Die Stürmerfrage: Wer stürmt in der kommenden Saison für den HSV?
Nach den Abgängen von Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer steht der HSV vor einer Neuausrichtung im Angriff. Wir werfen einen Blick auf die verbleibenden Optionen im Kader.

Die Stürmerfrage beim HSV
Die Stürmerfrage beim HSV bleibt weiterhin offen. Dabei stellt sich vor allem die taktische Grundsatzfrage: Wie will der HSV agieren? Spielt man mit zwei Offensiven hinter einer Spitze oder mit zwei Spitzen vor einem Spielmacher? Nachdem der Abgang von Robert Glatzel so gut wie sicher ist und Königsdörffer nach Mainz wechselt, gibt es für einen möglichen Doppelsturm gar nicht mehr so viele Kandidaten. Aktuell stehen mit Otto Stange, Yussuf Poulsen und Rayan Philippe noch drei Akteure im Kader, die potenziell auf der Stürmerposition zum Einsatz kommen könnten.
Yussuf Poulsen: Mentor mit Fragezeichen
Bei Yussuf Poulsen ist nach wie vor unklar, wie es um seine Fitness steht. Er fiel in dieser Saison extrem häufig aus, hatte immer wieder Probleme und konnte nicht konstant zum Einsatz kommen. Er wird sicherlich erst einmal als Backup eingeplant, der vor allem die Rolle des Mentors einnehmen soll. Sollte es Interessenten geben, wird sich der HSV sicherlich Gedanken machen, ob man ihn abgibt. Davon gehe ich jedoch erst einmal nicht aus; er bleibt wohl vorerst für die Bank und als erfahrene Stütze im Kader.
Otto Stange: Leihe als Chance?
Bei Otto Stange ist fraglich, wie er eingeplant ist. Ein Startelfplatz käme meines Erachtens etwas zu früh, er könnte weiterhin als Backup dienen. Hier stellt sich die Frage, ob der HSV einem Leihgeschäft zustimmen würde. Ein Angebot mit viel Spielzeit in der 2. Liga wäre eine gute Möglichkeit – vorausgesetzt, dem HSV wird zugesichert, dass Stange dort auch regelmäßig zum Einsatz kommt. Stange konnte in Elversberg bereits andeuten, was er drauf hat. Eine ganze Saison als Stammspieler bei einem offensiv ausgerichteten Team würde ihn extrem nach vorne bringen. Zwar hat er im Heimspiel gegen Leverkusen gezeigt, dass er in der Bundesliga mithalten kann, konnte diese Ansätze gegen Freiburg und im letzten Spiel in Leverkusen jedoch nicht ganz bestätigen.
Rayan Philippe: Die interne Lösung?
Bleibt noch die Personalie Rayan Philippe, bei der es nun spannend wird. Wie einige Medien berichten, könnte Philippe für die nächste Saison die interne Lösung für die Stürmerfrage sein. Grundsätzlich sehe ich den Punkt: Philippe verfügt über ein richtig gutes Tempo, was er im Spiel gegen Mainz und mit seinem Tor in Hoffenheim andeuten konnte. Dennoch hat er in dieser Saison nicht wirklich überzeugt. Ich erinnere mich an das Heimspiel gegen Bremen, in dem er nominell als Mittelstürmer auflief und fast gar nichts zeigte – inklusive eines kläglich versemmelten Kopfballs aus kurzer Distanz.
Philippe spielte häufig als Rechtsaußen, zog dann aber immer wieder in die Mitte. Wenn er nun im Doppelsturm oder als einzige Spitze vor zwei Spielmachern agiert, kann sich das definitiv ändern. Ich denke nach wie vor, dass Philippe mit seinem Tempo und einem vernünftigen Abschluss diese Rolle einnehmen kann. Ich kann aber auch die Leute verstehen, die bis jetzt nicht überzeugt sind. Seine Leistungen wirken oft so, als würde er nur 80 Prozent seines Könnens abrufen. Wer ihn in Braunschweig gesehen hat, erlebte einen Spieler, der sein Tempo nutzte und keinen Körperkontakt mied. In der Bundesliga wirkt es hingegen so, als würde er bei Körperkontakt einfach aufhören.
Wie man hört, hat es auch in Braunschweig ein Jahr gedauert, bis Philippe angekommen ist. Wenn das beim HSV ähnlich läuft und er über 30 Spiele so performt wie damals, wäre er genau der Spieler, der uns hilft. Er würde sicherlich seine 8–10 Tore erzielen, da er mit seinem Tempo und dem hoffentlich zurückeroberten Willen ein richtig gutes Profil mitbringt – sei es als Spieler, der die Bälle in der Schnittstelle erläuft, oder neben einem großen Stürmer, der die Tiefe bespielt. Da er in dieser Saison jedoch nicht überzeugen konnte, stellt sich die Frage, ob er wirklich die Lösung ist oder ob man sich auf dem Transfermarkt bedienen muss. Der HSV muss so oder so mindestens einen neuen Stürmer holen; aufgrund der fraglichen Leistungen von Philippe sollte man sich überlegen, ob man nicht sogar noch einen weiteren Angreifer verpflichtet.
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