jonas Meffert. Letztgenannter ist allerdings fit und wird spielen.

Und auch ansonsten sind alle Spieler einsatzbereit. Selbst Josha Vagnoman (21) sei nach seiner Muskelverletzung wieder eine Option, betonte Walter, der über Winter-Zugang Giorgi Chakwetadze sagte, dass dieser noch Zeit bräuchte. Unmittelbar danach fügte Walter aber auch an: „Jeder, der trainiert, hat die Chance, von Beginn an zu spielen.“ Ob Walter in Sandhausen schon mit Blick auf das schwere Nordderby gegen Werder Bremen aufstellt? Defintiv nicht, sagt der Coach selbst. „Unsere Marschroute war, ist und bleibt Vollgas. Wir tun gut daran, dass immer zu beherzigen.“

Na dann. Vollgas vor aus. Und bis morgen!

Scholle

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