Ich lasse mir den Tag nicht entwerten…

von | 13.01.21

Ich hatte am Montagabend einen richtig netten Abend. Auf Einladung der Jungs von „HSV, meine Frau“ war ich zu Gast in deren gleichnamigen Podcast. Kai, Carsten und Jonas hatten mich zu sich nach Hause eingeladen und wir begannen den relativ späten Montagabend ganz locker. Ohne Vorgesprüch, was die Themen betrifft – einfach rein in die Nummer. Meist ist das Sponatane doch eh das Beste. Oder? Um es vorwegzunehmen: Ja! Der Podcast wurde schnell zum entspannten, lockeren Austausch von Anekdoten und Meinungen. Unter anderem kamen wir auch auf das Thema HSV-Gremien zu sprechen und ich musste mich schon arg zurückhalten, nicht zu weit vorzupreschen. Denn just auf der Autofahrt zu Kai, wo der Podcast aufgezeichnet wurde, hatte ich ein rund 30 Minuten andauerndes Gespräch mit einem HSV-Offiziellen, der mir sein komplettes Leid (und noch etwas mehr) klagte. „Was läuft da hinter den Kulissen“, wollte Kai dann keine Stunde später im Podcast von mir wissen. Und da ich absolut keinen Grund hatte und habe, Freunden etwas vorzuenthalten, sagte ich: „Es wird sehr zeitnah krachen.“ So, wie heute nachzulesen ist.

DAS ist ein wichtiges Thema – Michels Halbzeitbrause

Auch meine Kollegen sind schon seit längerer Zeit über die Vorgänge informiert. Sie kamen auch in keinster Weise überraschend, da sich die Fronten im Präsidium nicht erst seit gestern verhärtet hatten. Auch nicht erst seit der Demission Hoffmanns im vergangenen März. Nein, schon seitdem es im Aufsichtsrat erste Missstimmungen in Richtung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann gab, wurden wie in schlechtesten Zeiten Fronten gebildet. Oder besser gesagt: Picket Fences im Volkspark – zum gefühlt 100. Mal…. Und heute nun haben die drei großen Tageszeitungen das Thema groß aufgeschrieben. Tenor: HSV-e.V.-Präsident Marcell Jansen hat es schwer gegen die Hoffmann-Fraktion Thomas Schulz und Moritz Schäfer, die ihn als Präsidenten mit einer 1:2-Stimmen-Minderheit entscheidungsunfähig machen. Mittendrind viele Vorwürfe und vor allem sehr unterschiedlich dargestellte interne Abläufe.

Wobei von der „Hoffmann-Fraktion“ nur sehr wenig bis nichts zu lesen ist. Jansen klärt in den langen Reportagen in Teilen auf, was hinter den Kulissen los war, bzw, was los gewesen sein soll. Denn wirklich wissen tun es nur die Beteiligten selbst. Und die sind sich alles andere als einig. Nett formuliert. Denn es ist leider wieder einmal eine dieser Geschichten, die der HSV in den letzten Jahren zu oft geschrieben hat. Gekränkte Eitelkeiten, Machtgelüste, Fraktionsdenken – von allem liefert dieser HSV zu viel. Selbst jetzt, wo man sportlich gerade einmal etwas Ruhe hat.

Selbst die schlechtesten Finanzberichte wurden zuletzt öffentlich nicht nur geschluckt, sondern sogar gutiert. Klaus Michael Kühne ist seit vielen Monaten einfach nur ruhig. Und selbst auf Vorstandsebene hat es seit Monaten keine Querelen mehr gegeben. Keine Anrufe, die tendenziöse Berichte bewirken wollen. DAS gab es erst wieder jetzt. Und ich habe mich geweigert, dem stattzugeben. Ich hatte und habe einfach keine Lust mehr, mir von kleinen und großen Lügen, die so durchschaubar sind wie nichts, den Tag vermiesen zu lassen. Zu merken, dass mein Gegenüber (ob am Tisch oder am Telefon) versucht, Dinge zu lancieren, die ihm und seinem Vorhaben dienen – es ist einfach nur noch unangenehm. Selbst die krachigste Schlagzeile ist es mir nicht wert, mir einen meiner Tage so entwerten zu lassen. Von daher mache ich es auch hier und heute kurz, was dieses Thema betrifft:

Marcell Jansen ist HSV-Präsident und Aufsichtsratsboss, der sich dem Verdacht erwehren muss, Anteilseigner Klaus Michael Kühne und im weitesten Sinne dadurch auch einem Anteilsverkauf über die bislang festgelegten 24,9 Prozent hinaus zugeneigt zu sein. Auf der anderen Seite sind die von Bernd Hoffmann damals als Teammitglieder ins Präsidium gewählten Vizepräsidenten Thomas Schulz und Moritz Schäfer, die dem Vernehmen nach spätestens seit der Demission Hoffmanns eine konstruktive Zusammenarbeit mit Jansen verweigern. Letztes Beispiel: Die Vorschläge für die zwei ausstehenden Aufsichtsratsposten.

Elvis‘ musikalischer Spielbericht zum 1:1 in Nürnberg

Hier soll Jansen einen weiteren Kühne-Vertrauten favorisieren, den Bankier Hans Walter Peters – und der wurde vom Beirat durchgewinkt. Ebenso wie Kathrin Menges, während Moritz Schäfer selbst vom Beirat abgelehnt worden war. Dass Jansen mit Peters versuche, die Machtposition Kühnes zu stärken, nannte der ehemalige Nationalspieler „Fake News“. Parallel dazu schiebt Jansen die Diskussion über eine Kapitalzuführung via Umwandlung der aktuellen Rechtsform. Ein KG a.A. würde die Möglichkeit bieten, mehr Anteile zu verkaufen.  „Fakt ist, dass wir eine inhaltlich starke Diskussion mit der Mitgliedschaft über die Rechtsform führen sollten“, sagt Jansen in der Mopo von heute. Diese müsse aber „gründlich vorbereitet werden und transparent sein“. Denn genau darin wähnen Jansen Gegner die Motivation vieler Entscheidungen und Personalien der letzten Monate: Mehr Macht für Kühne.

Aber ist dem so? Aktuell hat Kühne intern angeboten, eigene Anteile zu verkaufen, wenn das helfe, die Verantwortung auf mehrere Schultern und breiter aufzustellen. Trotzdem suchte Schulz, der auf der Mitgliederversammlung selbst noch die Chance auf weitere Anteilsverkäufe gegen alle Widerstände aufrechterhalten wollte, darin den großen Vorwurf gegen Jansen. Inzwischen hat sich sogar schon der Ehrenrat eingeschaltet, um hier weiteren Schaden vom HSV fernzuhalten. Es wird geprüft, ob das Präsidium so weiter zusammenarbeiten kann oder nicht. Und, welch Überraschung: Letzteres ist die nahezu sichere Antwort.

Und die große Frage, die sich mir stellt, ist: Na und? Wäre es jetzt nicht eine sehr gute Möglichkeit, alle die gehen zu lassen, die die eigenen Interessen und Befindlichkeiten nicht hinter den HSV zurückstellen können?

Meine Antwort könnt Ihr Euch sicher denken. Ich würde an Stelle des Ehrenrates, den ich übrigens de facto als eines der wenigen wirklich hundertprozentig integren Gremien, genau hinsehen, wer sich für den HSV und wer sich für sich selbst einsetzt. Dass die Satzung das nicht leicht macht – klar. Aber gerade dieser Popel-Zoff auf Kleingartenniveau sollte als Exempel genutzt werden, um diesem HSV endlich in Richtung eines halbwegs funktionierenden Fußballklubs zu lenken. In einigen Teilen ist der HSV schon auf diesem Weg. Mit guten und schlechten Entscheidungen, klar. Die gehören dazu. Aber diese e.V.-Nummer ist ein Rückfall. Wobei, nein: Sie wäre ein Rückfall, wenn man sie ernst nehmen würde. Und das tue ich nicht. Ich überlasse das dem Ehrenrat und werde wie zuvor einfach da weitermachen, wo es meiner Meinung nach richtig ist: Beim Fußball.

Und der macht aktuell tatsächlich wieder etwas Spaß. Der HSV ist Tabellenführer und am Montag kommt mit dem VfL Osnabrück die ehemalige Mannschaft von HSV-Trainer Daniel Thioune. Amadou Onana absolvierte heute wieder ein Einzeltraining mit Reha-Coach Sebastian Capel, während sich Jan Gyamerah nach seinem Bänderriss zum Lauftraining auf dem Platz befand. Und während Letztgenannter ebenso sicher ausfällt wie Klaus Gjasula sind es für Onana noch zwei Trainingstage. Die hatte ihm Trainer Thioune gegeben, um sich für Montag gesund zurückzumelden. Besser gesagt: Am Sonnabend will Thioune noch einmal ganz genau bei Onana vorfühlen, ehe er eine Entscheidung fällt. Und ich hoffe stark, dass der jungen Mittelfeldspieler dann wieder dabei sein kann.

Apropos dabei sein: Das kann richtig Spaß machen. Wenn man so leidensfähige, leidenschaftliche und HSV-affine Jungs um sich herum hat wie ich am Montag mit Jonas „Gato“ Kölln, Kai Gremnitz und Carsten „Bonez“ Bohnsack. Denn der Spaß, den man mit anderen hat, wenn man sich seine schönsten, schlimmsten, erfolgreichsten und enttäuschendsten Geschichten über den HSV erzählt – DAS ist, was den HSV für mich so wertvoll macht.  Und ich bin mir ganz sicher, dass die Episode Jansen vs. Schulz/Schäfer in solchen Gesprächen zukünftig nicht berücksichtigt wird. Zumindest von mir nicht.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Marcus Scholz

Marcus Scholz

Sportjournalist Marcus „Scholle“ Scholz hat sich in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht. Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte und sogar auf Rang 6 und 7 im nationalen Fußballblog-Ranking platzieren konnte, ist „MoinVolkspark“ sein erster komplett eigener Blog über den HSV. Zusammen mit einem Team aus jungen, hungrigen HSV-Freunden wird dabei wie zuletzt auch 24/7 auf unterschiedlichen Kanälen über den HSV mit den täglich neuesten News und Entwicklungen in Wort, Bild und Ton berichtet. Scholles Motto allein macht schon deutlich, worum es ihm hier geht: „Ein Tag ohne den HSV ist ein verlorener Tag.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.

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