Aktuell

Der HSV hat gewählt - jetzt geht's wieder um Fußball

Marcell Jansen ist erneut Präsident des Universalsportvereins Hamburger SV e.V. Der 35 Jahre alte Aufsichtsratsvorsitzende wurde bei der Mitgliederversammlung mit 263 von 382…

Der HSV hat gewählt - jetzt geht's wieder um Fußball

Marcell Jansen ist erneut Präsident des Universalsportvereins Hamburger SV e.V. Der 35 Jahre alte Aufsichtsratsvorsitzende wurde bei der Mitgliederversammlung mit 263 von 382 gültigen Stimmen (68,8 Prozent) gewählt. 119 Mitglieder votierten gegen ihn. Hintergrund hierfür: Jansen war der einzige Kandidat für den Chefposten des knapp 84 000 Mitglieder starken Vereins, der in 34 Abteilungen verschiedene Sportarten und Fitnesssparten anbietet. Dass davon heute nur gut 400 den Weg zur Wahl fanden – es sollte dem HSV zu denken geben. 

Jansen, Wehmeyer und Papenfuß bilden neues Präsidium

Diesmal trat Jansen, der zu Beginn des Jahres nach internen Differenzen mit seinen Vizepräsidenten Moritz Schaefer und Thomas Schulz geschlossen zurückgetreten war, zusammen mit Bernd Wehmeyer, und Michael Papenfuß, 66 Jahre alter Finanzexperte, als Führungsteam an. Wehmeyer, für dessen Kandidatur Gegenkandidat Dr. Ralph Hartmann unter dem Applaus der Anwesenden von seiner Kandidatur zurückzog,  erhielt 82,8 Prozent der Stimmen, Papenfuß kam auf 89,4 Prozent.

Wobei: Wie oben schon beschrieben war die Resonanz auf die Veranstaltung erwartungsgemäß gering. Üblicherweise erscheinen zu Wahlen mindestens 1000 Mitglieder. Diesmal waren es zu Beginn nur 428. Dazu kamen 160 Vereinsmitglieder, die sich via Livestream hatten zuschalten lassen, die aber nicht stimmberechtigt waren. Von den 86 943 Mitgliedern im Jahr 2020 hat der Verein durch die Pandemie übrigens mehr als 3000 Mitglieder verloren und steht aktuell bei 83 705 Mitgliedern. 

In einem Bericht der ausgegliederten Fußball-AG betonte Finanzchef Frank Wettstein: „Wir sind durch die Pandemie noch immer in der größten Krise im Fußball.“ Der HSV -Vorstand nannte den Umsatzeinbruch „immens“. Auf 120 Millionen Euro in der Saison 2019/20 folgte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 ein Absturz auf rund 50 Millionen Euro. Wettstein kündigte erneut einen „deutlichen Fehlbetrag“ an. Das konkrete Ergebnis wird im Herbst bekanntgegeben. Problem diesmal: Man hat in den letzten Jahren immer wieder einen Weg gefunden, hohe Sondereinnahmen (Kühne, Fan-Anleihe, Grundstücksverkauf etc.) zu generieren. Aktuell scheint dieses Pfund aber ausgeschöpft.

Kein Geld, neues Minus erwartet - aber Aufstieg bleibt Ziel

Dennoch und trotz des dritten in Folge verpassten Aufstiegs in die Bundesliga meinte Sportvorstand Jonas Boldt: „Wir sind einige Meter vorangekommen. Wir haben es geschafft, viel mehr zusammenzuhalten, wieder für etwas zu stehen.“ Boldt entschuldigte den Trainerwechsel von Daniel Thioune zu Tim Walter als unausweichlich, um nicht „etwas stur durchziehen zu wollen, was augenscheinlich nicht funktioniert“. Nachfolger Walter beschrieb er als „Trainer, der brennt, der einen mutigen Weg geht". 

Jansen hatte in seiner Wahlrede zu Einigkeit aufgerufen. „Zwietracht, Missgunst und Intoleranz dürfen in diesem Verein keinen Platz mehr haben“, sagte er in seiner Wahlrede und fand damit die Zustimmung der Mitglieder. Mit seinem Zukunftskonzept „Vereint 2025“ will er Differenzen im Verein überwinden und mehr Gemeinsamkeit herstellen. „Wir sollten lieber machen als meckern“, forderte Jansen, der am Wahltag selbst mit einem so genannten Expertenteam noch einen Coup gelandet hatte.

Zu diesem Expertengremium, mit dem Jansen gehören Online-Marketing-Rockstars-Gründer Philipp Westermeyer, Miniatur-Wunderland-Geschäftsführer Frederik Braun, Hafenchef Jens Meier sowie die frühere Bundesligaspielerin und Gründerin der Nachhaltigkeitsplattform Aware, Lena Schrum. Sie soll gemeinsam mit Horst Hrubesch auch als Expertin für das Thema Frauenfußball als Impulsgeberin für den HSV e.V. zur Verfügung stehen. „Wir wollen auf die Expertise von Entscheidern aus der Stadt Hamburg zurückgreifen, die in ihren Fachgebieten den HSV unterstützen können. Wir brauchen starke Köpfe“, sagt Jansen dem Hamburger Abendblatt und untermauerte diese Absichten heute auf der Mitgliederversammlung noch einmal. „Das Ziel ist es, dass wir uns regelmäßig zu Projekten und Themen austauschen. Als Präsidium wollen wir unseren Horizont erweitern und Herausforderungen gemeinsam meistern. Insgesamt sind wir sehr dankbar, dass so ein Kaliber an Hamburger Persönlichkeiten uns unterstützt.“ 

Ein ebenso cleverer und gewinnbringender Schachzug wie eine smarte Idee. Denn genau darum muss es tatsächlich gehen für den HSV, dessen Umsätze zusehends wegbrechen: Er muss in Hamburg wieder das vertrauen und die Gunst der Wirtschaft zurückgewinnen, die der HSV in der Ära Bernd Hoffmanns, Dietmar Beiersdorfers und Katja Kraus‘ verspielt hatte, als man sich immer größer wähnte und den hiesigen Geschäftsleuten das Gefühl vermittelte, sie könnten mit dem Wachstum des HSV finanziell nicht schritthalten.

Im DFB-Pokal geht's am Sonntag nach Braunschweig

Ein Stimmungs-Highlight auf der heutigen Mitgliederversammlung war die Verkündung des Pokal-Aus‘ Werder Bremens. Die Nordrivalen verloren beim VfL Osnabrück überraschend mit 0:2 und sorgten für Jubel auf der Westtribüne. Und ich hoffe, dass man diese Schadenfreude morgen nach dem eigenen Pokalauftritt bei Eintracht Braunschweig (Anpfiff 18.15 Uhr) nicht bereut. Denn das Spiel bei den Löwen wird alles andere als einfach, obwohl die gastgebenden Niedersachsen aktuell starke Form-Probleme haben. Vielleicht sogar genau deswegen, denn genau diesen Liga-Fehlstart will der Zweitliga-Absteiger im DFB-Pokalspiel vergessen machen. „Wir müssen Gas geben und viel leiden. Der HSV ist extrem spielstark“, sagte Trainer Michael Schiele.

Nach dem 0:4 gegen Viktoria Berlin verpflichtete die Eintracht in den vergangenen Tagen noch die beiden Bielefelder Jomaine Consbruch und Sebastian Müller sowie den Mittelfeldspieler Enrique Peña Zauner vom SV Sandhausen nach. „Durch die Neuzugänge haben wir in der Breite zugelegt und sind flexibler. Die Partie gegen Viktoria Berlin war ein bitterer Nachmittag. Wir haben gleich Montag mit der Aufarbeitung begonnen. Jetzt schauen wir aber nach vorne“, sagte Schiele.

HSV-Trainer Tim Walter hatte sich ja am Freitag schon zu seinen Ambitionen und seine Vorfreude auf den DFB-Pokal geäußert. Er nannte den Pokal einen „richtig geilen Wettbewerb“ auf den er richtig Bock habe. Sicher auch deshalb, weil er nahezu alle Spieler wieder an Bord hat. Zumindest sind die zuletzt angeschlagenen Josha Vagnoman, Anssi Suhonen und Jeremy Dudziak auch wieder einsetzbar. Einzig Jonas Meffert wird weiter ausfallen. Ihn dürfte Moritz Heyer auf der Sechs ersetzen.

https://soundcloud.com/user-36211795/fr-06-08-2021

Bis auf diesen einen Wechsel rechnen die meisten mit einer identischen Startelf gegenüber dem Ligabetrieb.  Wobei ich darauf hoffe, dass wenigstens Mikkel Kaufmann ganz vorn einmal über 90 Minuten (oder zumindest von Beginn an) zum Einsatz kommt. Denn bislang hat mir der Däne bei seinen Kurzauftritten durch Einsatz und Willen gefallen. Jetzt wäre ich gespannt, ob der junge Angreifer das auch spielerisch umzusetzen weiß. Gegen einen sehr tief stehenden Gegner – so wird Braunschweig erwartet – wäre es zumindest ein sehr guter Probelauf für den Ligabetrieb. Dass ich auch sonst ein paar Wechsel vorgenommen hätte, hatte ich Euch ja schon geschrieben. Daher mache ich heute zwei Aufstellungen. Zunächst die erwartete, danach meine. Wie würdet Ihr spielen lassen?

Erwartet: Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold – Heyer – Reis, Kinsombi – Jatta, Glatzel, Wintzheimer. 

Meine Startelf: Heuer Fernandes – Vagnoman, David, Schonlau, Leibold – Heyer – Reis, Kittel – Wintzheimer, Kaufmann, Jatta

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich nach dem Pokalspiel wieder bei Euch! Bis dahin,

Scholle

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Spielbericht HSV gewinnt letztes Testspiel mit 2:1- Eure Meinung ist gefragt Der HSV entscheidet das letzte Testspiel vor dem Pflichtspielstart in Verl mit 1:2 für sich. Torschützen beim Sieg waren Otto Stange und Albert Grønbæk. Schreibt unbedingt eure Eindrücke in die Kommentare, damit wir über das Spiel sprechen können Weiterlesen