HSV: Noch mal einschwören für das Saisonfinale

by | 02.04.25 | 60 comments

So kann es kommen. Eben noch diskutieren wir die Bedeutung von Jonas Meffert für den HSV – und schon droht er auszufallen. Nach einem Zusammenprall mit Emir Sahiti brach sich der Mittelfeldspieler die Nase und musste operiert werden. Im Universitätsklinikum Eppendorf wurde Meffert heute bereits erfolgreich operiert und durfte das Krankenhaus anschließend wieder verlassen. Ob er am Wochenende in Nürnberg spielen kann? Eher unwahrscheinlich. Das weitere Vorgehen hänge davon ab, wie schnell die Schwellung im Gesicht des 30-Jährigen zurückgeht, hieß es seitens des HSV, der heute vom Mallorca-Trip zurückkehrt.

Neben der unglücklichen Meffert-Verletzung gab es noch einen präventiven Trainingsabbruch von Jean-Luc Dompé sowie den krankheitsbedingten Ausfall von Selke, der aber bis Nürnberg wieder fit sein dürfte. Dennoch kehrte das Team heute mit einigen positiven Eindrücken aus dem Kurztrainingslager zurück.

Wie sinnvoll war dieses Trainingslager für den HSV, wird noch immer sehr kontrovers diskutiert. Ich persönlich habe den Eindruck, dass es sehr wirksam war, wenn man hört, wie die Mannschaft vor Ort noch enger zusammengewachsen ist. Fakt ist: Die Spieler haben deutlich mehr Zeit miteinander verbracht, als sie es in Hamburg getan hätten. Zudem gab es sehr intensive Einheiten – auch verbal. Tom Mickel beispielsweise stauchte seine Mitspieler auf dem Platz zusammen, nachdem die Mannschaft nicht ordentlich nach hinten gearbeitet hatte. Schonlau wurde ebenfalls laut, als die Außenverteidiger zu viele Flanken zuließen.

Und das ist gut. Sehr gut sogar! Denn wie eigentlich jedes Team braucht auch der HSV diese Reibungen, um fokussiert zu bleiben. Um das bis Saisonende zu sichern, haben sich die Führungsspieler zudem im Trainingslager zusammengesetzt und noch einmal intensiv ausgetauscht, worauf es in den nächsten Wochen ankommt. Einer der Punkte war hierbei auch das Verhalten in Trainingseinheiten – mit den nun erlebten Folgen, die in der richtigen Dosierung absolut leistungsfördernd sind. Zumindest kenne ich es noch aus meiner Amateurzeit: Erfolge machen zunächst hilfreich selbstbewusst – aber auf Dauer auch mal zu schnell zufrieden. Wachrüttler wie die Ausbrüche von Mickel und Schonlau im Training sind dabei sehr wirkungsvoll, damit niemand zu selbstzufrieden wird.

Solche Momente nenne ich übrigens „Führung“, denn sie lenken den Fokus der Mannschaft aufs Wesentliche: darauf, nichts für selbstverständlich zu erachten und weiter Vollgas zu geben.

Einer, der sowieso brennt wie Zunder, ist Robert Glatzel. „Als ich Ende November meine Krücken wegwerfen konnte, Anfang Januar das erste Mal wieder Fußballschuhe anzog sowie leichtes Individualtraining absolvierte und im Februar wieder ins Mannschaftstraining einstieg, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Als ich dann mein erstes Trainingstor erzielte, habe ich es nie zuvor so laut bejubelt. Jetzt hoffe ich auf den Aufstieg mit dem HSV, denn die Lust auf die Bundesliga ist groß“, erklärte er in der SportBild. Auf dem Weg dahin sei das Trainingslager auf Mallorca sinnvoll gewesen. „Weil man als Mannschaft nochmals enger zusammenrückt, dort hart und konzentriert – aber auch mit der entsprechenden Freude – arbeitet“, so der Stürmer. „Doch wir wissen auch: Ist das Ergebnis in Nürnberg am Samstag nicht positiv, wird es uns negativ ausgelegt.“

Und ich frage nicht nur mich, sondern auch euch: Ist das wirklich automatisch so? Ich kann es mir für meinen Teil nicht vorstellen. Zudem waren die üblichen, täglich berichtenden Medien mit der größten Reichweite ohnehin vor Ort und konnten sich selbst davon überzeugen, dass gut trainiert wurde und der Trip für das Teambuilding zuträglich war.

Warum also sollte man Kritik am Trainingslager akzeptieren? Nur weil das Ergebnis nicht stimmt? Muss man einen Sieg in Nürnberg wirklich fest einplanen können?

Ich tue mich mit diesem Denken schwer, da es voraussetzt, dass der HSV besser ist als alle anderen. Das kann er sicher sein – aber eben auch nur, wenn er an sein Leistungslimit kommt und parallel der Gegner nicht über sich hinauswächst, so wie es Elversberg zuletzt im Volksparkstadion getan hat. „Die 2. Liga ist so eng, jedes Wochenende ist alles möglich. Da muss man dranbleiben. Wenn der 1. FC Köln und der HSV ihre Aufgaben erfüllen und ihren Job machen, dann werden alle anderen keine Chance haben“, sagt indes Hannover-96-Coach André Breitenreiter und bezieht den 1. FC Köln in seine Rechnung mit ein: „Sie haben mit Abstand die besten Voraussetzungen in allen Bereichen“, so der ehemalige HSV-Profi weiter.

Wichtig ist und bleibt aber, dass der HSV intern anders tickt als der eine oder andere Fan. Mein Bruder plant beispielsweise schon eine große Party vor und nach dem letzten Heimspiel gegen den SSV Ulm – wovor ich ihn heute gewarnt habe, als er mir davon erzählte. Die Mannschaft hingegen – und das dürfte dieses Trainingslager noch einmal verdeutlicht haben – weiß sehr wohl, dass sie immer nur von Woche zu Woche denken darf. Frei nach Sepp Herberger: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Zumal dann, wenn der psychische Druck in der Saisonschlussphase noch einmal ansteigt …

Apropos Druck: Den dürfte auch Sebastian Schonlau verspüren. Mindestens in Nürnberg wird er Dennis Hadzikadunic vertreten müssen. Und er weiß, dass er von Fans wie Verantwortlichen besonders beobachtet wird. Heute kamen meine Kollegen vom Hamburger Abendblatt mit einem pikanten Vertragsdetail um die Ecke: Eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre tritt automatisch in Kraft, wenn Schonlau in fünf der letzten sieben Spiele mindestens 45 Minuten auf dem Platz steht.

Eine Klausel, die so absurd ist, dass ich sie zuerst gar nicht glauben wollte. Wie um Himmels willen kommen ein Sportvorstand Jonas Boldt samt Sportdirektor Claus Costa auf die Idee, einem Spieler eine automatische Vertragsverlängerung um zwei Jahre zu gewähren, dessen Erstligatauglichkeit längst nicht gesichert ist?

Unfassbar …

Dennoch möchte ich die Worte von Stefan Schnoor aus unserem letzten Talk noch einmal aufgreifen: Sebastian Schonlau braucht jetzt den Zuspruch und das Vertrauen aller Beteiligten – insbesondere seitens der Fans. Denn nur dann kann er dem HSV mit seinen Mitteln maximal helfen. Deshalb werde ich das an dieser Stelle auch so handhaben und noch einmal betonen, was ich immer schon gesagt habe: Beim HSV mag es aktuell formstärkere Innenverteidiger geben, aber Schonlau ist auf Zweitligaebene immer noch ein überdurchschnittlich guter Verteidiger.

In diesem Sinne, bis morgen!

Da melde ich mich wieder mit einem neuen Talk – inklusive eines echten Special Guests! Das wird gut!! Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon darauf!

Scholle

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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Meaty
1 Tag zuvor

Nein, verlangen kann man einen Sieg in Nürnberg natürlich nicht.
Was man aber verlangen kann, ist ein deutliches Zeichen der Mannschaft auf dem Spielfeld, dass das auf Malle neugeknüpfte Band zwischen Spielern, Manschaft und Trainerteam auch deutlich
sichtbar wird!
D.h. nichts anderes als hundertprozentigen Einsatzwille, Mut und Gier von ALLEN HSV Kickern von der ersten bis zur letzten Sekunde!
Die Gier und der Wille der letzten Aufsteiger war immer zu erkennen, obwohl einige Teams fußballerisch nie die Möglichkeiten eines HSV hatten – dieses sollte Warnung genug sein!

juke
1 Tag zuvor

Bei der genannten Klausel bei Schonlau handelt es sich doch wohl nur um einen April-Scherz…
Wenn nicht, dann gehören ALLE Entscheider sofort entlassen!!
Diese Dilettantenhaben dann ihr Fach nicht gelernt!

Last edited 1 Tag zuvor by juke
Marcel Jacobs
1 Tag zuvor

Gegen Nürnberg sollte schon gewonnen werden. Das ist in meinen Augen auch nicht arrogant weil sie dem HSV (das Hinspiel mal ausgeklammert) immer lagen. Dazu fehlt der beste Stürmer und sein Ersatz sollte ja für einen überdurchschnittlichen Zweiigaverteidiger kein Problem sein. Wichtig wäre ein Sieg vor allem um kein Länderspielpause break zu zulassen. Pause, Unentschieden, Malle und kein Sieg in Nürnberg da wäre dann der März einfach in den April gerutscht. Und wer vom HSV will schon ein Endspiel in Ulm wenn die sich vielleicht noch retten können. Das verliert der HSV dann garantiert und das ganz unabhängig vom Monat des Jahres.

Frank Schnoor
1 Tag zuvor

Meines Wissens hat S. Schonlauch einen Vertrag bis 2026….Falls die Klausel erfüllt wird verlängert sich der Vertrag um EIN Jahr, was trotzdem Wahnsinn ist.
Danke nochmals Jonas Boldt, der ja auch eine Klausel im Falle eines Aufstiegs hat.
das glaubst du doch Alles nicht, Junge Junge…

Darmzotte
1 Tag zuvor

Tatsächlich heißt es: *Nur wenn der spielstarke Verteidiger in mehr als fünf der restlichen sieben Saisonspiele jeweils für mindestens 45 Minuten zum Einsatz kommt, dann verlängert sich sein bis 2026 gültiger Vertrag um ein Jahr bis 2027.*

Dies wäre eine Verlängerung um EIN Jahr.

Volker Gramkau
22 Stunden zuvor

Es bringt ja nix, immer und immer wieder die Fehler der Vergangenheit zu nennen.
Wie die Verträge zustande gekommen sind, zwar teilweise unglaublich, aber nicht mehr zu ändern.
Erwartung:
Ich erwarte, daß sich die Spieler für das große Ziel „Aufstieg“ zerreißen, alles geben und zwar jeder.
Ich erwarte nicht, dass alle Spiele gewonnen werden, aber kein Spiel darf mehr verloren gehen. Alle restlichen Heimspiele müssen gewonnen werden und die restlichen Auswärtsspiele auf keinen Fall verlieren.
Die anderen Kandidaten für den Aufstieg, Köln, Paderborn usw werden auch noch Federn lassen.
Ich tippe in Nürnberg auf einen 3:1 Sieg unserer Mannschaft.
Grüße aus Lünen und allen ein schönes Wochenende.

Nordisch
1 Tag zuvor

Die Reaktion auf diese Klausel kann eigentlich nur sein, Schonlau nicht mehr spielen zu lassen bis eine Verlängerung rechnerisch unmöglich ist. Unglaublich.

Und mit Costa darf natürlich auch nicht verlängert werden, was aber umgekehrt heißt das Kuntz genau jetzt! einen Nachfolger fix machen muss. Außer, es will es selber machen?

Buffy
1 Tag zuvor

Mal was anderes: wie wird eigentlich gefeiert? Der HSV hat ja praktisch keine Erfahrung mit großen Feierlichkeiten, kaum jemand erinnert sich noch an die Meisterschaften und Pokalsiege. St. Pauli winkt vom Schmidt-Theater und feiert aufm Kiez. Und der HSV? Rathausbalkon? Parkplatz vorm Stadion? Was ist angemessen, was ist organisierbar? Ich bin gespannt…

Dennik Weis
1 Tag zuvor

Schade, dass die mopo ihren Kommentarbereich auf Grund der Bezahlschranke quasi geschlossen hat, so bleibt einen für den Austausch ja quasi „nur“ noch dieser Blog.

Was mich mal interessieren würde: Spätestens seitdem Costa wegen seiner Genialität „befördert“ wurde, liegt die Verantwortung fürs Scouting ja bei Dirscherl. Hat der schon was gutes hinbekomen, können wir zuversichtlich sein, dass er im Falle des Aufstiegs ein paar Juwelen findet, wie kann man den Kollegen generell so einstufen/bewerten?

Hessenhrubesch
1 Tag zuvor

Auch Nürnberg hat Personalprobleme, dort fehlen Knoche, Castrop und Tzimas.

Goczol
1 Tag zuvor

Sollte dann vielleicht 3er Kette???

Heuer Fernandes
Hefti – Schonlau- Muheim

Karabec- Reis – Elfadli – Richter – Domp’e

Königsdörffer- Selke ( wenn Fit)

Norbert Schröder
1 Tag zuvor

Mit dieser Vertragsklausel ist eigentlich alles gesagt. Dieser „Mindset“ erstickt jedenfalls alles was mit Leistung zu tun hat. Im Rückblick wird klar, warum sich die Wade in den jeweiligen Vorbereitungszeiten geschont hat.
Ich weiß, sehr gehässig, aber so ein Vertrag entspricht ja einer bestimmten „Denke“. Schonlau wird das gefordert haben und Boldt hat „Ja“ gesagt.
Der Schatten von Boldt ist lang, länger als ertragbar.
Nun denn, wer weiß welche Details in 4 Jahren transparent werden wenn Jatta dran ist mit seiner Vertragsverlängerung.

Last edited 1 Tag zuvor by Norbert Schröder
Buffy
1 Tag zuvor
Kuchi
1 Tag zuvor

Seltsame Sichtweise auf den Ausflug nach Mallorca….aber ok.

„Zudem gab es sehr intensive Einheiten – auch verbal.“ – das hätte man auch in Hamburg haben können, wenn man es wollte. Dazu noch viel billiger.

„Eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre tritt automatisch in Kraft..“ – wer hat sich das denn ausgedacht? Das sollte man unbedingt verhindern!!

„Muss man einen Sieg in Nürnberg wirklich fest einplanen können?“ – ja sicher, wenn man aufsteigen will. Eben weil die Positionen leicht und schnell getauscht werden können, ist an jedem Spieltag der Sieg eine Pflicht. Da hätte man nicht soviel unter Baumgart verschenken dürfen. Das rächt sich halt irgendwann.

„wenn der psychische Druck in der Saisonschlussphase noch einmal ansteigt…“ – wer dem nicht gewachsen ist, sollte nach Fürth wechseln. Da gibt es den nicht.

Jenson-button
23 Stunden zuvor

Wenn Schonlau sowieso Vertrag bis 2026 hat, gilt die Klausel doch erst für die letzten Spiele der Saison 2025/26, oder? Es wäre schön den richtigen Text zu kennen, zumal wir andere Themen haben.

tobyseal
22 Stunden zuvor

Dompe, Hatschi und Meffort fallen beim Club aus…gute Nacht