Der HSV holt gegen Düsseldorf echte Bigpoints im Aufstiegskampf - mit einem saustarken Ludovit Reis
Das war genau die Reaktion, die der Trainer sehen wollte, die die Fans sehen wollten – und die alle hoffen lässt, dass Paderborn nur ein Ausrutscher war. Mit 4:1 schlägt der…

Das war genau die Reaktion, die der Trainer sehen wollte, die die Fans sehen wollten – und die alle hoffen lässt, dass Paderborn nur ein Ausrutscher war. Mit 4:1 schlägt der HSV im mit 57.000 Zuschauern wieder einmal ausverkauften Volksparkstadion seinen alten Trainer Daniel Thioune, dessen Düsseldorfer zwischenzeitlich überraschend zum Ausgleich kamen und in der zweiten Halbzeit tatsächlich noch eine Einladung bekamen, die sie ungenutzt ließen. Aber: Dieses 4:1 war in Summe mindestens genauso verdient wie das 3:0 im letzten Heimspiel, als es – wie heute – gegen einen direkten Verfolger (1. FC Kaiserslautern) ging. Bigpoints also!
„Wir haben einen sehr reifen und souveränen Auftritt hingelegt“, freute sich HSV-Coach Merlin Polzin nach Schlusspfiff zu Recht. „Wir sind gut ins Spiel gestartet und konnten viele Dinge umsetzen, die wir uns vorgenommen haben. Wir haben es immer wieder geschafft, eine Mischung zwischen Spielkontrolle und der Absicherung gegen die Situationen, die Fortuna kreiert hat, zu finden.“
Okay, in kurzen Phasen hatte Düsseldorf Möglichkeiten, sich Chancen zu erspielen. Aber zum einen fehlte hier etwas Entschlossenheit, zum anderen hatte der HSV heute selbige entgegenzusetzen. Vor allem Ludovit Reis war im Mittelfeld ein entscheidender Faktor und erinnerte ein wenig an den Ludovit Reis, der er vor seinen langen Verletzungspausen war. Er gewann seine Zweikämpfe, war wieder handlungsschnell, bereitete sogar das 1:0 vor – kurzum: Er war der beste Mann heute auf dem Platz und lässt mich hoffen, dass er in der Schlussphase dieser Saison an seine alte Hochform anknüpfen und letztlich wieder zum gewinnbringenden Faktor für den HSV werden kann.
Reis: „Es war ein sehr gutes Spiel von uns, und ich bin happy, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Ich fühle mich nach meiner Verletzung wieder leicht und bin bei einhundert Prozent. Als die Fans mich bei der Auswechslung so laut gefeiert haben, hat es mir wieder einmal gezeigt, dass wir hier beim HSV eine große Familie sind.“
Okay, das ist wieder aus der Euphorie des Moments geschildert – aber nicht gänzlich falsch. Denn dieses Spiel heute war eine starke Reaktion auf das 0:2 in Paderborn und der zweite Sieg im dritten von insgesamt fünf Topspielen. Einziger Wermutstropfen: Davie Selke, der seine Gegenspieler mit allen Mitteln stresste, handelte sich seine fünfte Gelbe Karte ein und wird in Magdeburg fehlen. Aber darüber denken wir ab morgen nach. Heute freuen wir uns erst einmal über die zurückeroberte Tabellenspitze und ein richtig gutes Spiel des HSV.
Die Einzelkritiken:
Daniel Heuer-Fernandes: Beim 0:1 wurde er das erste Mal überhaupt im Spiel gefordert – und war hier sicher chancen- und schuldlos! Was ihn dann aber trieb, als er in der 56. Minute viel zu weit vor dem Tor stand – keine Ahnung? Zum Glück ging der Schuss aufs verwaiste Tor vorbei… Note: 3
William Mikelbrencis (bis 67.): Sein Tempo ist sein großes Plus. Dazu kommt, dass er offensiv mit seinem schnellen Passspiel immer wieder für Schwung sorgen kann. Dass er RechtsVERTEIDIGER ist, kam bis zur 60. Minute gar nicht zum Tragen, weil es nicht gefordert war. Sein Ballverlust in der zweiten Halbzeit hätte das 2:2 sein können, bzw. aus Düsseldorfer Sicht sein MÜSSEN. Aber er hätte selbst ach treffen können, weil er sich offensiv immer wieder gut mit einschaltete. Note: 3
Silvan Hefti (ab 68.): Er ist defensiv robuster als Mikelbrencis – aber auch er steht immer wieder zu weit weg vom Mann. Auf der Rechtsverteidigerseite hat Trainer Polzin defensiv zu wenig Qualität zur Verfügung. Weshalb man im Winter noch einen Außenstürmer holte, anstatt hier nachzubessern, bleibt mir genauso ein Rätsel wie der Umstand, dass man seit zweieinhalb Jahren keinen Ersatz für Vuskovic verpflichtet hat. Note: 3,5
Denis Hadzikadunic: Vorweg: Er spielt bislang eine wirklich gute Rückrunde! Aber beim 0:1 hat er einfach gepennt, da fehlte die Abstimmung mit seinen Nebenleuten, und ein simpler, langer Ball über die Abwehr reichte. Danach und davor war er aber wie zuletzt immer sehr zuverlässig. Note: 3
Daniel Elfadli: Er gewann seine Zweikämpfe – aber er stellte seine Abwehr bzw. die gesamte Defensive nicht immer gut. Zwischenzeitlich stand der HSV unerklärlich hoch und ließ sich überlaufen. Aber: In der kritischen Phase rund um die 60. Minute war er wieder sehr präsent. Fakt ist: Mit ihm ist die Defensive einfach stabiler als ohne ihn. Note: 3
Miro Muheim: Er kann es einfach! Wenn es einer aus 25 Metern versuchen darf, dann (Dompé und) er! Hatte seine Seite gut im Griff, war offensiv aktiv und leitete mit seinem Traumtor den Heimsieg ein. Gut! Note: 2,5
Jonas Meffert: Er ist so wichtig. Seine Balleroberungen, seine zugelaufenen Wege, seine gewonnenen Zweikämpfe – auch heute war er wieder stark. Er gibt der Mannschaft Stabilität. Aber auch er hätte seine Mitspieler oft besser staffeln müssen. Note: 2
Adam Karabec (bis 85.): Er war wie schon gegen Lautern auch heute wieder extrem fleißig, lief hinter jedem Ball her – und suchte endlich auch mal den Pass in die Tiefe und vor allem auch den direkten Abschluss. Das wurde auch gleich belohnt mit dem 3:1. Note: 2
Marco Richter (ab 85.): Er sollte mit seiner Ballsicherheit die letzten Minuten heil über die Bühne bringen. Zwei Sprints, 5 Ballkontakte und ein Fehlpass durfte er noch beisteuern.
Jean-Luc Dompé: Seine Flanke in der 10. Minute ist genau das, was ihn immer stark macht. Erst das Solo mit seinem Dribbling, dann die scharf getretene Flanke, die für jeden Kopfballspieler ein Traum – und für jeden gegnerischen Keeper ein Alptraum ist. Schade, dass Selke den nicht reingemacht hat. Dafür holten die beiden das beim 2:1 sehr schön nach! Er war heute wieder bärenstark und gewann das Duell mit seinem Ex-Kollegen Heyer nach Belieben. Dass er zum Ende hin abbaute – okay, geschenkt! Insgesamt war das wieder gut! Note: 2
Emir Sahiti (bis 85.): Fand in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel – und hätte trotzdem in der 29. Minute das 2:1 machen müssen, als ihm der Ball beim Abpraller ein wenig versprang. Seine Bemühungen nach vorn liefen heute oft ins Leere, und seine Abschlüsse wurden allesamt geblockt. Das kann er besser. Note: 4
Fabio Baldé (ab 85.): Wurde Neuzugang Mebude erneut vorgezogen. Das hat auch etwas zu sagen. Aber was er in den paar Minuten defensiv nicht machte, war zu viel für diese kurze Zeit.
Ludovit Reis (bis 90.): Er begann schon sehr stark, war aggressiv in den Zweikämpfen und um Tempo am Ball bemüht. Er holte viele Bälle zurück, gewann seine Zweikämpfe und bereitete das 1:0 von Muheim mit energischem Einsatz vor. Er suchte die Offensive, stärkte die Defensive. Die Standing Ovations und den Extra-Applaus hatte er sich als bester Mann auf dem Platz redlich verdient! Hoffentlich kann Reis dieses Niveau konservieren und damit nicht nur heute ein echter Faktor werden! Note: 1
Otto Stange (ab 90.): Er kam, sah – und traf! Geile Geschichte, vor allem für den Jungen selbst!!
Davie Selke (bis 67.): Wenn die Gegner sich beschweren, dass er zu hart spielt, dann macht er sehr viel richtig. Ich meine, das machte er eh – aber dieser Umstand unterstreicht das noch einmal zusätzlich. Wie wichtig er ist, zeigte er beim 2:1 nach der Dompé-Ecke. Und leider werden wir es am kommenden Wochenende sehen müssen – denn er ließ sich zu einer unnötigen Gelben Karte hinreißen – seiner fünfte! Er wird gesperrt fehlen. Note: 2
Ransford Yeboah Königsdörffer (ab 68.): Haute sich voll rein, wirkte aber manchmal etwas zu wild. Note: 3
Trainer Merlin Polzin: Vertraute auf die Mannschaft, die es in Paderborn nicht auf den Platz bekommen hatte – in der Hoffnung auf eine positive Reaktion? Er bekam sie! Die erste Halbzeit war bärenstark. Mit zwei Mankos: Zum einen darf man den Gegentreffer nicht so kassieren. Zum anderen hätte seine Mannschaft drei, vier Tore mehr erzielen müssen. Aber dieser Auftritt war wieder das, was gebraucht wird, wenn man am Saisonende ganz oben stehen will. Note: 2
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis (76. Hefti), Hadzikadunic, Elfadli, Muheim - Meffert - Karabec (85. Richter), Reis (90+3. Stange) - Sahiti (85. Balde), Selke (76. Königsdörffer), Dompe
Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier - Heyer, Oberdorf, Hoffman (76. Iyoha), Siebert, Gavory (86. van Brederode) - Zimmermann, Kwarteng (52. Appelkamp), Johannesson - Kownacki (86. Niemiec), Pejcinovic (76. Vermeij)
Tore: 1:0 Muheim (7.), 1:1 Kownacki (18.) 2:1 Selke (40.), 3:1 Karabec (66.), 4:1 Stange (90+4.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Dr. Florian Exner (Münster)
Gelbe Karten: Selke (68.), / Kastenmeier (8.), Siebert (58.), Hoffmann (68.), Zimmermann (90+5.)
STIMMEN ZUM SPIEL:
Daniel Elfadli: Wir sind sehr glücklich über den Sieg und darüber, dass wir das umsetzen konnten, was wir uns vorgenommen hatten. Und es war nicht nur ein erkämpfter Sieg, sondern auch gut herausgespielt und mit sehr viel Struktur und einem klaren Plan, den wir gut umgesetzt haben und der super funktioniert hat. Wir als Mannschaft und die Fans mit ihrer großen Energie haben heute wieder mal gezeigt, welch große Wucht der HSV hat. Da ist es für jede Mannschaft schwer, hier im Volksparkstadion zu bestehen.
Jonas Meffert: Ich habe gestern schon gespürt, dass die ganze Mannschaft total bereit ist. Uns war wichtig, nach dem Rückschlag in Paderborn zurückzukommen und die richtige Reaktion zu zeigen. Das hat mit den Fans im Rücken geklappt. Die Stimmung war überragend und es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht, hier heute Fußball zu spielen. Die Abendspiele liegen uns einfach, das war ein top Auftritt und ich hatte während des Spiels die ganze Zeit überzeugt, dass wir heute so gut sind, dass wir dieses Spiel gewinnen werden.
Ludovit Reis: Es war ein sehr gutes Spiel von uns und ich bin happy, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Ich fühle mich nach meiner Verletzung wieder leicht und bin bei einhundert Prozent. Als die Fans mich bei der Auswechslung so laut gefeiert haben, da hat es mir wieder einmal gezeigt, dass wir hier beim HSV eine große Familie sind. Ich möchte aber nicht so viel über mich reden, sondern über die Mannschaft. In der haben wir im Moment einen sehr guten Mix aus Defensive und Offensive. Wir müssen jetzt Schritt für Schritt weitermachen, Spiel für Spiel. Wir als Mannschaft glauben an uns.
Adam Karabec: Wir hatten wieder eine unglaubliche Unterstützung von den Fans, die uns die ganze Zeit angefeuert haben. So konnten wir eine sehr gute und dominante Leistung zeigen. Wir haben uns auch von dem Gegentor nicht aus der Ruhe bringen lassen und haben weiter unseren Fußball gespielt, für den wir unter dem Trainer stehen. Es ist schön, dass wir auch wieder viele Tore schießen und die Fans damit happy machen konnten. Jetzt geht es Schritt für Schritt weiter.
Merlin Polzin: Wir haben einen sehr reifen und souveränen Auftritt hingelegt. Wir sind gut ins Spiel gestartet und konnten viele Dinge umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben es immer wieder geschafft, eine Mischung zwischen Spielkontrolle und die Situationen, die Fortuna kreiert hat, früh zu verteidigen und gut abzusichern. Mit dem Tor von Miro haben wir es geschafft, mit Selbstvertrauen die Partie zu gestaltet. Beim Gegentor hat man gesehen, wie eiskalt die Düsseldorfer sind und warum sie in der Spitzengruppe der Liga mitspielen. Da ist der Ausgleich verdient gefallen. Wir haben es danach geschafft, unser Spiel wieder durchzudrücken und haben durch einen Standard zugeschlagen. In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, unser Spiel über 90 Minuten durchzuziehen. Wir wollten nicht verwalten, sondern auf das dritte Tor gehen. Das war am Ende mehr als verdient.
Daniel Thioune: Es war ein mehr als verdienter Sieg für den HSV. Es war zu erkennen, dass meine Mannschaft nicht die Qualität auf den Patz gebracht hat, die es braucht, um hier in Hamburg zu bestehen. Man muss auch anerkennen, dass von Anfang sehr viel Druck und Dominanz da waren. Es gipfelte in der Qualität beim 1:0. Ein tolles Tor von Miro Muheim. Wir waren situativ in der Partie drin. Danach war es ein Standard, der uns wieder in Rückstand gebracht hat. Wir haben aber offensiv nie so stattgefunden, wie ich es mir gewünscht hätte. Das hat auch über 90 Minuten nie dazu geführt, um auch ausreichend Stress auszuüben und sich hier mehr zu verdienen.
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