Keiner will Favorit sein

von | 06.01.21

Er fehlte heute leider wieder. Und wenn er morgen auch nicht trainieren kann, dann wird Amadou Onana gegen den 1. FC Nürnberg auch am Sonnabend auch wieder ausfallen. Adduktorenprobleme zwingen den Sechser derzeit zur Pause, bzw. zum individuellen Training im Kraftraum. „Wenn er morgen auch nicht trainieren kann, dann wird es sehr eng bis Samstag“, verriet uns der Trainer. Und Daniel Thioune legte nach: „Die Probleme sind so stark, dass wir nicht davon ausgehen, dass es klappt.“ Und selbst wenn er am Freitag wieder trainiert – wäre das zu wenig. „Wir haben bislang auf alle verzichtet, die nicht bei 100 Prozent sind. Und das werden wir auch hier so machen“, so Thioune.

Umso besser, dass sich im letzten Spiel gegen Regensburg einer zurückgemeldet hat, der zuletzt ein wenig Sorgen gemacht hatte: Moritz Heyer. Für mich einer der Besten gegen den SSV Jahn Regensburg, auch wenn das viele anders sehen mögen. Und auch Thioune lobte seinen Allrounder, der mir als Abräumer wie Antreiber gut gefallen hatte, heute. „Da waren sicher ein paar mehr Jungs, die mehr Erwähnung verdient gehabt hätten. Ich war zufrieden mit ihm. Was man sieht, ist, dass er verdammt viel unterwegs ist, um Löcher zu stopfen. Gerade mit den etwas offensiveren Achtern vor ihm – das war schon eine gute Vorstellung von ihm. Sicherlich auch besser als in den Wochen zuvor.“ Stimmt. Und er wird, da lege ich mich jetzt schon fest, auch am Sonnabend in Nürnberg auf der Sechs beginnen. Ginge es nach mir, dann auch gern wieder mit David Kinsombi und Jeremy Dudziak vor sich. 

Thioune: Nürnberg hinkt dem eigenen Anspruch hinterher

Dass man dabei am Sonnabend auf ein Team trifft, das bislang noch weit unter den eigenen Möglichkeiten geblieben ist, das wissen alle. Hier in Hamburg ebenso wie in Nürnberg. Denn auch der Club hatte vor der Saison gänzlich andere Ziele gesetzt. „Wir haben uns als Ziel gesetzt, eine sorgenfreie, ruhige Saison zu spielen“, sagte uns Ex-HSV-Trainer Dieter Hecking heute in seiner Funktion als Sportvorstand beim FCN.  Und damit hat er sicher stark untertrieben – aber was soll er als aktuell Tabellenelfter auch sagen? Und während Hecking gute Miene machen muss, ist Thioune etwas deutlicher: „Die gleiche Truppe wollte letzte Saison direkt aufsteigen. Sie hinken sicher den Ansprüchen ein bisschen hinterher. Und Platz zehn bis 12 kannst Du den Leuten in Nürnberg auch nicht verkaufen“, antwortet Thioune, auf die gleiche Frage. „Ich glaube schon, dass sie den Anspruche haben, diese Saison noch etwas zu klettern.“

Haben sie. Das machte uns Hecking auch deutlich. Er schob immer wieder ein, dass man sich erst noch finden müsse, nachdem man in der Vorsaison erst in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt in der Relegation sichern konnte. Zudem habe man einen Umbruch hin zur zweitjüngsten Mannschaft vollzogen. Ausführungen, die Thioune in Alarmstellung versetzen: „Sie haben immer noch eine richtig gute Mannschaft von den einzelnen Spielern her. Ein paar Jungs, die schon einiges gesehen haben und einige, die noch etwas können, wenn ich so an einen Robin Hack denke, an dem haben wir alle sehr viel Freude, wenn wir den bei der U21 sehen. Der wird sicher auch noch ein paar Schritte nach vorn gehen.“

Zudem steht beim Club ein Stürmer auf dem Platz, den der HSV im Sommer gern nach Hamburg gelotst hätte:  Manuel Schäffler (31). Ob er sich seinerzeit mit Schäfflers Verpflichtung beschäftigt hätte, haben wir Thioune heute gefragt. „Er war eigentlich die ganze Zeit Thema hier, da sich hier alle mit den Topstürmern der Zweiten Liga beschäftigt haben. Da war er genauso Thema, wie es ein Hendrik Weydandt, ein Philipp Hofmann und eine Simon Terodde. Und ich bin froh, dass wir uns letztendlich für den richtigen entschieden haben.“ Dennoch ist der Respekt vor Schäffler unvermindert groß: „Er hat Osnabrück immer sehr wehgetan. Diesmal ja wieder“, spricht Thioune dessen Treffer beim Nürnberger 4:1-Sieg in Osnabrück an. Thioune weiter: „Und ich hoffe, dass sich das auf Osnabrück beschränkt – nicht auf mich.“

Es wird ein schwieriges Spiel am Sonnabend, da lege ich mich fest „Der HSV wird uns sicherlich alles abverlangen – und noch ein bisschen mehr“, so Hecking heute. Der Sportvorstand des FCN lobte gleich eine handvoll HSVer. „Leibold hat aufsteigende Form , ein Vagnoman macht über die Außenposition viel Druck. Und es freut mich, dass Jatta anscheinend die Kurve wieder gekriegt hat“, so Hecking, der noch Dudziak, Kinsombi und Heyer lobend erwähnte, ehe er auf HSV-Angreifer Simon Terodde zu sprechen kam. „Er ist sicher der, der den Unterschied ausmacht.“ Thiounes Konter: „Schäffler weiß auch, wo das Tor steht. Und hinten können sie auch verteidigen – ich glaube, dass sie individuell nicht schlechter sind als wir.“

Wie auch immer, keiner will wirklich der Favorit sein – und vielleicht ist es auch keiner wirklich. „Wir werden eine hohe Bereitschaft mitbringen müssen“, fordert Hecking von seiner (neuen) Mannschaft, „weil die fußballerische Qualität beim HSV – ohne meiner Mannschaft damit zu nahe treten zu wollen – sicherlich noch einmal höher ist als bei uns. Aber ich glaube schon, dass wir auch Waffen haben, die dem HSV wehtun.“ Schäffler zum Beispiel. Oder auch Tobias Schweinsteiger, der am Sonnabend als Chef den gesperrten Trainer Klauß ersetzt. Ob Hecking den Vorteil sieht, dass Schweinsteiger den HSV aus dem vergangenen Jahr noch gut kennt? Er glaubt es ehr nicht. Im Gegenteil : „Ich glaube, dass es vielleicht eher ein Vorteil für den HSV ist. Es kann Motivation für die Hamburger Spieler sein, es uns beiden zu zeigen, dass sie sich weiterentwickelt haben. Ich hoffe aber, dass wir dem HSV zeigen können, dass sich hier in den letzten Monaten etwas in die richtige Richtung entwickelt hat.“

Hecking will seine Nürnberger noch mal explizit heiß machen

Hecking wirkte entspannt. Der Abstand zum hektischen Tagesgeschehen scheint ihm zu gefallen. Und er räumte mit den Gerüchten auf, vergangenen Sommer in Hamburg im Unfrieden gegangen zu sein, weil die Klubführung seine Forderungen nicht hätte erfüllen wollen. „Ich weiß ehrlich nicht, woher diese Informationen stammen. Von Jonas (Sportvorstand Jonas Boldt, d. Red.) sicher nicht. Ich habe für mich nach ein paar Tagen Auszeit festgestellt, dass ich in der Zweiten Liga nicht weiter als Chef-Trainer arbeiten wollte. Und bei Jonas habe ich gespürt, dass er etwas Neues machen will. Und dass er das vielleicht auch mit einem neuen Trainer angehen möchte. Es gab nie eine Forderung von mir, mein Abgang in Hamburg ist sehr harmonisch abgelaufen, weil beidseitig größte Wertschätzung da ist.“

Und das ist übrigens auch heute noch so, wie sowohl Hecking als auch HSV-Trainer Thioune bekräftigen. Hecking über Thioune: „Der HSV war in seiner Trainer-Laufbahn ein logischer Schritt. Er hat sicher  nicht lange überlegt, als er gefragt wurde. Ich glaube, dass er zum HSV passt. Er ist ein frisches Gesicht. Er arbeitet sehr reflektiert, ist ruhig geblieben, als er Gegenwind bekommen hat, und er verfolgt eine klare Idee, wie seine Mannschaft Fußball spielen soll.“ Worte, die Thioune freuen dürften. Thioune über Hecking: „Dieter Hecking genießt sehr hohe Wertschätzung.“

Friede, Freude, Eierkuchen – zumindest bis Sonnabend 13 Uhr. Dann wird es deutlich verbissener zur Sache gehen. Zumal Hecking auch noch sehr gut die letzten beiden Duelle erinnert, die er in seiner Funktion als HSV-Trainer gegen Nürnberg beide deutlich gewinnen konnte. Diesmal steht er auf der anderen Seite und kündigte bereits an, dass er seinen Nürnbergern noch einmal ins Gewissen reden werde. „Es ist mein Wunsch, dass das Ergebnis deutlich besser sein wird als in den beiden Spielen der vergangenen Saison.  Ich werde sicherlich noch mal zur Mannschaft sprechen und ihnen sagen, dass sie es diesmal besser machen sollen.“ Wobei das nicht zu schwierig sein dürfte. Immerhin gewann der HSV die letzten beiden Duelle mit 4:1 in Nürnberg und mit 4:0 in Hamburg…

So, das war es für heute. Denn ansonsten ist es heute ruhig geblieben. Morgen melde ich mich dann wieder bei Euch. Wieder am Abend. Wobei: Ich kann Euch an dieser Stelle nicht entlassen, ohne noch einmal auf den sehr launigen Podcast von Michel und Elvis hinzuweisen. Mein Tipp: Nehmt Euch eine ruhige Minute, setzt Euch Kopfhörer auf und taucht einmal ein. Es macht Spaß…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei wie zuletzt auch 24/7 auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

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