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Defensivprobleme und Ausfälle: HSV-Trainer Polzin muss improvisieren

Personalprobleme im Sturm und wackelige Defensive: Vor dem schweren Auswärtsspiel in Hoffenheim muss Trainer Merlin Polzin wichtige Personalfragen lösen.

Defensivprobleme und Ausfälle: HSV-Trainer Polzin muss improvisieren

Wer spielt am Sonnabend in Hoffenheim im Sturm? Und wer übernimmt den Platz von Albert Grønbaek? Zwei Fragen, über die sich beim HSV gerade wunderbar diskutieren lässt. Wobei der Anlass natürlich alles andere als erfreulich ist. Mit Grønbaek fehlt unser zuletzt formstärkster Offensivspieler, mit Patson Daka fällt ein weiterer Angreifer aus. Dazu kommen die Fragezeichen hinter Terem Moffi und Yussuf Poulsen. Für Merlin Polzin bedeutet das einiges an Arbeit. Für andere Spieler bedeutet es aber auch eine Gelegenheit, die sie sich teilweise längst erarbeitet haben.

Und damit bin ich bei Otto Stange. Ich finde: Der Junge hätte eine Chance in der Startelf verdient. Das sage ich nicht allein deshalb, weil er derzeit der einzige durchgehend fitte Mittelstürmer ist. Wer Stange gegen Kopenhagen gesehen hat, konnte erkennen, dass da ein junger Spieler mit Selbstvertrauen unterwegs ist, der sich noch versucht – der aber auch schon einiges umsetzt. Ein junger Spieler, der sich etwas zutraut, sich anbietet und Aktionen sucht. Natürlich war das ein Testspiel. Natürlich ist Hoffenheim eine andere Aufgabe. Aber irgendwann muss eine gute Entwicklung auch dazu führen, dass ein Talent mehr Verantwortung bekommt.

Dass Stange noch an seinem Freilaufverhalten und am Spiel gegen den Ball arbeiten muss, ist dabei kein überraschender Befund. Er ist 19 Jahre alt. Entscheidend ist für mich, ob er einer Mannschaft trotzdem schon helfen kann. Und da fällt meine Antwort aktuell ziemlich eindeutig aus: Ja, das kann er. Er kann sich zumindest dahin entwickeln – und das geht nur über Einsätze. Ergo: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Trotzdem gehe ich davon aus, dass am Ende der erfahrenere Poulsen die Nase vorn haben wird, sofern er bis Sonnabend wieder gesund und einsatzfähig ist. Polzin dürfte in einem schwierigen Auswärtsspiel seine Erfahrung schätzen, seine Arbeit gegen den Ball und seine Fähigkeit, der Mannschaft vorne Orientierung zu geben. Das kann ich auch in Teilen nachvollziehen. Gerade wenn der HSV tiefer verteidigt und längere Phasen ohne Ball überstehen muss, braucht er einen Stürmer, der die Abläufe kennt und die Mannschaft zusammenhält.

Nur sollte die Entscheidung auch davon abhängen, wie belastbar Poulsen tatsächlich ist. Wenn er seine Beschwerden überwunden hat und die Rolle voll ausfüllen kann, ist seine Aufstellung plausibel. Sollte bis zum Wochenende aber noch Unsicherheit bestehen, würde ich Stange das Vertrauen geben. Seine Fitness und seine zuletzt guten Auftritte sind Argumente, die Gewicht haben müssen. Und am allerwenigsten bringt es den HSV voran, wenn man auf einen Spieler setzt, der am Saisonende gesundheitsbedingt nie mehr als 15 bis 20 Spiele machen kann. Wenn überhaupt…

Chance für Adeline oder neue Ideen auf links?

Ähnlich spannend wird es auf der linken offensiven Seite. Nach allem, was Polzin zuletzt gesagt hat, dürfte Martin Adeline den Platz von Grønbaek übernehmen. Der Trainer hebt seine Mentalität hervor, seine Laufbereitschaft, seine Intensität und seinen Zug nach vorne. Das klingt schon deutlich danach, dass der Franzose in Hoffenheim seine nächste Gelegenheit bekommt.

Auch dafür gibt es gute Gründe. Adeline ist als Spieler mit Entwicklungspotenzial gekommen, und der Sprung aus der zweiten französischen Liga in die Bundesliga verlangt ihm einiges ab. Er geht Schritte vorwärts, wie zuletzt gegen Kopenhagen deutlich wurde. Dass noch nicht jede entscheidende Aktion sauber gelingt, sehen wir alle. Aber wenn Polzin auch im Training entsprechende Fortschritte erkennt, muss er ihm auch Spielzeit geben können. Ein junger Neuzugang entwickelt sich schließlich schwerlich weiter, wenn er nach seinen ersten Schwierigkeiten dauerhaft auf der Bank sitzt.

Ich würde Adeline deshalb wünschen, dass er diese Chance nutzt. Gleichzeitig bleibe ich bei einer Überlegung, die ich in den vergangenen Wochen mehrfach gesagt und geschrieben habe: Eine linke Seite mit Miro Muheim und Louis Lemke finde ich durchaus spannend. Gerade für dieses Spiel. Denn ich gehe davon aus, dass der HSV in Hoffenheim grundsätzlich etwas defensiver stehen muss. Und angesichts unserer offensiven Personalprobleme halte ich es für umso vernünftiger, ein erhöhtes Augenmerk auf die Null hinten zu legen.

Die Defensive muss stabiler werden

Allerdings: Diese Null hat sich in den vergangenen Bundesligawochen nun wirklich nicht angekündigt. Im Gegenteil. Zwölf Gegentore in den ersten drei Spielen und insgesamt 13 nach vier Spieltagen sind eine deutliche Ansage. Auch beim wichtigen Sieg gegen Köln blieb das HSV-Tor nicht sauber. Die bessere Organisation in diesem Spiel war ein Fortschritt, aber bis zu einer verlässlich stabilen Defensive ist es noch ein ordentliches Stück Arbeit.

Deshalb möchte ich auch das 2:0 gegen Kopenhagen in dieser Frage nicht vergessen – aber noch weniger überbewerten. Das war letztlich nicht mehr als ein Trainingsspiel. Und wie ich bereits geschrieben hatte, wirkte dieses Trainingsspiel zumindest in der ersten Halbzeit sehr, sehr freundschaftlich. Dass der HSV kaum etwas zuließ, war erfreulich. Daraus schon eine belastbare Aussage über unsere Bundesligadefensive abzuleiten, wäre mir aber deutlich zu viel.

Genau deshalb gefällt mir der Gedanke mit Muheim und Lemke. Oder eben Möller Wolfe und Lemke. Hauptsache kompakt bleiben, die Räume eng halten, gemeinsam verschieben und dem Gegner möglichst wenig einfache Wege zum Tor anbieten. Mit Bornauw zurück in der Dreierkette und den wieder verfügbaren Nationalspielern auf den Außenbahnen hat Polzin defensiv mehr Möglichkeiten. Nun müssen die Abstände stimmen, die Nebenleute einander helfen und die Spieler davor konsequent mitarbeiten.

Fazit

Ich traue diesem Trainerteam zu, wie schon desöfteren bewiesen, auch diesmal die richtigen Schlüsse zu ziehen. Seine Lernfähigkeit habe ich oft genug hervorgehoben. Dazu gehört für mich auch, personelle Entscheidungen immer wieder anhand der aktuellen Situation zu prüfen.

Meine Erwartung – nicht zu verwechseln mit „mein Wunsch“ – bleibt trotzdem: Ist Poulsen fit, beginnt er im Sturm. Und links dürfte Adeline vor Möller Wolfe die Chance bekommen, die Polzin mit seinen Aussagen bereits recht deutlich vorbereitet hat. Beides lässt sich begründen. Ich würde nur gern sehen, dass Stange dabei eine ernsthafte Rolle spielt – und dass die Kombination Muheim/Lemke mehr bleibt als eine nette Idee für unsere Personaldiskussion.

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4 Kommentare

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DU
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A
atarivor 50 Min.
Für mich ist vor Hoffenheim die Stürmerfrage gar nicht das größte Thema. 13 Gegentore nach vier Spielen sind deutlich aussagekräftiger als ein 2:0 in einem Testspiel. Wenn der HSV dort etwas mitnehmen will, muss zuerst die defensive Organisation funktionieren. Bornauw würde ich dabei gern in der Startelf sehen. Er kann natürlich keinen anderen Innenverteidiger eins zu eins ersetzen, aber er bringt Körperlichkeit und Erfahrung mit – und verteidigen muss er zum Glück auch nicht alleine. Entscheidend wird sein, ob die Dreierkette endlich als Einheit funktioniert, die Abstände stimmen und das Mittelfeld davor konsequent mitarbeitet. Bei Poulsen/Stange wäre ich pragmatisch. Ist Poulsen wirklich fit und belastbar, kann seine Erfahrung gerade auswärts wertvoll sein. Gibt es daran Zweifel, würde ich Stange beginnen lassen. Nicht weil ein gutes Testspiel ihn plötzlich zum fertigen Bundesligastürmer macht, sondern weil er fit ist, sich seine Chance erarbeitet hat und irgendwann auch unter Wettkampfbedingungen zeigen muss, wie weit er tatsächlich ist. Adeline für Grønbaek ist ebenfalls nachvollziehbar. Ich würde von ihm aber noch keine Wunderdinge erwarten. Der Sprung in die Bundesliga ist groß; wichtiger wäre mir zunächst, dass er seine Laufstärke und Intensität einbringt und defensiv sauber arbeitet. Die Idee Lemke/Muheim finde ich interessant, aber ich würde jetzt auch nicht zu viele Dinge gleichzeitig neu erfinden. Gegen einen Gegner, der früh Druck macht, wären mir Kompaktheit, klare Zuordnungen und ein sauberer erster Pass wichtiger als die nächste taktische Überraschung. Wenn der HSV in Hoffenheim defensiv deutlich stabiler steht und trotzdem regelmäßig zu Umschaltsituationen kommt, wäre das für mich schon ein echter Schritt nach vorn. Ob vorne dann Stange, Poulsen oder am Ende beide entscheidend werden, ist fast die angenehmere Frage.
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Der Grantlervor 39 Min.
Das hast Du stimmig zusammengefasst! 👍
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Rothose78vor 58 Min.
Diesem Trainerteam traue ich auch alles zu.......
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Der Grantlervor 41 Min.
Lemke ist jünger als Stange, schien mir allerdings in der Vorbereitung (Testspiele) näher an der Bundesligaform. Es ist schade, dass er nun keine richtig Chance auf Budesligaminuten bekommt. Ich hatte mir einen Muheim Wechsel gewünscht vor dem Saisonstart. Leider ist das nichts geworden und nun hat der junge Lemke zwei Spieler vor sich.
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