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🚹 Hoffenheim wird zum Reifetest: Der HSV muss nicht glĂ€nzen – sondern bestehen

Beim HSV dreht sich viel um das Personal im Sturm. Vor dem Spiel in Hoffenheim ist jedoch eine ganz andere Frage entscheidend: die Absicherung nach eigenen Ballverlusten.

🚹 Hoffenheim wird zum Reifetest: Der HSV muss nicht glĂ€nzen – sondern bestehen

Der HSV fĂ€hrt mit Hoffnung, aber auch mit einigen offenen Fragen nach Hoffenheim. Die Offensive ist personell angeschlagen, defensiv kehrt mit Sebastiaan Bornauw eine wichtige Option zurĂŒck und Merlin Polzin kĂŒndigt bewusst einen pragmatischeren Ansatz an. FĂŒr mich ist genau das der richtige Weg. Nach drei Niederlagen, 0:12 Toren und dem ersten Sieg gegen Köln muss der HSV morgen nicht beweisen, wie schön er Fußball spielen kann. Er muss zeigen, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat.

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich im Fußball die Schwerpunkte verschieben. Vor ein paar Tagen haben wir fast ausschließlich darĂŒber gesprochen, wer beim HSV vorne eigentlich noch die Tore schießen soll. Patson Daka fĂ€llt aus, Albert GrĂžnbaek ebenfalls, Terem Moffi ist körperlich noch nicht wieder dort, wo man ihn gerne hĂ€tte, und Yussuf Poulsen musste gegen Kopenhagen angeschlagen runter. Inzwischen hat sich die Lage zumindest etwas entspannt, weil Poulsen und Moffi wieder Teile beziehungsweise das volle Mannschaftstraining absolvieren konnten. Trotzdem bleibt die Offensive weit davon entfernt, sorgenfrei zu sein.

Und trotzdem glaube ich inzwischen, dass wir vor dem Spiel in Hoffenheim fast zu viel ĂŒber den Sturm reden. Denn die vielleicht wichtigste Frage lautet gar nicht, wer vorne beginnt. Sie lautet: Was passiert beim HSV nach dem eigenen Ballverlust?

Die Balance muss stimmen

Genau dort lagen die grĂ¶ĂŸten Probleme bei den beiden 0:5-Niederlagen gegen Mainz und Leipzig. Die AbstĂ€nde waren zu groß, die Absicherung funktionierte nicht, zu viele Spieler waren gleichzeitig auf dem Weg nach vorne und hinter ihnen öffneten sich RĂ€ume, die ein Bundesligist nun einmal gnadenlos bespielt. Zwei solche Niederlagen hintereinander sind kein Zufall und auch nicht nur mit individuellen Fehlern zu erklĂ€ren. Wenn du in zwei Spielen zehn Gegentore kassierst, dann stimmt etwas GrundsĂ€tzliches nicht.

Gegen Köln hat Polzin darauf reagiert. Der HSV spielte einfacher, kompakter und mit deutlich weniger Risiko. Das war spielerisch kein großer Wurf, aber es war genau die richtige Antwort. Und deshalb wĂ€re es fĂŒr mich jetzt der falsche Reflex, nach dem 2:0 gegen Kopenhagen wieder so zu tun, als könne man morgen sofort zurĂŒck zum offensiven Idealbild springen.

Zumal ich das Kopenhagen-Spiel ohnehin nur bedingt als Maßstab nehmen wĂŒrde. Gerade die erste Halbzeit war phasenweise fast zu freundlich. Wenig HĂ€rte, wenig Tempo, wenig von dem, was morgen in Hoffenheim auf den HSV zukommen wird. Dort wird es spĂ€testens nach dem ersten Zweikampf eine andere IntensitĂ€t geben.

Reife statt Hurra-Stil

Genau deshalb finde ich die aktuelle Tonlage von Merlin Polzin interessant. Er spricht nicht davon, dass der HSV morgen auf Teufel komm raus sein eigenes Spiel durchdrĂŒcken mĂŒsse. Vielmehr geht es um Klarheit, um Rollen, um einen vielleicht etwas anderen Ansatz. FĂŒr mich ist das keine Abkehr von einer Idee, sondern ein Zeichen von Reife.

Denn Entwicklung bedeutet eben nicht, immer offensiver und immer mutiger zu werden. Entwicklung bedeutet auch, zu erkennen, wann weniger mehr ist.

Hoffenheim ist dabei ein unangenehmer Gegner. Nicht, weil die TSG selbst ĂŒberragend in die Saison gestartet wĂ€re. Auch Hoffenheim hat Probleme und ist defensiv verwundbar. Aber genau diese Mannschaft ist gefĂ€hrlich, wenn man ihr RĂ€ume anbietet. Der HSV muss deshalb verhindern, dass sich morgen wieder jene wilden Spielphasen entwickeln, in denen nach einem Ballverlust plötzlich 30 oder 40 Meter Platz hinter dem Mittelfeld liegen.

In diesem Zusammenhang kommt die RĂŒckkehr von Sebastiaan Bornauw genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Belgier soll PrĂ€senz, Ruhe und StabilitĂ€t in die Dreierkette bringen. Das ist wichtig. Trotzdem wĂ€re es mir zu einfach, jetzt zu sagen: Bornauw ist zurĂŒck, also wird hinten alles gut. Denn keine Dreierkette dieser Welt kann dauerhaft stabil verteidigen, wenn davor die Ordnung fehlt.

Deshalb werden fĂŒr mich Nicolai Remberg und Albert Sambi Lokonga morgen enorm wichtig. Beide mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass der HSV nicht auseinandergezogen wird. Wenn die Schienenspieler hoch stehen, wenn die Achter nach vorne schieben und wenn dann noch einer aus der Dreierkette mutig aufrĂŒckt, muss irgendwo jemand den Laden zusammenhalten. Genau diese Balance hat in den ersten Wochen zu oft gefehlt.

Und da sind wir beim Kern des Spiels.

VerlÀsslichkeit vor Spektakel

Der HSV muss morgen nicht schöner spielen als gegen Köln. Er muss beweisen, dass er verstanden hat, warum er gegen Köln stabiler war. Das heißt ausdrĂŒcklich nicht, dass man sich hinten reinstellen soll. Hoffenheim hat selbst schon zehn Gegentore kassiert. Dort gibt es Möglichkeiten. Aber der HSV muss sie kontrolliert suchen. Mit klarer Absicherung. Mit Geduld. Und ohne diese Überzeugung, jeden Ballgewinn sofort in einen Angriff verwandeln zu mĂŒssen.

Gerade weil vorne weiterhin nicht alles optimal aussieht, wĂŒrde ich sogar bewusst ein erhöhtes Augenmerk auf die Null legen. Diese Null hat sich in der Bundesliga bislang nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht angedeutet. Gegen Köln war es deutlich besser, trotzdem gab es ein Gegentor. Gegen Kopenhagen stand die Null, aber das war ein Testspiel unter völlig anderen Voraussetzungen.

Wenn Poulsen fit ist, wĂ€re er fĂŒr mich im Sturm die logischste Lösung. Er bringt Erfahrung, Körperlichkeit und PrĂ€senz mit. Dahinter gibt es mit Vieira, Adeline, Stange und anderen Spielern genug Optionen, um offensiv variabel zu bleiben. Aber ich wĂŒrde nicht versuchen, morgen möglichst viel OffensivqualitĂ€t gleichzeitig auf den Platz zu stellen, nur um irgendein Zeichen zu setzen.

Das Zeichen sollte ein anderes sein: Der HSV hat gelernt. Genau das ist fĂŒr mich morgen der eigentliche Reiz dieses Spiels. Polzin und sein Trainerteam haben gegen Köln gezeigt, dass sie bereit sind, Dinge zu verĂ€ndern. Jetzt muss aus dieser Reaktion eine Entwicklung werden. Fehler sind erlaubt. Wiederholungsfehler irgendwann nicht mehr.

Und deshalb ist Hoffenheim ein richtig guter Gradmesser. Nicht, weil nach fĂŒnf Spieltagen schon irgendetwas entschieden wĂ€re. Aber weil wir morgen sehen werden, ob der HSV nach dem katastrophalen Start wirklich einen Schritt weiter ist.

Der HSV darf nicht Àngstlich agieren. Aber das liegt auch nicht in der Natur eines Merlin Polzin und seines Trainerteams. Ich möchte aber genauso wenig einen, der nach einem Testspielsieg gegen Kopenhagen glaubt, wieder mit sieben Mann gleichzeitig nach vorne rennen zu können. Denn: Der HSV muss aktuell nicht spektakulÀrer werden. Er muss verlÀsslicher werden.

Wenn dann vorne ein Poulsen trifft, ein Vieira einen Moment hat oder ein junger Spieler wie Stange seine Chance nutzt, umso besser. Aber die Basis muss stimmen.

Erst StabilitÀt. Dann Mut. Erst Ordnung. Und dann vielleicht auch irgendwann Schönheit.

Und wenn der HSV genau das morgen auf den Platz bekommt, dann fÀhrt er nicht nur mit einer besseren Chance auf Punkte nach Hause. Dann hÀtte er vielleicht zum ersten Mal in dieser Saison wirklich gezeigt, dass aus den bitteren Niederlagen tatsÀchlich etwas entsteht.

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2 Kommentare

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Absurdistan-26vor 1 Std.
Lasse mich gerne positiv ĂŒberraschen. Samstag 17:30 ist man schlauer 😎
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Dall-Asvor 1 Std.
Ist die Luft wieder rein? Hab ich was verpasst?
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