Der HSV kämpft um seine Zuschauer
Jan Gyamerah fällt aus. Das scheint sicher. Ob das jetzt den Trainer vor allzu große Probleme stellt, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest hatte Tim Walter in den letzten…

Jan Gyamerah fällt aus. Das scheint sicher. Ob das jetzt den Trainer vor allzu große Probleme stellt, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest hatte Tim Walter in den letzten vier Spielen die Möglichkeit, den Rechtsverteidiger zu bringen – und trotz jeweils fünf Wechsel verzichtete der Coach auf den mit einer Erkältung morgen ausfallenden Gyamerah. Ergo: Platz für einen Nachwuchsspieler mehr im Kader. Ich hoffe darauf, dass der Trainer endlich mal Robin Velasco die Chance gibt, dabei zu sein. Die U21 spielt zwar am Montag selbst noch, und dort wird Velasco auch gebraucht. Aber wenn es richtig gut läuft, dann könnte sich der quirlige Offensivspieler noch ein paar Minuten Zweitligaluft als Motivationsschub für das Regionalliga-Derby am Montag gegen die Zweite von Holstein Kiel holen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass sich das Vertrauen in Velasco lohnt. Und das Beste: Dessen Vertrag läuft am Saisonende nicht aus wie bei Faride Alidou. Und: Es wäre doch mal ganz gut, wenn die Verantwortlichen das Potenzial in ihren Nachwuchskickern nicht erst dann erkennen, wenn diese in der ersten Mannschaft brillieren, sondern schon vorher.
Bei Alidou hat man das verpennt, da muss man nicht groß diskutieren. Im Sommer kam der Spieler mit dem Wunsch auf Vertragsverlängerung und der Verein sah erkannte keine Not, darauf einzugehen. Jetzt ist der HSV in der Not, auf das Wohlwollen des Spielers hoffen zu müssen. Dass das nicht gänzlich auszuschließen ist, macht Mut. Denn Alidou weiß offenbar sehr wohl das Vertrauen des Trainers zu schätzen. „Wir sind optimistisch, dass Faride bleibt“, sagte Michael Mutzel jüngst. Und den Sportdirektor möchte ich an dieser Stelle aus der obigen Kritik ein wenig rausnehmen. Nicht ganz – aber ein wenig. Denn Mutzel hatte schon Dieter Hecking und Daniel Thioune auf Alidou aufmerksam gemacht.
Aber: Ohne Erfolg. Und an diesem Punkt stellt sich dann die Frage, wer wie viel in welchem Bereich mitsprechen darf. Also: Darf ein Sportdirektor bei der Kaderzusammenstellung in den Pflichtspielen mitsprechen? Normalerweise eher weniger. Tipps sind okay, am Ende aber entscheidet der Trainer. In diesem Fall war das ja auch ganz gut. Immerhin hatte Nachwuchschef Horst Hrubesch Alidou eher nicht auf dem Schirm. Walter selbst holte den jungen Außenstürmer, um den sich meinen Informationen zufolge Mutzel gerade sehr geschickt und sehr intensiv bemüht, hoch zu den Profis. „Ich habe ihn zwei-, dreimal gesehen und ihn dann zu uns dazu geholt“, so Walters simple Erklärung. Mal sehen, vielleicht hat Walter ja morgen wieder so einen „Überraschungsgast“ dabei.
Platz im Kader wäre wohl angesichts des Ausfalles von Gyamerah, sowie den zuvor schon verletzten Spielern (Heuer Fernandes, Mickel, Ambrosius, Vagnoman, David, Leibold). Und wenn ich aktuell mitbekomme, wie die Spieler über die Stimmung innerhalb der Mannschaft sprechen, ist die Basis für den Einbau junger Talente gerade sehr fruchtbar. Spieler wie Jonas Meffert und Sebastian Schonlau sind die Strategen im Team, die mit Anweisungen aus dem Zentrum führen. Davor stehen mit Robert Glatzel und vor allem Sonny Kittel als spielerischem Leader noch zwei Spieler, vor denen die jungen Kicker Respekt haben – die sich aber nicht zu schade sind, die jungen Spieler zu führen. Hier ein aufmunternder Applaus, ein Mut machendes Lob und eine Anweisung – das hat mir zuletzt gegen Regensburg insbesondere bei Kittel echt imponiert. Ich hätte es zumindest in der Form so nicht erwartet.
Jetzt hoffe ich darauf, dass Kittel diese Art wiederholt. Sollte er dazu noch einmal spielerisch so brillieren, umso besser. Aber das erwarte ich nicht. Mir reicht es, wenn er „nur“ ein gutes Spiel macht – aber parallel dazu seine jungen Mitspieler führt. Denn auch das zählt zu der Entwicklung dazu, die ich anfangs der Saison als primäres Ziel dieses HSV angeführt hatte.
Morgen gegen Ingolstadt wird es aber vor allem darum gehen, die eigene Spielweise wieder optimal dem Spiel des Gegners aufzudrücken. Nicht unbedingt im hochintensiven Walter-Stil der ersten 13 Spieltage, dafür gern ein wenig schlauer und effektiver, wie gegen Regensburg, wo man auch mit 52 (statt sonst immer über 60 Prozent) Ballbesitz die kompletten 90 Minuten dominierte. Und nur weil das hier im Blog immer wieder Thema ist und die Bild das heute sogar als eine der drei wichtigsten Fragen überhöhte: Nein, es nicht wichtig, wann Glatzel wieder trifft!
Wichtig ist, dass er weiterhin so spielt, dass der HSV trifft. Er macht vorn extrem viele auch schlaue Wege, um hinter sich Lücken zu reißen. Wenn in diesen Momenten Alidou, Kittel oder auch der zuletzt etwas glücklose Bakery Jatta stoßen und treffen – Dann passt es. Ob es am Ende er selbst ist – die Chancen dafür hat er in jedem Spiel! – oder seine Mitspieler, das ist definitiv zweitrangig. Auch deshalb bleibe ich bei meiner Meinung, dass Glatzel vorn die beste Option im Kader ist. Und ich behaupte: Gegen Ingolstadt wird Glatzel wieder sehr wichtig sein. Er trifft sogar…
In Sachen Aufstellung würde ich gegenüber Regensburg nichts verändern. Ich würde so spielen lassen: Johansson – Heyer, Schonlau, Vuskovic, Muheim – Meffert – Jatta, Reis, Alidou – Kittel – Glatzel. Ob das dann am Ende in einem 4-3-3 oder einem 4-4-1-1 mündet – scheißegal. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass Kittel nach vorn alle Freiheiten bekommt und die beiden Außen mit ihrem Tempo immer wieder für Gefahr sorgen, während ein Ludovit Reis seine Ausrichtung immer so wählen kann, wie es das Spiel gerade bedarf. Denn der junge Niederländer kann nicht nur hervorragend abräumen, wie er es zu Saisonbeginn immer wieder demonstriert hat. Nein, er kann auch offensiv ankurbeln, wie wir gegen Regensburg gesehen haben.
Wie bei Kittels Leaderqualitäten bin ich auch bei Reis morgen sehr gespannt, ob er seine Regensburg-Form bzw. seinen offensiven Mut so beibehält. Und nur, weil ich ihn nicht explizit erwähne, sei auch hier gesagt: Auch Miro Muheim macht von Woche zu Woche kleine, aber erkennbare Schritte vorwärts. Er wird defensiv stabiler, besser in der Abstimmung. Und er wird mutiger nach vorn. Aber dem jungen Schweizer gebe ich gern noch ein paar Wochen, um sich komplett zu akklimatisieren, nachdem er zunächst hinter dem Dauerbrenner Leibold chancenlos schien.
Also, morgen gibt es wieder viele kleine Dinge, auf die wir achten können. Viele kleine Dinge, die ich für sehr wichtig und ebenso spannend erachte. Dass das nicht mehr als voraussichtlich rund 20.000 Zuschauer sehen wollen – schade. Aber dieser HSV hat das Potenzial, sich seine Fans zurückzuholen. Spielerisch. Angesichts der Entwicklung der Zuschauerzahl wäre es auch keinen Spieltag zu früh…
In diesem Sinne, ich werde morgen selbstverständlich wieder im Stadion sein und Euch von dort berichten. Per Blog und anschließend wieder per Blitzfazit. Bis dahin wünsche ich Euch allen einen schönen Abend!
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