Alle Spieler zurück: Für Thioune „Luxus“, aber kein „Problem“

by | 29.03.21 | 81 comments

Es war voll auf dem Platz. Was gut ist. Denn so langsam kehren alle wieder zurück. Und damit meine ich nicht nur die Nationalspieler, sondern vielmehr die Rekonvaleszenten. Toni Leistner beispielsweise, der dem HSV mit einem Muskelbündelriss wochenlang fehlte, trainierte ebenso wie Jeremy Dudziak nach seiner erneuten Schulter-Verletzung. Wobei Dudziak zwischendurch mit dem Rehatrainer auf dem Nebenplatz trainierte. „Jerry hat heute nur im geschützten Raum mitgemacht. Er war der einzige auf dem Platz, den wir noch ein Stück weit rausnehmen mussten“, schränkte Trainer Daniel Thioune nach der Einheit ein.  Beim Training noch nicht dabei war hingegen Top-Torjäger Simon Terodde, der nach überstandener Corona-Quarantäne (heute Nacht um null Uhr läuft seine Quarantäne aus) am Dienstag zunächst noch einen Leistungstest durchführt, bevor er wieder zum Team dazustößt. Für Trainer Daniel Thioune gute Voraussetzungen vor dem Spiel am Sonntag bei Hannover 96.

Und vor allem die Frage, wann Terodde denn wieder voll einsatzfähig ist, beschäftigte heute meine Kollegen in der Fragerunde mit dem Trainer. „Seine Tests sind negativ. Heute null Uhr darf er raus. Morgen untersuchen wir ihn dann und er wird noch individuell trainieren“, so Thioune über seinen Toptorjäger, der zuletzt gegen Heidenheim ausgefallen war und seither nicht auf dem Platz trainieren konnte. Wie der Plan mit ihm aussieht? Thioune: „Am Mittwoch wird er erst mal nur Teile des Trainings mitmachen, weil da unseren Hochbelastungstag haben. Am Donnerstag dann wird er voraussichtlich wieder das Training komplett aufnehmen.“ Erst dann würde man wirklich erkennen können, ob und inwieweit ich n die Pause zurückgeworfen habe. „14 Tage Fahrradfahren zuhause ist halt doch noch was anderes. Wir werden aber schnell sehen, wie er auf die Belastung reagiert. Und eines ist klar: Wir wissen, was wir an ihm haben.“ Und obwohl Heidenheim nicht viel Grund für Veränderungen geliefert hätte, würde Terodde wieder zum Team stoßen. Thioune: „Auf jeden Fall ist er dabei, er wird sofort wieder im Kader stehen.

Insgesamt könnten neben Terodde mit Dudziak (muss man noch abwarten) sowie Leistner und  van Drongelen am Ende gegen Hannover fast alle Profis wieder im Kader stehen. Thioune: „Toni wird am Mittwoch voll in die Belastung mit reingehen, dann sehen wir von Tag zu Tag. Bei Rick gilt dasselbe.“ Ob sie beide für den Kader gesetzt wären? Eher nicht. „Ich weiß gar nicht, ob ich beide brauche. Die anderen haben es ja nicht so schlecht gemacht.“ Den Begriff „Luxusproblem“ nimmt Thioune jedenfalls mit einem Lächeln und sehr gern in Kauf. Er mag diese Situation: „In der Hinrunde hatten wir solche Momente schon mal. Da musste ich auch mal einen Gideon Jung beispielweise aus dem Kader streichen. Und es sind auch noch ein paar Tage Zeit. Es können sich alle noch ein bisschen zeigen, dann treffen wir die Entscheidung.“ Fakt aber ist, dass er seine Mannschaft so am besten auf den jeweiligen Gegner einstellen kann.

Zumindest normalerweise. Denn Hannover 96 ist nicht normal. Sagt Thioune. „Hannover ist schwer einzuschätzen, weil sie auch im System sehr wechselhaft gespielt haben“, verrät der HSV-Trainer. „Sie haben mal mit Raute, mal drei Spitzen, mal mit Dreierkette, die ich nicht erwarte, gespielt.“ Von daher werde er seine Mannschaft diesmal nicht auf ein bestimmtes System vorbereiten, sondern vor allem auf die eigenen Qualitäten setzen und seinem Team eine gewisse Bandbreite an Variationsmöglichkeiten mitgeben. „Diesmal werden wir wohl komplett bei uns bleiben und dann gegebenenfalls auf das reagieren, was sich letztlich auf dem Platz zeugt.“

Kader ist bestens gewappnet für den Saisonendspurt

Apropos auf dem Platz zeigen. Das durften Klaus Gjasula und Josha Vagnoman für die Nationalmannschaften. Und während sich Gjasula eine Gelbe Karte und damit die Sperre für das zweite Länderspiel seiner albanischen Nationalelf einhandelte, ist Josha Vagnoman in der EM-Vorrunde der deutschen U21 gesetzt. Wie Thioune die Auftritte seines Youngsters Josha Vagnoman bislang bewertet? „Solide. Er hat gezeigt, dass es unangenehm ist, gegen ihn spielen zu müssen. Nach vorn kam über die andere Seite sicher noch etwas mehr. Aber wenn er das auch schon hätte, würde er wahrscheinlich nicht bei der U21, sondern der A-Nationalelf spielen.“

Noch gar nicht eingesetzt wurde indes der zweite U21-Nationalspieöer des HSV, Stephan Ambrosius. Irgendwo habe ich heute gelesen, dass das wenige Training und das Banksitzen für den HSV-Innenverteidiger zum Nachteil werden könnte. Aber Thioune erklärte heute, warum dem nicht so ist: „Ich wünsche mir auch, dass er mehr auf dem Platz steht. Aber die auf dem Platz haben brutal hohe Qualität. Die spielen beide in der Ersten Liga“, relativiert Thioune völlig zurecht und fügt hinzu: „Ganz ehrlich:  Bei dem Tempo, das Stephan hier in den letzten Wochen und Monaten an Entwicklung hingelegt hat,  ist es vielleicht auch mal ganz gut, dass er mal etwas Luft bekommt, einmal durchschnauft und dann gegen Hannover wieder voll angreift.“ So ist es. Zumal allein die Nominierung Ambrosius mental weiteren Auftrieb geben wird.

Wie bei Ambrosius bin ich mir übrigens auch bei allen anderen sicher, dass sie positiv gestimmt in das nächste Spiel gegen Hannover gehen. Zumindest könnten das alle. Die einen, weil sie gesund zurück sind. Und die anderen, weil sie es zuletzt wirklich gut gemacht haben. Der Umstand, dass durch die Rückkehr der Rekonvaleszenten die interne Konkurrenz auch auf die zuletzt Guten wächst, dürfte der Faktor sein, den der Trainer am meisten pushen muss. Denn gerade in den letzten Spielen der Saison wird es auf die gesamte Kaderbreite ankommen. Von daher ist die aktuelle Situation für Thioune eher „Luxus“ – aber ganz sicher alles andere als ein „Problem“.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen, erfolgreichen und gesunden Start in die Woche. Ich melde mich dann morgen wieder bei Euch!

Scholle

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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Alex
3 Jahre zuvor

Hochbelastungstag. Klingt lustig.🤠

Last edited 3 Jahre zuvor by Alex
abraeumer
3 Jahre zuvor

Mit Ambrosius, Vagnoman, Janelt und Nmecha sind 4 Hamburger im U21-Kader. Dazu kommt der direkt vor der Haustür in Buchholz in der Nordheide geborene Stach. Gern würde ich die Hamburger beim HSV sehen, aber allein Nmecha hat einen Marktwert von 8 Mio. Wie Scholle finde ich auch, dass Dorsch eine Granate ist, aber auch dieser Zug ist abgefahren, weil er einen Marktwert von 7 Mio hat.

Den ablösefreien Raum hätte ich gern in Hamburg gesehen, aber er geht zu Hoffenheim und gegen die Erstligisten haben wir keine Chance. Die beiden Mainzer, Torwart Dahmen und Stürmer Burkardt, wären für uns auch eine Bereicherung. Dahmen hat zwar schwer gepatzt, aber er ist ein moderner Torwart und kann Fußball mitspielen.

Auch bei den Niederländern sind Granaten dabei. Insbesondere Koopmeiners ist herausragend. Ihn habe ich empfohlen, als er noch einen Marktwert von 1 Mio hatte, jetzt liegt sein Wert bei 17,5 Mio. Vielleicht wäre eine Leihe von Ekkelenkamp der unverständlich nur auf der Bank sitzt, möglich.

Insgesamt denke ich, dass wir früher die Talente kontaktieren und für uns gewinnen müssen. Gestern lobte Scholle hier die herausragende Bedeutung von Hrubesch. Auch hier stimme ich mit Scholle komplett überein. Aber ich bleibe dabei, dass er als Transfer- und Vorstandsberater mit dem Schwerpunkt Talentsichtung für uns wertvoller wäre als in seiner jetzigen Position.

Tatortreiniger
3 Jahre zuvor

Hunt-Interview über seine erstaunliche Fitness, seine Liebe zu Hamburg und mehr:

https://www.bild.de/sport/fussball/fussball/hsv-techniker-jetzt-lauf-lunge-aaron-hunt-verraet-fitness-geheimnis-75901014.bild.html

@Jonas/Scholle: der Newsticker in der Rautenperle war eigentlich eine sehr nette Sache. Denkt doch mal darüber nach, den wieder zu integrieren!

Last edited 3 Jahre zuvor by Tatortreiniger
Paulinho
3 Jahre zuvor

Noch etwas bewegt mich : Das Mopo Interview mit D. Thioune. Das hat mich ebenso zum Nachdenken gebracht und dazu war ich von seinen Worten sehr angetan. Eigentlich unterm Strich kann ich mir die Frage stellen, was kann ich schon dafür, dass ich in Hamburg geboren bin und die Eltern waren zwei weisse Menschen, Nichts! Was sagt schon die Hautfarbe eines Menschen über ihn aus- wenig bis nichts. Daher- jeden Menschen gleich beurteilen, als wäre Dein Gegenüber Du selbst, erstmal mit Respekt begegnen, wie unser Grundgesetz es von uns verlangt. Das GG, um das uns mancher Zeitgenosse, in welchem Land auch immer, beneidet. Handeln also auch wir Fussball Fans immer danach!

Der weiße Hai
3 Jahre zuvor

Bei aller sportlicher Hoffnung:

Bin beeindruckt, wie der HSV Ruhe in die Führung bekommen hat.

Einfach den Aufsichtsrat nicht ausreichend besetzen und auf den Vorstandsvorsitzenden verzichten – zack:

Keiner meckert, keiner verlangt was, keiner kontrolliert was. PER-FEKT!

Wer braucht schon einen Jeff Bezos, wenn er Paketpacker hat. Das müsste doch auch so gehen.

alwaysHSV
3 Jahre zuvor

Im Hinblick auf das Spiel in Hannover halte ich es für besonders wichtig, dass sich die Spieler nicht durch die Rückkehr diverser wichtiger Spieler in den Kader sage, dass jetzt alles etwas leichter gehen wird und die Spiele nun womöglich im Vorbeigehen gewonnen werden können. Dies darf auf keinen Fall in die Köpfe rein aber die Presseberichte über den durch die Rückkehrer ach so starken HSV-Kader arbeiten doch schon daran, dass sich solche Gedanken bilden können. Es darf kein Schritt weniger gelaufen werden und der Einsatz muss weiterhin nicht nachlassen wenn weiterhin gewonnen werden soll.

Paulinho
3 Jahre zuvor

Dieses Bild Interview, lieber Tato, bringt mich zum Nachdenken über die vergangenen Sichtungen, die die Talentspäher angestellt hatten. Hätten wir den Hunt bloss vor den Bremern entdeckt, dann wär er selbst hier im Blog wohlgelitten. Die Bremer zierten und zieren sich nicht in norddeutschen Gefilden nach Talenten zu jagen. Ein weiterer Beweis für die etwas schläfrige Scoutabteilung, um es milde auszudrücken. Nein, aber im Ernst, so weit ich weiss, kommt Hunt aus dem Harz, wieder ein norddeutsches Talent zu seiner Zeit, welches von den HSV Headhuntern ignoriert wurde. Daher mein guter Rat, der nicht teuer ist, frei nach Franz-Josef, „warum in die Ferne schweifen, denn das Gute ist so nah?“ Kann mir doch keiner erzählen, dass es hier im Norden von Göttingen bis Flensburg keine auffälligen Talente geben soll. Abräumer gibt in zahllosen Beiträgen viele Namen preis, wo er sich die Mühe gemacht hat, diese zu entdecken. Lieber HSV, nehmt doch mal Kontakt mit Abräumer auf, es lohnt sich!

Last edited 3 Jahre zuvor by Paulinho
Hans-Werner Rieken
3 Jahre zuvor

Schoen das alle wieder im Kader zur Verfuegung stehen, dann kann er Narey ja ohne Probleme zu Hause lassen.
NUR DER HSV

Ralf Lübbe
3 Jahre zuvor

Ich hoffe jedenfalls das D.T die Mannschaft so spielen lässt wie die letzten Spiele. Diese Spieler haben es sich das durch sehr gute Leistung verdient.
NUR DER HSV!!!!!

Jörg Brettschneider
3 Jahre zuvor

Die Voraussetzungen für den Aufstieg sind absolut gegeben. Trotz guter Konkurrenz und unnötigen Punktverlusten. Der HSV ist schließlich auch starke Konkurrenz für Bochum, Kiel und Fürth.

Der HSV muss sein Potenzial einfach nur ausschöpfen.

Wahr ist aber auch:
Es gibt überhaupt keine Ausreden mehr. Ein starker VV oder AR-Boss würde das jetzt intern auch so kommunizieren.

Die Mannschaft ist in der Pflicht, die letzten Spiele allesamt hochprofessionell anzugehen und sich am Riemen zu reißen.

Am Aufsteiger HSV kann dann kein Weg mehr vorbeiführen.

Ich würde es Thioune gönnen.

Grantler3006
3 Jahre zuvor

Alle Spieler an Bord zu haben ist gut, wenn sich das Team gegenseitig pusht und jeder dem Trainerteam zeigt, dass sie am Wochenende spielen wollen. Wenn der Trainer dann auf den Gegner abgestimmt das vermeintlich beste Personal bringt und ggf. während des Spiels die richtigen Schlüsse bzw. Entscheidungen trifft, dann ist es ein Luxusproblem, was hoffentlich zum gewünschten Sieg führt.

Aus meiner Erfahrung ist es manchmal einfacher aus weniger Auswahl die beste, sprich Effektivste zu treffen.

Wir werden es am Ostersonntag erleben und hoffe auf drei Punkte, auf jeden Fall gerne wieder mit Heyer und Ambrosius in der Innenverteidigung. Dudziak für Hunt und Terodde für Wood. Ansonsten so, wie gegen Heidenheim. Ist Dudziak nicht fit, so soll es der alte Mann gerne nochmal machen.

Riesum
3 Jahre zuvor

Rick hat heute am Kopfballpendel gearbeitet 👍